Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
Es gibt viele Möglichkeiten, sich in der Kirche zu engagieren! Mehr Infos
Schulen, Kindergärten, Bildungshäuser und vieles mehr: Kirche ist ein wesentlicher Bildungsanbieter. mehr Infos
Wo Getaufte gelebt haben, waren sie davon beseelt, das Wirken Jesu ins Heute zu übertragen. Bei diesem Wirken ging es vor allem um eines - um die unantastbare Würde des Menschen. Über die Jahrhunderte herauf kämpften Menschen in der Nachfolge Jesu für diese Würde, mit ihren Stärken und mit ihren Schwächen. Eines war und ist für sie immer zentral: Das Engagement für die Mitmenschen in ihren Nöten, in Krankheit und Armut. Seit den Anfängen der Christenheit vor 2000 Jahren wird dies mit den Mitteln der jeweiligen Zeit umzusetzen versucht. Christinnen und Christen versuchen weltweit, dem Anspruch des Evangeliums zu antworten. Vielfach sind sie dabei nicht einmal die Mehrheit ihrer Gesellschaft, sondern eine Minderheit, die sich um das friedvolle Ganze bemüht.
Ich kann mir vorstellen, dass die Gründerin der Vorauer Marienschwestern, Barbara Sicharter, am 3. Februar 1876 aufrichtig dankbar war, als die Bezirkshauptmannschaft die Spitalsbewilligung erteilt hat. Die Zuwendung zu den Kranken und Leidenden in dieser Gegend der Oststeiermark war gesichert. Eine Zuwendung, die Mutter Barbara und ihren Mitschwestern schon Jahre zuvor ins Herz gelegt worden war. Heute dürfen wir voll Dankbarkeit darauf zurückblicken, dass es in Vorau, nahe dem bekannten Chorherrenstift, das Marienkrankenhaus als wichtigen Ort der ambulanten und der stationären Gesundheitsfürsorge gibt. Mit dem Marienkrankenhaus wird deutlich: Wo Christen glauben, ist dies nie nur etwas Abstraktes. Aus dem Glauben erwächst der Auftrag Jesu, das Evangelium zu Menschen zu bringen. Also ihnen ein erfülltes Leben zu ermöglichen; in Gesundheit und in Krankheit. Schon die ersten Jünger haben sich nach Tod und Auferstehung Jesu herausgefordert und berufen gewusst, Menschen in ihren vielfachen Nöten zu helfen, etwa sie von Krankheiten zu heilen. In der kirchlichen Feier unterstützen wir dies mit der Salbung mit Öl. Das wiederum wird nicht isoliert angegangen, sondern ist eingebettet in die stete Zuwendung in Gebet und Tat zu jenen, die sich nach Heilung sehnen.
Heute könnten viele heilsame Begegnungen aus den vergangenen 150 Jahren erzählt werden, ausgehend von den Ordensfrauen vor Ort. Ja, hier haben sich mittlerweile hunderte im Krankenwesen engagiert und da und dort tatsächlich auch heiligmäßige Taten gesetzt - nicht umsonst sind derzeit für zwei Mitglieder der Ordensgemeinschaft Seligsprechungsverfahren im Laufen. Mit knapp 350 Angestellten für ärztliche und pflegerische Betreuung, für Verwaltung und Technik, ist für diesen Teil der Steiermark ein Haus gewachsen, das wie viele Einrichtungen unserer Kirche deutlich macht: Wir engagieren uns in der Gesellschaft. Nicht nur in Österreich, auch weltweit, sind Spitäler in kirchlicher Trägerschaft ein wertvoller Baustein für die ganze Gesellschaft, um diese menschlicher zu machen, um die Würde des Menschen hochzuhalten; getragen von unserem Gott. Voll Überzeugung können wir sagen: Wir gehen an keiner Not vorüber, sondern werden jenen, die es nötig haben, zu Nächsten. So wie damals bei der Gründung so werden Christinnen und Christen auch heute mitunter belächelt für ihren Einsatz, bringen aber einen "Humus" ein in die Gesellschaft. Dieser christliche "Humus" ist nötig, damit unsere Gesellschaft menschlich bleibt, damit wir eine Gesellschaft bleiben, in der man sich gegenseitig schätzt und sich beisteht.
Kurz vor dem diesjährigen Welttag der Kranken am 11. Februar wird hier an diesem Ort Wesentliches für uns als Kirche im 21. Jahrhundert in Erinnerung gerufen: Das Beispiel des Samariters aus dem Gleichnis des Evangeliums. Dieser Samariter hat einem Unbekannten am Wegesrand geholfen, nachdem alle zuvor Vorbeikommenden nicht geholfen haben. Ähnlich dem Samariter heißt es, versuchen wir zu lieben, indem wir den Schmerz der anderen auf uns nehmen und ihn tragen[1]. Damit werden Sie, liebe Schwestern und alle, die Sie hier tätig sind, Licht der Welt und Salz der Erde. So, wie wir das zuvor im Evangelium gehört haben. Und wenn Sie Sich da und dort vielleicht fragen, ob Ihre Kräfte reichen, dann möge Ihnen Kraft geben, dass durch Sie Leben möglich bleibt. Weil Sie alle in Jesu Namen tätig sind, wird deutlich: Wenn das Evangelium wie hier in Vorau Hand und Fuß bekommt, dann wird Kirche glaubhaft und wertvoll. Dann ist Gott unter uns. Für Ihren Einsatz sage ich ein herzliches "Vergelt’s Gott" und wünsche Ihnen und den Patientinnen und Patienten Gottes reichen Segen.
[1] Vgl. die Botschaft von Papst Leo XIV. zum 34. Welttag der Kranken am 11.2.2026.