Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Ein einfacher Karmelit des 17. Jahrhunderts inspiriert nicht nur Papst Franziskus, sondern begeisterte unlängst auch die Besucher des Bildungsforums bei den Minoriten, als Weihbischof Johannes Freitag über Küchenbruder Lorenz sprach und mit einigen Übungen faszinierte, wie sie auch Papst Leo praktiziert. “Papst Leo ist nicht von großen Theologen geprägt, sondern einem einfachen Ordensbruder, der Koch und Schuster war”, so Weihbischof Johannes.
Lorenz von der Auferstehung, wie der ganze Ordensnamen des Nicolas Herman lautet, unterscheidet sich extrem von den großen Theologen. Kaum Schriftliches ist von ihn erhalten, sein Ordensleben war geprägt vom einfachen Dienst in der Küche und später als Schuster. “Sein Motto war, dass Gott stets da ist”, so Weihbischof Johannes, und in der Gegenwart Gottes bekomme selbst das Einfachste im Leben eine besondere Qualität. “Ich wende die Omelette aus Liebe zu meinen Mitbrüdern und repariere Schuhe mit Dankbarkeit für das Leder und das Leben des Tieres”, ist von Lorenz überliefert. Und das, obwohl er von seiner Arbeit nicht sonderlich begeistert war. Trotzdem unterscheidet er die Arbeitszeit nicht von der Gebetszeit; ein revolutionärer Gedanken. Für Lorenz werden Arbeit und Alltag zum Gebet, weil alles zusammengehört, weil Gott immer und überall dabei ist.
“Jede und jeder kann Gott im Alltag finden”, ist der Weihbischof in Anlehnung an Bruder Lorenz überzeugt. Das Vertrauen, dass Gott immer da sei, führe zur wahren inneren Freiheit, die so weit gehe, dass man das Sterben als Teil des Lebens akzeptiere; wissend, das da noch etwas kommt. Bis dorthin gilt, so der Weihbischof: “Jeder Atemzug ist ein Geschenk Gottes, das man sich nicht kaufen kann."
Von Bruder Lorenz sind einige Meditationen überliefert, die auch Papst Leo begeistern. Zum Beispiel, den Gedanken zu verfolgen, dass Gott durch mein Tun, Reden und Arbeiten Hand und Fuß bekommt. “Probieren wir immer wieder mal, Gott zu bitten, alles gemeinsam anzugehen”, so Weihbischof Johannes. Bruder Lorenz betonte auch die Gelassenheit; er bezog es speziell auf seine Ordensoberen. Wichtig sei, darauf zu vertrauen, dass alle Menschen sich bemühen und sich selbst nicht in Dingen zu ergehen, die man nicht in der Hand habe. Denn letztendlich füge Gott alles so, dass es passe. “Und er schenkt uns morgen einen neuen Tag, zeigt uns wieder Schönes und lässt uns Gutes erfahren”, sagt Bischof Johannes. Man muss es nur erkennen wollen.
Thomas Stanzer
Küchenbruder Lorenz wurde 1614 als Nicolas Herman in Lothringen geboren. Als Soldat im 30-jährigen Krieg erlebte er Gewalt und Chaos, wurde verwundet und zweifelte massiv an Gott. Sein schicksalhaftes Erlebnis war die Beobachtung eines Baumes, der im Winter kahl und tot erscheint und im Frühjahr doch wieder in voller Pracht auflebt. So war für ihn klar, dass Gott überall wirkt; wenn auch oft im Verborgenen. Er tritt 1640 in Paris in den Karmeliterorden mit dem Namen “Lorenz von der Auferstehung” ein und bleibt dort bis zu seinem Tod im Jahr 1691 Laienbruder, Koch und Schuster. Von ihm sind nur einige Briefe und Gesprächsnotizen erhalten, gesammelt im empfehlenswerten Büchlein „Die Übung der Gegenwart Gottes“.
Der Abend zu Bruder Lorenz fand im Rahmen des neuen Bildungsschwerpunktes “Die Gegenwart Gottes erleben” des Grazer Bildungsforums bei den Minoriten statt. Am 8. Juli 2026 beginnt dazu eine spannende Vortragsreihe über “Spirituelle Wege. Persönliche Zugänge. Gemeinsames Üben.” Infos und Anmeldung auf der Website des Bildungsforums: Die Gegenwart Gottes erleben.