Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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"Das Gespräch zwischen Staat und Religion ist heute dringend geboten", so der Salzburger Erzbischof Franz Lackner in seinem Grußwort bei der internationalen Tagung. Der ehemalige steirische Weihbischof rekurrierte auch auf eine Begegnung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit Verantwortlichen der gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaften, bei der dieser sie dazu ermutigt habe, sich bei gleichzeitiger prioritärer Anerkennung der demokratischen Rechtsordnung zu wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen aktiv zu Wort zu melden.
Die Tagung in Seggau stand unter dem Motto "1918-2018: 100 Jahre Trennung von Staat und Kirche". Gerade im heurigen Gedenkjahr würden die Gespräche durch ihren Rückblick auf die Geschichte einen besonderen Impuls für die Zukunft geben, betonte der steirische Gerichtsvikar Gerhard Hörting in seinen einleitenden Worten in Vertretung von Bischof Wilhelm Krautwaschl. Er unterstrich die Bedeutung eines solchen Symposiums, über tagesaktuelle Momentaufnahmen hinaus größere Zusammenhänge zu reflektieren. Besonders der Islam stelle heute die Frage der Verhältnisbestimmung von Staat und Religion in einer neuen Weise, zumal in Hinblick auf deren Sichtbarkeit und ihren Ort in der Öffentlichkeit. Hörting: "Der Mensch als homo religiosus ist nicht nur ein Individuum, sondern auch eine Person, wie Papst Benedikt XVI. bei seiner Ansprache im Deutschen Bundestag gesagt hat."
Die Aufklärung sei eine illegitime Tochter des Christentums, die diesem oft peinlich gewesen wäre, sagte der scheidende evangelische Superintendent Hermann Miklas in Hinblick auf das ambivalente Verhältnis von Staat und Religion in der Moderne. "Im sozialen Bereich waren die Kirchen dem Staat als Trendsetter voraus, etwa bei den Themen Migration, Bildung oder Gesundheit. In ethischen Fragen hingegen setzt der Staat Benchmarks, die auch für uns schwierig sind." Hier gelte es mit der Kraft der Argumentation eine angemessene Antwort zu finden, so der steirische Superintendent.
Der Vortrag des Luzerner Kirchenhistorikers Markus Ries beschrieb unter dem Leitwort "Die Kirchen und das Ende der Monarchien" die von Licht und Schatten geprägte Geschichte des Verhältnisses von Staat und Religion seit der Französischen Revolution 1789 in einem europäischen Kontext. "Zur DNA der Revolution gehörte die Kritik am Zwang zu Religion." In einer Reaktion auf die schrecklichen Gräuel im Verlauf der Französischen Revolution seien eine antidemokratische, monarchistische Gegenbewegung zunehmend mit religiösem Gedankengut verbunden worden.
Die Spannung zwischen Liberalismus und staatlichem wie nationalem Autoritarismus kennzeichnete dementsprechend die Kirchengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts im Allgemeinen und die Kirchengeschichte dieser Epoche im Besonderen. Erst das Zweite Vatikanische Konzil hätte mit seiner Hinwendung zu Demokratie und Religionsfreiheit einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der katholischen Kirche gebracht.
kathpress
"Seggauer Gespräche" seit 2006
Die "Seggauer Gespräche" wurden 2006 auf Initiative des nunmehr emeritierten steirischen Diözesanbischofs und ehemaligen Europareferenten der Österreichischen Bischofskonferenz, Egon Kapellari, ins Leben gerufen. "Die Veranstaltung im heurigen Gedenkjahr ist ein wichtiger interdisziplinärer Beitrag zu unserer gemeinsamen Verantwortung für eine humane und vitale Gesellschaft", so der Grazer Theologe Peter Rosegger, der im Krankenhaus der Elisabethinen tätig ist.
Das Dialogforum findet alle zwei Jahre im südsteirischen Seggau statt und ist eine Kooperationsveranstaltung der Diözese Graz-Seckau, der Erzdiözese Salzburg, der Evangelischen Diözese Steiermark, des Instituts für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz und des Instituts für Europarecht und Internationales Recht der Wirtschaftsuniversität Wien.