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Das Feuer hat für das Verständnis des Ostergeschehens eine noch gewichtigere Bedeutung als etwa für das Weihnachtsfest: "Die Lichtfeier in der Osternachtliturgie zielt darauf hin, dass die Nacht überwunden wird. Jesus, der das Licht ist, besiegt mit der Auferstehung und seinem neuen Leben Tod und Dunkel, also alles Feindliche und Bedrohliche", weist der Grazer Liturgiewissenschaftler Peter Ebenbauer im Interview mit "Kathpress" hin. Ein zentrales Element der Auferstehungsfeiern sei die Osterkerze, die auch dabei helfe, wesentliche Inhalte des Christentums besser zu verstehen.
Die aus gebleichtem Bienenwachs hergestellte Kerze wird zu Beginn der Liturgie am geweihten Osterfeuer entzündet und anschließend in die dunkle Kirche getragen. Dort werden an ihr die Kerzen der Mitfeiernden entzündet, wodurch sich der Raum erhellt. Die Kerze brennt dann bei allen Gottesdiensten während der 50-tägigen Osterzeit bis Pfingsten, jedoch auch zu Taufen und bei Begräbnissen. Vielerorts ist es zudem üblich, dass Gläubige das kirchliche Feuer der Osterkerze in einer Laterne mit nach Hause nehmen oder auf die Gräber stellen.
Die Osterkerze versinnbildlicht nach einer alten Deutung Jesus Christus: Die Flamme stehe für seine göttliche Natur, das Bienenwachs hingegen für seine Menschlichkeit, erklärt Ebenbauer. "Beim Brennen verzehrt sich die menschliche Natur, damit durch diese Hingabe die Flamme als das göttliche Licht genährt wird, das stärker ist als alle Dunkelheiten." Traditionell wird in die Kerze ein Kreuz eingraviert, sowie die Jahreszahl und die griechischen Buchstaben "Alpha" und "Omega" - Verweise auf Jesus Christus als Anfang und Ende der Welt.
Verstärkt wird die Deutung von Jesus als "Fackel in der Nacht" auch durch die Lesungen der Osternacht: So wird etwa an die Feuersäule erinnert, die mit dem jüdischen Volk in der Exodus-Erzählung nachts durch das Rote Meer zog und sich zwischen ihnen und die ägyptischen Verfolger stellte. Eine zentrale Rolle spielen Licht und Feuer weiters bei der Offenbarung Gottes gegenüber Moses im brennenden Dornbusch oder bereits bei der Schöpfungsgeschichte der Genesis, als Gott Nacht von Tag trennt und das Licht erschafft.
Die heutige Form der katholischen Osternacht knüpft an die frühchristliche Nachtliturgie an, bei der in einem einzigen Gottesdienst das Leiden und Sterben Jesu, seine Auferstehung und die Neugeburt der Kirche in der Taufe gefeiert wurde. Ende und Höhepunkt war damals die in den anbrechenden Morgen gelegte Eucharistie. Erst im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus das größer entfaltete Osterfest mit den heiligen drei Tagen (triduum sacrum) zwischen Gründonnerstag und Ostersonntag sowie der Karwoche. "Durch dieses Auseinanderziehen der einzelnen Aspekte verlor die Osternacht ihre liturgische Bedeutung, zugunsten des Ostersonntags", schildert Ebenbauer.
Die Reform der Liturgie der Karwoche in den 1950er-Jahren unter Papst Pius XII. stellte die Osternachtliturgie dann wieder her und legte hier den Schwerpunkt. "Die Osternacht ist damit die Mitte und der Höhepunkt des liturgischen Jahres. Sie steht für das Glaubensgeheimnis, dass Leiden, Tod und Auferstehung zusammengehören und nicht auseinanderfallen dürfen", so der Professor für Liturgiewissenschaft.
Quelle: Kathpress
Osterfeuer
"Christus das Licht" wird auch im Brauchtum des Osterfeuers gefeiert. Im Alpenraum gilt das Osterfeuer seit langer Zeit als fixer Bestandteil der Osternacht. In Graz sind Osterfeuer seit 2011 aufgrund der Feinstaubbelastung verboten.