Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Rund 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Österreich kamen Anfang November in Salzburg zum ersten Studientag Pfarrgemeinderat zusammen. Eingeladen waren neben dem in der Bischofskonferenz für Pastoral zuständigen Referatsbischof Josef Marketz (Diözesanbischof von Gurk-Klagenfurt) Menschen aus allen Bereichen der katholischen Kirche, Hauptamtliche aus Pastoral und Organisation sowie viele ehrenamtliche Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte. Im Mittelpunkt stand die gemeinsame Frage, wie kirchliches Leben im Jahr 2037 aussehen wird und welche Rolle der Pfarrgemeinderat dabei spielt.
In vier thematischen Gruppen wurde ausgehend von einem Zukunftsszenario gearbeitet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer überlegten, was im kirchlichen Leben 2037 sichtbar und spürbar sein könnte, wie Gemeinschaft und Glaube erlebt werden, welche Aufgaben die Kirche übernimmt und welche Unterschiede zwischen Stadt und Land bestehen.
Die Diskussionen zeigten ein vielstimmiges und zugleich realistisches Bild: Die klassische Volkskirche wird sich stark verändern. Kirche bleibt dort lebendig, wo Menschen Räume für Begegnung, Glaube und Verantwortung gestalten. Gemeinschaft entsteht neu, vielfältig, spirituell offen und oft jenseits gewohnter Formen.
Ein Gedanke zog sich durch alle Gruppen: Belonging before believing. Zugehörigkeit kommt vor dem Bekenntnis.
Der zweite Teil des Studientages widmete sich der Rolle des Pfarrgemeinderats im Jahr 2037. Im Austausch wurde deutlich, dass der PGR künftig stärker als Ort verstanden werden muss, an dem gesellschaftliche Fragen, Glaubensthemen und lokale Verantwortung zusammenfinden: Ein Knotenpunkt im kirchlichen und gesellschaftlichen Netzwerk.
Viele Stimmen betonten die Bedeutung klarer Rollen und transparenter Verantwortung. Frauen sollen selbstverständlich Leitungsaufgaben übernehmen. Beteiligung gelingt, wenn Offenheit, Vertrauen und gelebte Synodalität spürbar werden.
Die Schlüsselfaktoren für ein gelingendes Miteinander wurden klar benannt: Vielfalt leben, Transparenz schaffen, Übergänge gestalten, Kompetenzen klären, Seelennahrung sichern und Zeugnis geben.
In einer dritten Arbeitsphase wurden erste Entwicklungsschritte zu diesen Schlüsselfaktoren formuliert. Vielfalt soll aktiv gestaltet und als Stärke verstanden werden. Leitung muss auf Kompetenzen gründen, nicht nur auf Weihe. Die Kirche braucht neue Rahmenbedingungen, die Verantwortung ermöglichen und Mut machen.
Dabei wurde auch der Frage nicht ausgewichen, ob der PGR als Struktur Zukunft hat und wie er sich weiterentwickeln könnte: Eine Einladung, Leitungsformen neu zu denken und stärker im Sozialraum zu verankern.
Der Studientag wurde durch Reflexionen von Prof. Salvatore Loiero von der Universität Salzburg begleitet. Er betont, dass Kirche nur dann zukunftsfähig bleibt, wenn sie sich mitten in die gesellschaftlichen Veränderungen wagt. Glaube darf nicht im geschützten Raum bleiben, sondern muss in der Begegnung mit einer pluralen Welt lebendig werden. Loiero plädiert für eine Pastoral, die Menschen in ihrer Eigenverantwortung stärkt und Kirche als offenen Lernraum versteht. Diese Haltung prägte auch die Atmosphäre des Studientages.
In der abschließenden Reflexionsrunde hielten viele fest, dass der Studientag eine seltene Tiefe und Offenheit im Gespräch ermöglicht hat. Inspirierend war nicht nur der Austausch, sondern das gemeinsame Ringen um Sprache, Zukunft und Glaubwürdigkeit.
Eine Teilnehmerin aus der Diözese Linz brachte es auf den Punkt:
„Wir haben gespürt, dass Kirche nicht einfach verwaltet, sondern gestaltet werden will. Von Menschen, die Verantwortung übernehmen und bereit sind, sich bewegen zu lassen.“
Der Pfarrgemeinderat ist ein Leitungsgremium, das für das Leben und die Entwicklung der Pfarrgemeinde Mitverantwortung trägt. Zusammen mit dem Pfarrer gestalten gewählte Frauen und Männer das Pfarrleben als Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung aller Gläubigen.
Ausgehend von der Situation der Menschen am Ort, dem sozialen und kulturellen Milieu, arbeitet der Pfarrgemeinderat an der Entwicklung der Gemeinde, damit sie als Lebensraum des Evangeliums glaubwürdig ist. Im Dialog mit Einzelnen und Gruppen nimmt der Pfarrgemeinderat die Lebensumstände der Menschen wahr, deutet sie im Licht des Evangeliums und handelt entsprechend.