Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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"Der Himmel tut sich auf" - Die Worte aus dem heutigen Evangelium sind Vorgeschmack auf Ostern und das Leben auf ewig. - Auch wenn wir uns hier versammeln, tut sich der Himmel auf, glauben wir doch, dass in den irdischen Gestalten von Brot und Wein nach der Danksagung der Herr selbst in einer unüberbietbaren Weise gegenwärtig ist. Er, der Lebendige ist auch in seinem Wort gegenwärtig, das wir eben vernommen haben. Und auch dort, "wo zwei oder drei sich in seinem Namen versammeln" (vgl. Mt 18,20). Dieses Glaubens-"Geheimnis" ist groß und daher tun wir gut daran, in diesen Wochen hin auf Ostern auch über das Wesen der Eucharistie nachzudenken und darüber, dass Gott selbst mitten unter uns ist.
Wenn wir zusammenkommen und Eucharistie feiern, dann erinnern wir uns an daran, wie Jesus gelebt hat, gestorben und auferstanden ist und was er für uns heute ist. - "Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich, wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen, er erniedrigte sich, war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz." (vgl. Phil 2) Das ist nicht nur niedergeschriebene Erinnerung, sondern wir glauben und sind überzeugt, dass diese "Selbstentäußerung" Jesu im Heute und Jetzt (!) sich ereignet. Indem wir Eucharistie vollziehen, wird Er, wird Jesus selbst gegenwärtig. Gottes Nähe zum Menschen und seine unüberbietbare Liebe werden gegenwärtig. Uns wird (aufs Neue) geschenkt, dass Jesus selbst heute "neu" erfahrbar wird. Sein Leben wird einmal mehr ein Teil unseres Lebens - weil es uns deutlich vor Augen steht. Anders ausgedrückt: Wenn wir Eucharistie feiern, können wir nicht gleich bleiben. Wir lassen uns ein auf ein "gewagtes" Tun: Indem uns Jesu Art zu leben - also Gottes Art zu leben - deutlich wird, werden wir in diese Lebensart hineingenommen. Ein, wenn nicht gar der wesentlichste Aspekt jesuanischen und damit christlichen Lebens ist die "Hingabe" - und genau diese wird deutlich, wenn Brot (und Wein) dargereicht werden, wenn sich Jesus an uns verschenkt. Oder eben wenn er sich uns schenkt in seinem Wort, das wir eben vernommen haben. - Wenn früher einmal gesagt wurde, dass das Wichtigste der Messe die Wandlung sei - der in das Hochgebet eingebaute Bericht vom letzten Abendmahl - dann hat dies auch Bedeutung für unser Leben: Wir können, wenn wir hier mit Haut und Haaren mitfeiern, nicht mehr bei uns selber bleiben, da auch wir gewandelt werden zu einem Lebensstil geprägt von dem Jesu, geprägt von der Liebe, geprägt von der Liebe zu Gott und zu den Menschen. Zugleich machen wir aber auch oft die Erfahrung, dass zwar schnell bekannt wird, "das Wichtigste im Leben der Christen ist die Messe und in der Messe die Wandlung". Gelebt wird hingegen nicht, dass die Wandlung, die Anwesenheit Jesu in Brot und Wein, das Wichtigste für uns Christen ist [vgl. L. Zenetti].
Wenn wir uns also Jesus gleichsam und sogar buchstäblich "einverleiben"(!), wird noch einmal deutlich: Der Lebensstil des Himmels ist uns geschenkt und aufgegeben, nicht damit wir nur staunend uns niederknien, sondern vor allem, damit uns dieser Stil zu eigen wird. - Himmel und Erde sind spätestens seit Jesu Christi Sein und Wirken auf Erden nicht mehr nur getrennt, sondern Er, der Ewige, ist in die (Menschen-)Zeit eingebrochen und bleibt mitten unter uns bis zum Ende der Welt. Daher können wir auch am heutigen Tag nicht anders als um die Wandlung der vielen Krisen- und Kriegsgebiete dieser Erde in friedliche Regionen zu beten. Wieder sind wir in unseren Tagen Zeugen aktueller militärischer Auseinandersetzungen - und das seit gestern erneut in der Weltregion, die eigentlich "geheiligt" ist durch die Menschwerdung Jesu, durch sein Leben und Wirken dort, geheiligt ist durch den Ruf Gottes an das auserwählte Volk der Juden, geheiligt ist durch die Zusage des Lebens an Abraham und seine Nachkommen. "Bomben und Raketen führen [nämlich] am Ende zu keiner Lösung, sondern zu Tod, Zerstörung und menschlichem Elend"[1] Damit scheint die Sehnsucht der vielen Millionen Menschen nach einem friedlichen Miteinander erneut zutiefst getroffen - so wie es in der Ukraine schon seit Jahren ist, so wie es an den zahlreichen weiteren Schauplätzen von Gewalt in verschiedenen Gegenden unseres gemeinsamen Hauses ist. Halten wir alledem unsere Gebete und unsere Hoffnung entgegen, die kein blinder Optimismus ist, sondern eine beständige Entscheidung für das Reale, im Vertrauen darauf, dass Gott selbst in den Wunden der Welt wirkt.[2] Das hilft jener Verwandlung mit, die gerade heute die Menschheit nötig hat. Denn wir alle wissen uns als Ebenbilder des einen Gottes und daher als Schwestern und Brüder aufgerufen, das Mit- und Füreinander in den Vordergrund des Lebens zu stellen im Wissen, dass durch Christus und einem Leben nach seinem Wort der Himmel auch auf dieser vielfach verwundeten Erde Platz greifen kann.
[1] Volker Türk, UNO-Menschenrechtskommissar in der Zeit im Bild 28.2.2026.
[2] Bischof Erik Varden bei den Fastenexerzitien der römischen Kurie 2026, zit. nach einem Newsletter der Bethlehem University vom 28.2.2026.