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GL 208 – Christe, du Lamm Gottes
M: Braunschweig 1528
Man geht davon aus, dass Luthers ,,Deutsche Messe" aus dem Jahr 1526 ein Kyrie enthielt, dessen Melodie als Vorlage für das Agnus Dei verwendet wurde. Diese wurde in der Braunschweigischer Kirchenordnung von 1528 veröffentlicht und bald zum lutherischen Standard-Agnus.
Zum Text: Das Agnus Dei aus der Braunschweigischer Kirchenordnung, hat sich im katholischen Kirchengesang eine feste Position erarbeitet. In der vorliegenden Fassung entspricht der Text dem ursprünglichen, indem statt "Schuld" "Sünd" und statt der Wiederholung der Friedensbitte ein abschließendes "Amen" verwendet wird.
Die Agnus-Dei-Übersetzung der ökumenischen Ordinariumstexte formuliert: ,,du nimmst hinweg die Sünde der Welt". In dieser Übersetzung wird uns ,,qui tollis" als ,,du trägst" oder ,,du hast getragen" präsentiert. Jesus, das Lamm Gottes, übernimmt unsere Sünden und trägt sie weg. Dieses Symbol des ,,Sündenbocks" (Lev 16, 20 ff.) wird durch Jesus erfüllt. Er befördert ,,die Sünden der Welt" (Joh 1,29) nicht in eine entlegene Wüste, sondern auf den Sühnopferaltar des Kreuzes. Wir sehen, wie Jesus unsere Schuld trägt und die Strafe erträgt, die wir verdient haben, und rufen um Gnade und um die Heilstat des Friedens, die er durch das Blut seines Kreuzes bewirkt hat (Kol 1,20).
Zur Melodie: Seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts ist diese Weise bekannt. Nach der gregorianischen Tradition ist der Gesang in eine Vorsänger-Intonation und Gemeinde-Antwort mit dem Ruf „Erbarm dich meiner“ und „Gib uns deinen Frieden“ gegliedert, was eine dreiteilige Periode ergibt. Es bildet ein vollständiges Lied, durch die zweimalige Wiederholung und der coda-artigen Erweiterung des Wortes „Amen“.
Der Rhythmus des Liedes entspricht der sprachlichen Struktur, die Abschlüsse der Sätze werden durch Dehnungen hervorgehoben. Der melodische Verlauf ist einfach, die Bewegung ist meistens stufenweise, mit Ausnahme eines Anstiegs. Der Tonumfang bleibt innerhalb einer Quinte. Der jeweilige Spannungshöhepunkt befindet sich am dritten Satz, welcher durch eine Viertelpause stärker betont wird. Die dritte Anrufung wird durch das Fehlen der Pause als Ausdruck der inneren Ruhe und des Friedenswunsches vermittelt. Das abschließende Amen lässt die Melodie dann ausschwingen, indem alle verwendeten Töne tonleiterartig auf- und abwärtsgeführt werden, um mit der typischen Schlußwendung der dorischen Tonart zu enden.
Die ansprechende Melodie des Liedes stellt den Gemeindegesang nicht vor eine Herausforderung. Es ist zu berücksichtigen, dass es vor dem Textteil ,,Gib uns deinen Frieden" keine Viertelpause gibt. Wenn kein Vorsänger verfügbar ist, kann das Intro problemlos von der ganzen Gemeinde gesungen werden. Aufgrund seiner Kürze eignet sich dieses Agnus-Dei-Lied perfekt für den liturgischen Gebrauch.
Viele Komponisten haben diese Melodie verwendet, folgend eine kurze Auswahl an Orgelchorälen:
GL 208 - Christe, du Lamm Gottes
Bach, Johann Sebastian (1685-1750) - Christe, du Lamm Gottes, BWV 619
Distler, Hugo (1908-1942) - Christe, du Lamm Gottes
Kauffmann, Georg Friedrich (1679-1735) - Christe, du Lamm Gottes