Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“, lautet ein Zitat des deutschen Schriftstellers Matthias Claudius aus dem frühen 19. Jahrhundert. Das ist heute noch gültig – mit der Ergänzung, dass man inzwischen auch vom eigenen Beitrag zum Klimawandel erzählen kann, wenn man unterwegs ist. Dieser Beitrag ist vor allem beim Fliegen verheerend, wie sich bei einer von der Katholischen Kirche Steiermark veranstalteten Expertendiskussion im Grazer Franziskanerkloster zeigte.
Franz Prettenthaler, Leiter der Abteilung Klima, Energie und Gesellschaft bei steirischen Joanneum Research brachte die Fakten mit. Um ein Grad Celsius sei die globale Temperatur seit 1960 gestiegen, bis 2040 werden es 1,5° C mehr sein. Dann ist jene Grenze erreicht, zu der sich die Weltgemeinschaft (ohne die USA) in Paris verpflichtet hat. „Sorge bereitet nicht die jetzt spürbare Wärme“, sagt der Forscher, „sondern dass die künftige Wärme bereits produziert wurde. Denn in den Ozeanen ist heute der 600-fache Jahresverbrauch an Energie und Wärme der gesamten Welt gespeichert“. In den Ozeanen schlummert eine Bedrohung für die Klimastabilität und die Gefahr, dass die Erde zum „hot house“ mit einer bis zu 6° C höheren Durchschnittstemperatur werde. „Dann könnte nur mehr ein Teil der Weltbevölkerung von der Erde leben“, sagt Prettenthaler.
Gegensteuern könne man nur mit einer Verringerung der Treibhausgase (Kohlenstoffdioxid – CO2, Methan, Stickoxide und andere). Derzeit liegt die Pro-Kopf-Produktion von CO2 in Österreich bei rund 15 Tonnen im Jahr. 7,5 Tonnen entfallen auf die Infrastruktur, die zweite Hälfte hängt am eigenen Verhalten. Mit einer Flugreise nach Australien habe man das eigene CO2-Jahresbudget quasi verbraucht. „Um einen Flug in die USA und wieder zurück zu kompensieren, dürfte man zwei Jahre nicht mehr die Wohnung heizen“, sagt Lina Wagner von der Forschungsgesellschaft Mobilität. Und ergänzt, dass jährlich nur drei Prozent der Weltbevölkerung mit Flugzeugen unterwegs seien und damit gleichzeitig für fast drei Prozent der jährlichen CO2-Belastung verantwortlich sind.
Soll man also nicht mehr fliegen? Oder kann man das schlechte Gewissen wenigstens per Kompensation beruhigen? Stefanie Zauner von der kirchlichen Klimakollekte – die Initiative betreut Kompensationsprojekte in Sachen CO2 – zeichnet ein differenziertes Bild. Bei den Kompensationsmaßnahmen sei nicht alles Gold, was glänzt. Bei Aufforstungsprojekten gebe es immer wieder umstrittene Landrechte. Wer sicher sein möchte, muss auf die Zertifizierung der Maßnahme setzen. Die Klimakollekte folgt dem „Gold Standard“ und inkludiert bei der Berechnung von Flugreisen nicht die CO2-Belastung, sondern auch die anderen entstehenden Treibhausgase. Die Flugreise nach Australien mit besserem Gewissen kostet dann 270 Euro extra. Die Klimakollekte unterstützt damit Projekte, die CO2 einsparen. Zum Beispiel ein Herdprojekt in Uganda, bei dem Feuerstellen durch einfache, gemauerte Herde ersetzt werden. „Pro Herd entstehen 3,8 Tonnen CO2 im Jahr weniger“, sagt Zauner.
Die Kompensation ist also besser als nichts. Am besten ist aber – und da sind sich alle ExpertInnen einig – das Vermeiden ersetzen von Flugreisen durch Bahn- oder Busfahrten. Auch voll besetzte Autos sind wesentlich klimafreundlicher als Flugzeuge. Eine Lösung des Dilemmas wäre mehr Kostenwahrheit beim Transport. Das Fliegen müsste teurer sein, der Bahnverkehr günstiger und international besser abgestimmt werden.
Die Veranstaltung war Teil der Fastenaktion 2020 der Katholischen Kirche Steiermark und wurde von der Umweltbeauftragten der Diözese Graz-Seckau Hemma Opis-Pieber und der Aktion Autofasten organisiert.
In den persönlichen ökologischen Fußabdruck fließt der gesamte Lebensstil ein. Die Mobilität und das Reisen spielen ebenso eine Rolle wie das Einkaufsverhalten und das Verwenden von elektronischen Geräten. Wer den eigenen ökologischen Fußabdruck wissen möchte, kann ihn unter www.lifestylecheck.at berechnen.