Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Die zwei komplexen Fragen, wie die katholische Kirche dem vielgestaltigen Islam und homosexuell orientierten Personen begegnen soll, sind bleibend wichtig und dürfen nicht verharmlost werden.
Was den Islam betrifft, erwarten viele Menschen in- und außerhalb der Kirche von der Kirchenleitung mit Recht, dass damit verbundene Probleme nicht verschwiegen oder schöngeredet werden. Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari hat dazu seit Jahren wiederholt öffentlich klar und differenzierend Stellung genommen.
Was Fragen betreffend das Thema Homosexualität angeht, lehrt die katholische Kirche besonders auch im Weltkatechismus, dass so orientierte Personen nicht diskriminiert werden dürfen: „Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen.(Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 2358)“ Zugleich kann die Kirche eine homosexuelle Praxis nicht als regulär anerkennen. Angesichts dieser Spannung muss homosexuell aktiven Personen kirchlicherseits seelsorglich einfühlsam begegnet werden.
Herr Pfarrer Karl Tropper hat sich zu beiden Themen wiederholt besonders in seinem Pfarrbrief und auch gegenüber Zeitungen so undifferenziert und teilweise sehr verletzend geäußert, dass er von der Kirchenleitung gemahnt werden musste, dies zu ändern oder die genannten Themen überhaupt nicht mehr zu behandeln. Leider hat er trotzdem immer wieder zu dem einen oder zu dem anderen Thema auf die oben genannte Weise Stellung genommen. Daraus ist nun eine öffentliche Kontroverse entstanden, die von der Kirchenleitung nicht ignoriert werden kann.
Der Pfarrer wird einerseits von Anhängern im In- und Ausland als ein „tapferer Wahrheitszeuge“ angesehen, der deshalb von der Kirchenleitung im Stich gelassen werde. Andererseits gab und gibt es viele Stimmen, die seine Abberufung wegen diskriminierender, ja verhetzender Äußerungen zu den beiden Themen verlangen. Eine Äußerung über den Islam als „das Widerwärtigste“ in einer steirischen Tageszeitung und wiederholte grob vereinfachende Attacken betreffen Homosexualität stärken auf begründete Weise die Attacken von Kritikern gegen den Pfarrer.
Der Pfarrer wurde in Gesprächen und in Briefen auch des Bischofs darauf hingewiesen, dass er das Niveau der Äußerungen von Papst Benedikt XVI. und anderer Verantwortlicher zu beiden Themen auf eine unakzeptable Weise ignoriert hat. Daraus hat sich aber keine uns erkennbare Einsicht ergeben und es wurde so zur Desinformation seiner Anhänger und seiner Gegner weiterhin beigetragen.
Um wenigstens die Liturgie der Karwoche von diesem unwürdigen Streit freizuhalten, hat der Generalvikar die Feier Gottesdienste in der Pfarre St. Veit am Vogau übernommen. Die Diözese hat sich weder durch öffentliche Aufforderungen zu Sanktionen gegen den Pfarrer noch durch kirchenkritische Initiativen auf der entgegen gesetzten Seite des kirchlichen Spektrums in Dienst nehmen lassen. Es wurden und werden aber nach beiden Seiten hin immer wieder Grenzen eingemahnt und nötigenfalls auch konkrete Maßnahmen getroffen.
Um nochmals auf das komplexe Thema Homosexualität zurückzukommen, wird auch hier klargestellt, dass die katholische Kirche den Begriff Ehe nur einer dauerhaften Verbindung von Mann und Frau zuerkennen kann. Es ist keine Diskriminierung, wenn Ungleiches nicht gleich benannt und gleich behandelt wird. Dieser Überzeugung sind z. B. auch hunderttausende Menschen, die kürzlich in Paris dafür demonstriert haben.
In allen solchen Kontroversen sollten ernsthaft christlich Glaubende sowohl Schritte zu einem bloß pflegeleichten Christentum wie auch einen herzensharten Rigorismus meiden. Der neue Papst Franziskus gibt ihnen dafür ein besonders inspirierendes Beispiel.
Dr. Heinrich Schnuderl, Generalvikar