Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
Es gibt viele Möglichkeiten, sich in der Kirche zu engagieren! Mehr Infos
Schulen, Kindergärten, Bildungshäuser und vieles mehr: Kirche ist ein wesentlicher Bildungsanbieter. mehr Infos

Wie nah wir doch jenem Ort sind, an dem bei der Geburt Jesu vom "Frieden auf Erden den Menschen Seines Wohlgefallens" die Rede war. Nicht umsonst wird zum Schluss der Weihnachtsoktav daher nunmehr schon seit 1968 in unserer Kirche der Friede für die Welt in den Blick genommen. Und: wie sehr wir uns doch gerade heute und hier (!) nach Frieden sehnen. Gerade angesichts von so vielem an Schrecklichem, das uns begegnet und das in der Welt Platz greift - wenn ich etwa an die jüngsten Ereignisse in Sydney denke. Da kann es einem schon bitter im Mund werden: "Lernen wir, lernt die Menschheit aus alledem, was an Schrecklichem sich ereignet (hat)?" Und woran orientieren wir dieses, unser Lernen? Papst Leo weist in seiner ersten Botschaft zum heurigen Weltfriedenstag auf diesen Umstand hin, wenn er unter anderem schreibt: "Statt einer Kultur der Erinnerung, die das im 20. Jahrhundert gewonnene Problembewusstsein bewahrt und die Millionen Opfer jenes Jahrhunderts nicht vergisst, werden Kommunikationskampagnen und Bildungsprogramme in Schulen und Universitäten sowie in den Medien vorangetrieben, die Bedrohungswahrnehmungen verbreiten und eine rein militärisch geprägte Vorstellung von Verteidigung und Sicherheit vermitteln."[1]
Eine Kultur der Bildung, die der Papst im Blick hat, geht daher in der Erinnerung auch nicht am Schmerz der anderen vorüber, weil wir als Schwestern und Brüder eben Freud und (!) Leid miteinander teilen und beim Weltgericht (vgl. Mt 25) uns als solche erweisen soll/t/en, die an den anderen nicht achtlos vorübergegangen sind, sondern: "Brüder und Schwestern an (unserer) Seite finden, die in unterschiedlichen Weisen auf den Schmerz anderer zu hören wussten und sich so in ihrem Inneren von der Täuschung der Gewalt befreit haben."[2] Dort, wo ich nur bei mir selbst stehenbleibe, um mich kreise, kann bekanntlich auch nicht neues Leben entstehen. Als Christen sind wir daher gerufen, zum Frieden auch durch die Solidarität beizutragen. Oder - um es mit Papst Leo zu sagen: "Die großen geistlichen Traditionen wie auch der rechte Gebrauch der Vernunft lassen uns über verwandtschaftliche oder ethnische Bande hinausgehen, über jene Verbrüderungen, welche nur ihresgleichen anerkennen und die anderen zurückweisen. Wir sehen heute, dass dies nicht selbstverständlich ist. Leider gehört es zunehmend zum derzeitigen Gesamtbild, dass Worte des Glaubens Einzug halten in politische Kämpfe, dass Nationalismus gepriesen wird und dass Gewalt und bewaffneter Kampf religiös gerechtfertigt werden. Die Gläubigen müssen diesen Formen der Blasphemie, die den heiligen Namen Gottes verdunkeln, aktiv entgegentreten, in erster Linie durch ihre Lebensweise. Deshalb ist es notwendiger denn je, zusammen mit dem Handeln das Gebet, die Spiritualität, den ökumenischen und interreligiösen Dialog als Wege des Friedens und als Formen der Begegnung zwischen Traditionen und Kulturen zu pflegen. "[3]
Was im persönlichen Leben gilt, kann auch für das Miteinander im "gemeinsamen Haus" der Staaten und damit der Völker auf dem Erdenrund gesagt werden: "Wo sind wir bereit, einander anzunehmen und Freud und Leid miteinander zu teilen?" Stehen hier nicht vielfach, frage ich mich, nur das eigene Wohl im Vordergrund und - ehe ich es mich versehe - damit auch Ausgrenzung oder das Schema "Oben - unten" und damit Machthierarchien? Das eben Gesagte kann auf vieles angewendet werden, wo Menschen sich in Gemeinwesen verankert wissen - im Kleinen wie im Großen, in Gesellschaft und auch in Kirchen und Religionen. Also: Lernen wir einander neu kennen als Menschen, die gemeinsam unterwegs sind inmitten von alledem, was auch los ist in dieser unserer Welt. Sagen wir daher das den Menschen zu, was Aaron den Israeliten an Segen zugesprochen hat; werden wir mehr und mehr Hirten, die Gott rühmen und preisen angesichts dessen, dass er sich nicht gescheut hat, sich ganz auf die anderen und damit die Menschheit einzulassen, um uns ein Beispiel zu geben, das den Weg zum Frieden ebnet.
[1] https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/messages/peace/documents/20251208-messaggio-pace.html
[2] Ebd.
[3] Ebd.