Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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1. Wenn jemand "Patron" ist, gilt er als Schutzherr. Der Begriff selbst stammt aus dem Lateinischen und geht auf "pater", also "Vater" zurück. Der Verweis auf den Vater spielt an auf den väterlichen Schutzherrn und seine Fürsorgepflicht. - Gerade deswegen bin ich dankbar, dass wir mit dem hl. Josef schon seit nunmehr 255 Jahren einen steirischen Landespatron haben, einen "Schutzherren". Schon mehr als 100 Jahre vorher, 1654[1], wurde der Josefitag als Feiertag in den Salzburger Diözesanteilen der Herzogtümer Steiermark und Kärnten eingeführt. Und in Seckau wie auch in Vorau war die besondere Verehrung des heiligen Josef als Nährvater schon im 12. Jahrhundert verbürgt.
2. Wenn wir anhand der eben gehörten Evangelienstelle auf den hl. Josef blicken, dann können wir so manches für unser Miteinander im "grünen Herzen Österreichs" mitnehmen - gleichsam als Orientierung, denn der, der schützt, will uns auch darauf hinweisen, "wo der Weg langgeht", uns vor Gefahren bewahren.
a. Josef wird als "gerecht" geschildert. Er war ein frommer Mann, fest im jüdischen Glauben verankert und damit auch einer, der ausgerichtet war am Willen Gottes. Das Judentum lebt ja aus der tiefen Überzeugung, dass der Weg zur Freiheit und damit zum Leben nur durch die Anerkennung Gottes möglich ist. - Wir verbinden mit dem, was "Recht" heißt, meistens Gesetze und Normen - und mitunter auch, wie wir sie am besten umgehen. Leicht vergessen wir, dass diese dahinterliegende Werte bewahren wollen. In der Bibel geht es freilich nicht bloß um Normierungen, sondern um die lebendige Beziehung zu Gott als Grundlage für alles Tun und Lassen. "Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus"[2] ist der erste Satz des Abschnitts im Alten Testaments, den wir als "10 Gebote" bezeichnen. Also nicht Moral und Normen sind das Erste im Glauben, sondern die lebendige Beziehung zu Gott. Um diese Beziehung ging es im Evangelium von heute als Grundlage von Josefs Handeln. Untersuchungen zeigen, dass diese Beziehung zu Gott hier bei uns bei weitem nicht mehr von allen geteilt wird. Zu glauben, ist nicht selbstverständlich. Das hat mit einer Glaubwürdigkeit der Kirche oder mancher ihrer Vertreter zu tun und damit, dass so manche uns Reformstau nachsagen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Für viele ist Gott mittlerweile zu einem Fremdwort geworden. Dabei vergisst man, dass der Glaube Leben ist, unser Leben, und die 700 Kirchen in unserer Steiermark halten dies nach wie vor hoch: "Lebt mit Gott!" Denn ohne Gott ist die "Gefahr" zu groß, dass sich ein Mensch als Retter und Messias aufplustert.
b. Josef tat, was der Engel ihm aufgetragen hat - in der Sprache der Bibel ist die Begegnung mit einem Engel eine mit Gott. Als Ehemann von Maria, die ein Kind erwartete, das nicht von ihm war, war das damals starker Tobak. Aus der Bibel wissen wir von weiteren schwierigen Ereignissen rund um die Heilige Familie: Neben der beschwerlichen Reise mit einer Hochschwangeren zur Volkszählung nach Betlehem war da die Flucht nach Ägypten, um der Verfolgung durch König Herodes zu entgehen, oder die Suche nach dem bei einer Jerusalem-Wallfahrt verschwundenen jungen Jesus, der schließlich im Tempel in Jerusalem gefunden wurde. Mit diesen Erzählungen wird - ohne dass von Josef auch nur ein Wort überliefert wäre (!) - seine schützende Begleitung von Jesus und Maria deutlich. Diese Erzählungen beschreiben zudem, dass es im Leben immer auch darauf ankommt, im Alltag das Füreinander im Blick zu haben, eine gute Ausrichtung nicht zu verlieren und nach unseren Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen; wir leben nicht aus uns selbst und nicht nur für uns. Diese Verantwortung erwächst aus der Liebe, die uns als Christinnen und Christen von Gott mitgegeben ist. Diese Liebe hat alle im Blick. Und mehr noch - der verstorbene Papst Franziskus hat es immer wieder betont: Erst, wenn wir allen als Kinder Gottes begegnen, wird die Würde aller Menschen real, werden wir alle eine Familie. Da haben wir noch viel zu lernen, beginnend bei der Sprache, damit das Leben von "caritas", also der Liebe, nicht zu einer Worthülse verkommt.
