Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Vor knapp einem Jahr erschien Bischof Wilhelms Buch „Die Macht der Vergebung“ und weiterhin ist das Thema für viele Menschen spannend. Zuletzt bei zwei Lesungen in den Pfarren Eibiswald und Ilz. In bewährt launiger und gleichzeitig nachdenklich stimmender Doppelconference sprachen Bischof Wilhelm und Co-Autor Erich Fuchs darüber, wie wichtig es ist, versöhnt schlafen zu gehen; versöhnt mit sich und mit anderen.
Immer wieder konnte man trotz der vollen Säle die berühmte Stecknadel fallen hören, als der Bischof von seinen Erlebnissen erzählte. Etwa von der Frau aus Ruanda, wo im Genozid 1994 eine Million Menschen ermordet wurde. Sie lebt neben dem Mörder ihres Vaters, Nachbarn seit ewig. Zu Jahresbeginn war Bischof Wilhelm in Israel und Gaza, wo die Gräuel noch viel präsenter sind. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Vergebung trotz allem möglich ist und damit auch eine gute Zukunft“, so der steirische Bischof.
Immer wieder betont Bischof Wilhelm, dass alle Menschen von Gott geliebt sind, die Guten wie die weniger Guten. „Jesus hat Judas die Füße gewaschen, wissend, dass ihn dieser ans Messer liefern wird.“ Angesprochen auf die Amokläufe und darauf, wie man derartigen Mördern vergeben könne, zögerte der Bischof kurz: „Man muss mit diesen Menschen nicht zusammenleben wollen, aber man kann sie als Mensch akzeptieren, mit Fehlern, als Gescheiterte, die vor Gott dennoch eine Chance haben.“ Deshalb helfe es, auch für jene zu beten, die Leid verursacht haben und für deren Familien, weil auch diese das brauchen. Bischof Wilhelm verweist hierzu auf Worte Jesu aus dem Matthäus-Evangelium: „Was Du den Geringsten Gutes getan hast, hast Du mir Gutes getan.“
Das beste Rezept für ein gutes Miteinander ist die Bereitschaft, alle als Schwestern und Brüder zu sehen wie in einer Familie. „Da muss nicht immer alles perfekt sein, das war es in der heiligen Familie bei Maria und Josef auch nicht“, so Bischof Wilhelm. Aber wenn man im Gespräch bleibe, zuhöre, dann könne Zukunft gelingen. Wichtig sei auch, nicht unversöhnt schlafen zu gehen mit Gattin und Gatten, mit Kindern, mit Freunden. Bischof Wilhelm: „Ich habe viele Menschen erlebt, die nicht sterben konnten, weil noch etwas offen war. Das war immer wieder tragisch.“ Und vor allem sei wichtig, sich selbst als gut wahrzunehmen, als von Gott geliebt. „Es gibt keine perfekten Menschen, wir alle haben Fehler. Dennoch sind wir von Gott geliebt. Er hat uns alle gern. Er vergibt uns und deshalb können auch wir vergeben“, so der steirische Diözesanbischof.
Natürlich wurde viel mehr gesagt, Ernstes wie Lustiges. Wer das erleben möchte, hat derzeit zwei Chancen: Die nächsten Lesungen sind in der Pfarre Graz-Süd am 16. Juni ab 19 Uhr und am 17. September um 19 Uhr in der Pfarre Kalsdorf fixiert. Weitere sind in Planung. Pfarren, die gern eine Lesung veranstalten möchten, können sich unter bischof@graz-seckau.at melden.