Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Dieselbe Leidenschaft wie beim Bemühen um das Friedensprojekt Europa in den 1950er-Jahren braucht es nach Überzeugung des Innsbrucker Bischofs Hermann Glettler "auch heute, damit man nicht wieder in eine Feindseligkeit zurückfällt, die Mauern aufbaut und mit dem Problemlöser Krieg spekuliert". Angesichts vieler Krisenerscheinungen sollte man Europa "nicht allein den Politikern überlassen", sagte Glettler in einer aktuellen Beilage der "Tiroler Tageszeitung" zum "Forum Alpbach". Es seien die Zivilbevölkerung mit all ihren Einrichtungen und Communities und auch die Kirche gefragt, betonte der Bischof im Doppelinterview mit Alpbach-Präsident Franz Fischler.
Eine "seelenlose Abschottungspolitik" gerate langfristig zum Schaden Europas, warnte Glettler. Der Kontinent habe unterschiedliche Kulturtraditionen integriert und trotz aller Verwerfungen so etwas wie eine europäische Identität entwickelt. "Eine aggressive Abwehr von Menschen, die einen Ort zum Überleben suchen, kann nicht die europäische Handlungsmaxime sein". Zu warnen sei auch vor einer Entwicklung, die eine immer größere Gruppe zu Wohlstandsverlierern mache. "Dann wächst die Aggression", so Glettler. Menschen müssten auf allen Ebenen zu Beteiligten gemacht werden.
Die Kirche könne eine gute Balance von Vielfalt und Einheit vorleben, verwies Glettler auf das gute Miteinander verschiedener Konfessionen als "europäische Realität". Es brauche beides, denn "Vielfalt ohne die Mühe um Einheit verkommt zur Anarchie, und Einheit ohne Vielfalt zur gefährlichen Gleichschaltung". Außerdem sei es der erste Auftrag der Kirche, "geistliche Nahrung für die Seele" anzubieten, so der Bischof. Auch ein großer Organismus wie Europa könne "seelisch verkümmern". Mit der Verkündigung des Evangeliums baue die Kirche eine ganz wichtige spirituelle Ressource auf - eine innerliche Kraft zu gottgeschenkter Barmherzigkeit, Weitsicht, Güte und Versöhnung.
Forum Alpbach
Mit einem Vortrag des US-Wirtschaftswissenschaftlers Joseph Stiglitz über die Auswirkungen einer stärkeren Beachtung der Diversität der Konsumenten und Produzenten in einer zukünftigen Weltwirtschaft wird am 15. August das diesjährige Forum Alpbach eröffnet. Auch für religiös Interessierte finden sich zahlreiche Programmpunkte, etwa eine Podiumsdiskussion am 21. August zu "Ethische Herausforderungen von Korruption für Vertrauen, menschliches Wohlergehen und Gemeinwohl" u.a. mit dem nigerianischen Primas-Kardinal John Onaiyekan.
Ihre Teilnahme am Forum zugesagt haben u.a. der honduranische Kardinal und früherere Weltcaritas-Präsident Oscar Rodriguez Maradiaga und der Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, Kurienbischof Marcelo Sanchez Sorondo. Bischof Glettler leitet die traditonelle Tiroler Messe am 19. August in der Alpbacher Pfarrkirche, für "interreligiöse Morgenbetrachtungen" und "Abend.Stille"-Meditationen sorgen u.a. die Bischöfe Franz Lackner (Salzburg), Alois Schwarz (St. Pölten) und der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker sowie Vertreter von Judentum und Islam.