Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Am 22. November trafen einander die VertreterInnen der christlichen Kirchen der Steiermark zum traditionellen Jahresempfang. Gastgeberin Landtagspräsidentin Bettina Vollath freute sich, auch dem diesjährigen Empfang des Ökumenischen Forums mit dem Plenarsaal des Landtages Steiermark wieder eine würdige Bühne geben zu können. Sie betonte: „Trotz der unterschiedlichen Größenverhältnisse pflegt man einander auf gleicher Augenhöhe zu begegnen. Gute Beziehungen, oft sogar Freundschaften zwischen den Repräsentantinnen und Repräsentanten der verschiedenen Kirchen, prägen seit vielen Jahren das steirische Klima und zeigen vor allem eines unserer Gesellschaft vor: Nur in einem gemeinsamen Miteinander können wir gegen Intoleranz und Ausgrenzung ankommen. Gemeinsam stehen wir für Inklusion und Teilhabe für alle Menschen in unserer Gesellschaft und gemeinsam können wir, wie es uns in den „68ern“ vorgelebt wurde, eine gerechtere Welt für alle schaffen.“
Der Vorsitzende des Ökumenischen Forums, Stadtpfarrpropst Christian Leibnitz, verwies in seiner Begrüßung auf die gemeinsam begangenen Gedenkjahre 2017 und 2018 und auf das kommende Jubiläum 2019: 20 Jahre Ökumenisches Forum christlicher Kirchen in der Steiermark. Der Titel der Veranstaltung „Als Kaffeetrinken politisch wurde. Umbruch – Aufbruch 1968“ wurde ausgewählt, um auf die damals aufkommende Solidarität mit den Kaffeebauern und das generell wachsende Bewusstseins für globale Gerechtigkeit hinzuweisen - Themen, in die auch viel christliches Engagement floss. Dabei erinnerte Leibnitz an Slogans wie „Jute statt Plastik“ und mit Blick auf die Entwicklungszusammenarbeit an „trade not aid - Handel statt Hilfe “. Vieles wäre ohne die 68er Bewegung nicht möglich gewesen. Die 68er Bewegung stellte auch kirchenintern kirchliche Autorität in Frage. „Es war wohl die Zeit der Slogans, darunter auch der Ausspruch ‚Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren‘“, so Leibnitz.
Das erste Impulsreferat von em. Univ.-Prof.in Susanne Heine bezog sich auf die emanzipatorische Entwicklung innerhalb der evangelischen Kirche. Frauen wurden in Österreich 1967 zur Ordination zugelassen, und trotzdem durften sie alleine keine Pfarre leiten. Ein Widerspruch zur Erfahrung während des Zweiten Weltkrieges, als Frauen, nachdem die evangelischen Pfarrer zum Kriegsdienst eingezogen worden waren, diesen Dienst sehr wohl übernehmen durften. Für Heine, die anhand persönlicher Erfahrungen die Entwicklung der Frauenrechte in der evangelischen Kirche in den 60er Jahren aufzeigte, ein Widerspruch. „Männer machten Revolution, Frauen durften für sie Kaffeekochen oder Flugblätter abtippen. Erst 1980 sei die komplette Gleichstellung, vor allem durch das Agieren der sogenannten „Salzburger Gruppe“ ab 1971, erreicht worden.
Der Religionsjournalist Peter Pawlowsky erinnerte in seinem Kurzreferat an die rasante Entwicklung eines Klerikalismus, wie er 1968 mit der Enzyklika „Humanae Vitae“ begann. Der Vatikan habe damals aufgrund des Bedeutungsverlustes in den aufkommenden Nationalstaaten seine ideologischen Positionen geschärft, eine autoritäre Kirchenleitung habe sich Ende des 19. Jahrhunderts etabliert. Noch unter Papst Johannes XXIII. empfahl eine Kommission, EhepartnerInnen über Empfängnisverhütung im Sinne der Gewissensfreiheit frei entscheiden zu lassen. Eine Entscheidung, die Kardinal Karol Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II., unterband. Für Pawlowsky eine „bleibende Beschädigung der Glaubwürdigkeit der Kirche“.
Moderator Hochschulseelsorger Alois Kölbl befragte Edeltraud Pongratz, die 1968 als erste evangelische Pfarrerin in der Steiermark ordiniert wurde, und Harald Baloch, ehemaliger wissenschaftlicher Referent von Bischof Johann Weber, über ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit dem „schilllernden Jahr“ 1968. Harry Baloch machte vor allem auf die rationalen und emotionalen Widersprüchlichkeiten aufmerksam. Man stellte sich gegen die Autoritäten der „Tätergeneration“ durch Rationalismus und sehnte sich zugleich nach philosophischen Autoritäten.
Wie wir ohne Gewalt und ohne uns zu verbiegen, unseren Sehnsüchten folgen können, war eine der zentralen Fragen, die anschließend im Plenum diskutiert wurden.
Am Jahresempfang nahmen Superintendent Wolfgang Rehner und Superintendentialkurator Michael Axmann sowie, in Vertretung von Bischof Wilhelm Krautwaschl, Bischofsvikar Heinrich Schnuderl teil. Seitens der Politik nahmen neben Landtagspräsidentin Bettina Vollath, Klubobmann Lambert Schönleitner und Bundesministerin a.D. Ruth Feldgrill-Zankel teil.