Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Vor 25 Jahren habe ich als Leitwort für mein priesterliches Leben die Zusage aus dem alttestamentlichen Buch Nehemia gewählt: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke!“ Diese echte Freude als Ausdruck von Hoffnung habe ich, Gott sei Dank, noch nie verloren. So nehme ich dieses Wort mit in meinen bischöflichen Dienst in der Zuversicht, dass es mich immer wieder gut ausrichtet.
Für diese ernsthafte Freude, dem Geschenk meines Glaubens, bin ich Gott und Menschen gegenüber dankbar. Stellvertretend sage ich nun Dank, wohl wissend, dass vieles, was mein Herz in dieser Stunde bewegt, nicht in Worte zu fassen ist.
Es ist nicht selbstverständlich, dass die eigenen Eltern einen solchen Tag wie heute miterleben können. Umso dankbarer bin ich, dass ihr heute hier seid! So kann ich euch persönlich dafür danken, dass ihr mir in meiner Kindheit den Samen des christlichen Glaubens ins Herz gelegt habt. Nie habe ich von euch Zwang gespürt, sondern immer das, was Glaube ist: ein tiefes Vertrauen. Es ist schön zu spüren, dass dieses Vertrauen euch in den Mühen des Alters und im Bemühen, das Leben gemeinsam mit vereinten Kräften zu meistern, trägt.
Mit der Priesterweihe wurde ich durch Bischof Johann Weber in das Presbyterium, die Gemeinschaft der Priester, unserer Diözese, aufgenommen. Heute danke ich euch, liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst: Ich bin einer von euch und aus dieser Gemeinschaft heraus von Papst Franziskus zum Bischof erwählt worden. Ich fühle mich euch besonders verbunden, weil das, woran mich Nuntius Pietro Lopez-Quintana am 27. Jänner erinnert hat, für jeden von uns zutrifft: Du hast dein Leben Gott geweiht: Die Kirche braucht dich!
Diese Bereitschaft des Berufenen ist immer wieder eine Herausforderung. Sie verlangt Leidenschaft oder kostet, wie bei mir, vorübergehend Tränen. Die Frucht aber ist Glaubwürdigkeit und das Zeugnis einer leidenschaftlichen Liebe zu Gott und den Menschen. Um dieses Zeugnis bitte ich Euch in den kommenden Jahren, die für uns sicher nicht immer einfach sein werden. Gerade in den vergangenen Wochen durfte ich durch euch und viele andere erfahren: Gott und Menschen gehen mit.
Dank sage ich einem aus unserer Gemeinschaft: Propst Bernhard Mayerhofer aus dem Stift Vorau. Er hat mich in den Exerzitien aus der Enge des Loslassens in die Weite meines neuen Dienstes geführt und mir u.a. die Schönheit und Würde der Ortskirche vor Augen gestellt, in der ich nun als Weihbischof Dienst tun darf.
In einem Interview wurde ich kürzlich gefragt, welches Studium ich spannender finde, dass der Theologie oder das der Wirtschaft. Bei der Beantwortung dieser Frage ist mir selbst etwas aufgegangen. Denn ich sagte: Das wesentlichste Studium, neben der Tiefe der Theologie und der Weite der Ökonomie, war das Studium des Lebens: Das Eintauchen-Dürfen in die Lebensbücher der Menschen, dass mir die Seelsorge bisher eröffnet hat. In den unzähligen Begegnungen, Erfahrungen und Gesprächen bin ich in meinem Menschsein gewachsen und als Priester gereift. Ich bin dankbar für diese Lebensschule, die mich ein Stück weit befähigt hat, das zu sein, wozu Gott mich berufen hat: Hirte für sein Volk. Dafür danke ich allen, die mir in Kindheit, Jugend und Studium, in Freundschaft und Kameradschaft oder in spontanen Begegnungen und Gesprächen zwischen Tür und Angel geholfen haben, mein Mannsein zu kultivieren, mein Menschsein zu pflegen und mein Priestersein glaubwürdig zu leben.
