Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Mit viel Schwung ging es in die Herbst-Vollversammlung des Diözesanrates der Diözese Graz-Seckau, ging es doch gleich zu Beginn um das Knüpfen eines Riesennetzes als Symbol für das kirchliche Netzwerk in der Diözese. Einmal mehr interessant war die Vorstellung einer Region. Diesmal war Murau/Murtal an der Reihe, mit sieben Seelsorgeräumen, 63 Pfarren und 99.000 Bewohnerinnen und Bewohnern. Berichtet wurde über Licht und Schatten: Die Ehrenamtlichen werden immer älter und seien teils überfordert. „Wie wird das 2027 mit der Wahl der Pfarrgemeinderäte?“, fragte man sich. Dazu kommen demografische Probleme wie die Abwanderung, steigende Wohnungs- und Grundstückspreise, weil sich betuchte Touristen einkaufen, und die höchste Suizidrate in Österreich. Dem gegenüber stehe ein großer Zusammenhalt bei den Menschen; sie seien der größte Schatz der Region. Man betonte die Begeisterung in den ländlichen Gebieten für kirchliche Traditionen, die gute Zusammenarbeit in vielen Seelsorgeräumen und das große Engagement der Ehrenamtlichen. „Die Identifikation mit der Kirche ist noch immer gut“, so Christa Spiegel vom Seelsorgeraum Pölsental. Das Rezept für die Zukunft: Die katholische Kirche in der Region möchte „schmackhaft wie das regionale Bier sein.“
Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl berichtet über den mittlerweile von Rom offiziell auch für Frauen freigegebenen Dienst der Akolythen. Diese sind bei Wort-Gottes-Feiern ebenso im Einsatz wie beim Spenden der Kommunion. Vor allem sollen sie vor Ort die Ausbildung derer übernehmen, die diese Dienste auch übernehmen wollen. Bischof Wilhelm verwies auch auf die neuen Gremien in der Diözese – die Bischöfliche Synodenkonferenz und die Generalvikariatskonferenz. Beides sei ein Versuch im Sinne der Synodalität und könne, falls nicht zielführend, auch wieder anders werden.
Vom schwindenden Demokratieverständnis, von mehr Menschen in Not und gleichzeitig weniger Möglichkeit zu helfen sprachen Nora Tödtling-Musenbichler und Sozialarbeiter Joe Eder. „Demokratie heißt für immer mehr Menschen, dass es so ist, dass es mir gut geht“, so der Befund der steirischen Caritas-Direktorin. Dazu komme eine große Unsicherheit, die geprägt ist von Jobverlusten, Inflation, Budgetkürzungen und, wie Sozialarbeiter Eder betont, steigende Aggressivität. Gleichzeitig orten beide eine enorme Solidarität – sichtbar etwa bei der Hochwasserhilfe, bei Licht ins Dunkel, bei der ehrenamtlichen Tätigkeit. Die Caritas-Direktorin hat ein Rezept gegen die Resignation: In der unmittelbaren Umgebung, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz aufmerksam sein und auch via Spendenaktionen so helfen, wie es möglich ist, damit anderen geholfen werden kann. Sie hofft, dass wir keine „Landkarte der Abwesenheit“ zeichnen müssen, sollten in nächster Zeit viele Hilfsleistungen, Beratungen, Deutschkurse, Jugendzentren und mehr verloren gehen.
Die mahnenden Worte fielen auf fruchtbaren Boden. Die Diözesanräte waren sich einig, dass die Kirche der Gegenpol zur spürbaren Angst, zu Isolation und Einsamkeit sei; durch viel Gutes, das in der Öffentlichkeit oft zu wenig sichtbar sei. Als größtes Problem rund um die steigende Armut ortet man die „gefühlte Armut“, also jene Gruppe, die sich einen gewissen Luxus wie ein großes Auto, einen exquisiten Urlaub oder ein teures Handy nun nicht mehr leisten könne. Ein mögliches Gegenmittel: Begegnung, Gespräch, Unterstützung.
Die Halbzeitreflexion des Diözesanrates fiel gut aus. Man sei gut unterwegs, habe aber noch genug zu tun. Schwerpunkte bleiben der Fokus auf die Jugend, der Austausch zwischen Seelsorgeräumen und Diözesanrat, das Lernen von anderen durch Besprechen gelungener Projekte oder der zeitgemäße Umgang mit den Sakramenten. Bei allen Themen wünsche man sich mehr Austausch mit den Bischöfen.
Der Diözesanrat der Diözese Graz-Seckau ist jenes Gremium, das die KatholikInnen in der Steiermark repräsentativ vertritt.