c. Josef lebte als Bauhandwerker mit seiner Familie in Nazareth. Mit dem Leben eines Juden war selbstverständlich der Glaube verbunden und damit Hoffnung auf Heil und Frieden. - Wie sehr sich doch alle hier bei uns auch danach sehnen! Das Miteinander ist derzeit sehr labil - Krieg und Terror, Klima, Arbeit und Arbeitslosigkeit, Demographie und vieles andere verlangen erst recht nach einem guten Aufeinander-Zu. Menschen, die in der Öffentlichkeit Verantwortung haben, egal ob in Gemeinde, Land, Nation, Europa oder Kirche, müssen das größere Ganze im Blick haben, dürfen nie nur die eigene Klientel bedienen. Wir brauchen den Ausgleich von Interessen - im Wissen darum, dass wir Menschen endliche Wesen sind, nie und nimmer vollkommen. Ja, es gilt, für Frieden und Gerechtigkeit zu "kämpfen" und immer wieder das gemeinsame Haus, unsere Erde, zu bedenken, in dem wir als Menschen leben. Obwohl unsere endgültige Heimat im Himmel ist.
d. Schließlich: Der Beginn des heutigen Evangeliums ist ein lapidarer Hinweis auf den Stammbaum Jesu. Wer diesen kennt, weiß, dass darin keineswegs nur heiligmäßige Menschen vorkommen. Aber Gott ist fähig, auch auf krummen Zeilen gerade zu schreiben. - Für uns bedeutet dies: Wir können uns als Menschen zwar nicht aus der Verantwortung wegstehlen, die unser Sein mit sich bringt. Wir alle sind aufeinander verwiesen. Gerade deswegen dürfen wir uns immer wieder Gott anvertrauen, der das Sagen hat und uns durchs Leben trägt. - Ernsthaft zu glauben bedeutet, für das Miteinander Sorge zu tragen und lässt gleichzeitig zu, dass wir - weil wir alle Gottes geliebte Kinder sind (!) - uns dann und wann eingestehen dürfen, nicht perfekt zu sein. In der Sprache der Kirche gesagt, "sündig" zu sein. Wichtig ist nur, anzuerkennen, dass Gott uns jene Orientierung gibt, die uns gut leben lässt. So erliegen wir nicht der Versuchung, dass die einen oder die anderen die Besseren seien oder gar wir der Nabel der Welt sind. Wie wohltuend doch die biblischen Stellen sind, die dies deutlich machen.
3. Kein Wunder also, dass angesichts dieser herausragenden Stellung des heiligen Josef der steirische Landespatron seit 1870 auch Patron der ganzen, die Welt umspannenden katholischen Kirche ist. Gerade deswegen "fügt" es sich, dass Kirche und Welt, Diözese und Land, an dem einfachen Zimmermann sich ein Beispiel nehmen - im Wissen um das Eingebettetsein ins große Ganze. Erbitten wir hierzu Gottes Segen und heute auch den Segen des hl. Josefs, unseres Landespatrons.
[1] https://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Symbole/Steiermark_-_Landespatron (1.2.2026)
[2] Ex 20,2.