Es bewegt mich zutiefst, dass Papst Franziskus mich am 31. Januar zum Weihbischof erwählt hat ‒ und dass mich heute, zehn Tage nach seinem Tod, unser Diözesanbischof in seinem Auftrag zum Bischof geweiht hat. Unmittelbar nach seinem Tod habe ich öffentlich gesagt: Es wird keine Zeit mehr vor Franziskus geben ‒ er bleibt für die Kirche und für alle Menschen guten Willens ein Maßstab der Liebe zu Gott und zu den Menschen. So bin ich dankbar, von Papst Franziskus zum Bischof ernannt worden zu sein und sehe es nun als meinen persönlichen Auftrag an, sein liebevolles Lebenswerk nach meinen Möglichkeiten fortzusetzen. Im Blick auf ihn danke ich unserem Diözesanbischof Wilhelm, Erzbischof Franz, Militärbischof Werner und allen anwesenden Bischöfen für die Weihe und die Handauflegung, vor allem aber für die so herzliche Aufnahme in das Kollegium der Bischöfe. Eure vielen persönlichen, ermutigenden Worte haben mich gestärkt und euer heutiges Kommen ist eine Wertschätzung unserer Ortskirche Graz-Seckau. Ich danke unserem Bischof em. Dr. Egon Kapellari für sein Dasein, das mir sehr viel bedeutet.
Sehr geehrter Herr Nuntius. Ich danke Ihnen für Ihre so einfühlsame Begleitung bei unserem Gespräch am 27. Jänner dieses Jahres. Sie haben in Blick auf mein zögerliches Kommen in die Nuntiatur und mit der pointierten Frage „Welche Art von Freunden haben Sie?“ Humor bewiesen. Im Verlauf des Gesprächs erlebte ich Sie wie einen guten, erfahrenen Hirten, der mich zu einem Ja begleitet hat, das ich ‒ auch dank Ihnen ‒ auf die Bitte von Papst Franziskus vor Gott und den Menschen sagen konnte.
Ein herzliches Dankeschön an alle, die mit großer Sorgfalt den heutigen Festtag im Dom und im Priesterseminar vorbereitet haben und mit viel Leidenschaft mitgestalten. Durch eure tatkräftige Mitarbeit ‒ sichtbar und unsichtbar ‒ wird dieser Tag zu einem Fest des Glaubens und unserer Gemeinschaft.
Mit zwei Herzensanliegen möchte ich meine Dankesworte schließen: Ein eindrucksvolles Bild der synodalen Kirche sind die runden Tische ‒ Orte der Begegnung, an denen Menschen mit ganz unterschiedlichen Richtungen, Lebensumständen und Sichtweisen zusammenkommen. Diese Mühe des Zusammenkommens ist ein Schatz, den die weltweite Wertegemeinschaft der katholischen Kirche für die ganze Menschheit einbringt. Wenn es uns als Kirche gelingt, respektvoll miteinander umzugehen, hoffen wir, dass viele diesem Beispiel folgen, einander Weihbischof Mag. Johannes Freitag, MBA Diözese Graz-Seckau näherkommen und Trennendes überwinden. Wenn dabei Gott unsere Mitte ist, können wir unseren Blick weiten und in allen Menschen Gottes Geschöpfe erkennen.
Als Weihbischof in der Steiermark ist es mir ein großes Anliegen, offen für Gespräche zu sein und das Miteinander zu fördern. Deshalb lade ich alle, die in unserem Land in Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion Verantwortung tragen, herzlich dazu ein, sich der Mühe der runden Tische zu stellen, ins Gespräch zu kommen, Perspektiven und Sichtweisen auszutauschen und die eigenen Werte zu vermitteln und verständlich zu machen. So wird es gelingen, einen gemeinsamen Weg in die Zukunft zu finden, auf dem niemand zurückgelassen wird, und der Gott und Menschen verbindet.
Mein zweiter Herzenswunsch ist es: Lassen wir uns die Freude an Gott, am christlichen Glauben und an der Kirche nicht nehmen. Halten wir das Eigene heilig. Halten wir dagegen, wenn unser christlicher Glaube lächerlich gemacht und unsere christliche Kultur mit Füßen getreten wird. Begegnen wir einander mit Respekt, aber verlieren wir in einer pluralen Gesellschaft nicht unser christliches Profil in katholischer Tradition. Leben wir dies gastfreundlich, verständlich und einladend, damit durch uns lebendig wird, was auch andere erfahren können: „Die Freude an Gott ist unsere Kraft!“
+Johannes Freitag
Weihbischof der Diözese Graz-Seckau
Graz, am 1. Mai 2025