Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Als Jesus auf einem jungen Esel in Jerusalem einzog, streuten die Menschen Palmzweige und Kleider auf seinen Weg, um ihn als König willkommen zu heißen. Am Palmsonntag gedenken wir dieses Ereignisses, das die Eröffnung der Karwoche markiert.
Zu dieser Zeit gab es weder Pflastersteine noch Asphalt, die Wege waren staubig und uneben. Palmzweige und Kleider bereiteten also quasi den „roten Teppich“ für Jesus, so wie es heute bei Empfängen hochrangiger Personen üblich ist. Jesus wurde wie ein König empfangen, er war der lang ersehnte Messias, von dem die Leute hofften, dass er sie vom Joch der römischen Besatzer befreien würde. Sie riefen ihm „Hosanna“ zu, das kommt vom hebräischen „Hoschana“ - „Hilf doch“, zu. Palmen wurden vielerorts als heilige Bäume verehrt, sie galten auch als Sinnbild des Sieges und der Unabhängigkeit. Verständlicherweise waren die Römer sehr verärgert über diese Provokation.
Die Palmweihe, die bei uns am Palmsonntag gefeiert wird, wird im 7. Jahrhundert in einem irischen Messbuch erstmals erwähnt. Mit den geweihten Zweigen werden viele Osterbräuche verbunden: Sie sollen das Haus vor Blitz und Feuer schützen, zusammen mit den Schalen der Ostereier und den Kohlen des Osterfeuers wurden sie auch an den Ecken der Felder vergraben, um diese fruchtbar zu machen. Da in unseren Breiten keine Palmen wachsen, wurden Palmzweige durch Palmkätzchen-, Buchsbaum-, Wacholder- oder Haselnusszweige ersetzt. Das Schlucken geweihter Palmkätzchen sollte auch Krankheiten fernhalten.
Oft werden kunstvolle Palmbuschen, auch Palmbesen oder Palmschüppel genannt, aus verschiedenen Arten von Zweigen gebunden. Verziert werden sie mit bunten Bändern, Brezen – einer alten Fastenspeise, und Eiern. In einigen Regionen der Steiermark bekommen die Kinder für jeden Bund am Palmbuschen ein Ei von ihren Eltern geschenkt.
Auf die Palmweihe, die meist im Freien stattfindet, folgt in den meisten Pfarren eine feierliche Prozession in den Kirchenraum. Zentral für die Palmsonntagsliturgie ist das Verlesen der Passion Christi durch drei Personen – dabei liest traditionell der Priester die „Rolle“ des Jesus, eine weitere Person den Erzähler (also Evangelisten) und ein dritter alle übrigen Personen. An der Stelle, wo vom Tod Jesu berichtet wird, knien alle nieder und verharren in Schweigen und Gebet.
Palmsonntag in den Evangelien
Matthäus 21,1-11
Als sie sich Jerusalem näherten und nach Betfage am Ölberg kamen, schickte Jesus zwei Jünger aus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. Die Jünger gingen und taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.
Markus 11,7-10
Sie brachten das Fohlen zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg aus, andere aber Büschel, die sie von den Feldern abgerissen hatten. Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!
Lukas 19,28-40
Nach dieser Rede zog Jesus weiter und ging nach Jerusalem hinauf. Als er in die Nähe von Betfage und Betanien kam, an den Berg, der Ölberg heißt, schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte: Geht in das Dorf, das vor uns liegt. Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr dort einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los und bringt ihn her! Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr ihn los?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn. Die beiden machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte. Als sie den jungen Esel losbanden, sagten die Leute, denen er gehörte: Warum bindet ihr den Esel los? Sie antworteten: Der Herr braucht ihn. Dann führten sie ihn zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und halfen Jesus hinauf. Während er dahinritt, breiteten die Jünger ihre Kleider auf der Straße aus. Als er an die Stelle kam, wo der Weg vom Ölberg hinabführt, begannen alle Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Wundertaten, die sie erlebt hatten. Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe! Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: Meister, bring deine Jünger zum Schweigen! Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.
Johannes 12,12-14
Am Tag darauf hörte die Volksmenge, die sich zum Fest eingefunden hatte, Jesus komme nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen und riefen: Hosanna! / Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, / der König Israels! Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf - wie es in der Schrift heißt: Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin.
Festprofi zum Palmsonntag: Warum ritt Jesus auf einem Esel?
Palmweihen und Prozessionen in Graz
Palmweihen und -prozessionen in der Steiermark (Veranstaltungskalender)