Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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1. Mit letzter Kraft hat Papst Franziskus Ende 2024 die erste Heilige Pforte für das Heilige Jahr mit dem Motto "Pilger der Hoffnung" aufgestoßen. Diese wird in einigen Tagen von seinem Nachfolger geschlossen werden: Nicht, dass damit der Hoffnung Garaus gemacht wird. Im Gegenteil. Jetzt sind wir als Getaufte herausgerufen, diese Hoffnung, die uns trägt, in unsere Welt hineinzutragen.
2. Dazu gilt es, die Frohe Botschaft, das Evangelium, uns selbst in Erinnerung zu rufen: Die gesellschaftlichen Veränderungen, die sich vor unseren Augen abspielen, können beständig als "Gefahr" gedeutet werden. Nur bringt uns eine solche Einschätzung nicht weiter. Sie engt uns und unser Denken höchstens ein. Deshalb tut es gut, alledem mit dem wachen Bewusstsein zu begegnen, dass unser Glaube uns dabei hilft, zu bestehen - so wie das auch bei den Aposteln und den ersten Gläubigen ganz zu Beginn der Christenheit war. Die Geschichte bedenkend müssen wir uns aber auch eingestehen, dass wir vieles von dem, was uns auszeichnet und was uns als Schätze unseres Glaubens erhalten ist, nicht mehr nur einfach als Kulturgut weitergeben können. Deshalb ist es wichtig, dass wir zu dem, was uns als Christen auszeichnet, neu stehen lernen - unter anderem auch dadurch, unser Glaubensbekenntnis neu kennen- und tiefer einschätzen zu lernen. Damit wir, wie wir zuvor aus dem ersten Petrusbrief gehört haben, jederzeit jedem Rede und Antwort stehen können über die Hoffnung, die uns erfüllt. Uns bloß auf gesetzliche Absicherungen zu verlassen oder darüber zu lamentieren, dass es auch Menschen gibt, die einer anderen Religion angehören oder keiner religiösen Weltanschauung anhangen, reicht in einer globalen Welt nicht.
3. Glauben leben bedeutet weiters, das Evangelium als Maßstab für unser Leben zu nehmen. Da gibt es vieles, was uns schon – sogar durch die öffentliche Rechtsprechung - in Fleisch und Blut übergegangen ist. Da gibt es aber auch so manches, das uns täglich zur Bekehrung herausruft. Wenn etwa die Nächstenliebe als "Gutmenschentum" ins Lächerliche gezogen wird, wenn die Liebe zu den Menschen, wie sie uns begegnen, mit klassifizierenden Schranken bedacht wird und damit nicht ernstgemacht wird, dass wir alle Schwestern und Brüder sind. Oder wenn Glaubende lächerlich gemacht oder verfolgt werden. Wenn unter dem Deckmantel religiöser Gesinnung manipuliert und das Intimste des Menschen - die Beziehung zu Gott - verzweckt und instrumentalisiert wird. Die Spielarten sind vielfältig, unter denen weltweit Menschen verschiedener Religionen verfolgt und sogar getötet werden - erst die letzten Tage haben durch ein Attentat erneut die Grausamkeit aufgezeigt.
4. Es heißt, drittens, Gott Gott und damit die Welt Welt sein zu lassen. Gott ist Mensch geworden, mitten hinein in eine alles andere als ruhige Umgebung. Da gab es die Volkszählung, da gab es Flucht, Armut, Unterdrückung durch Fremdherrschaft und anderes, das die Menschen verunsichert hat. Situationen also, die uns heute in anderer Ausgestaltung auch bekannt sind. Da sind etwa Krieg und Terror sowie Fragen rund um die Herausforderungen des Klimawandels zu nennen. Unser Glaube hilft uns, alledem mit wachem Geist entgegenzutreten und uns zu engagieren, eben weil wir nicht selbst uns in den Mittelpunkt stellen, sondern Gott. - Weil wir um Gott wissen, können wir die Sorgen unbeschwerter betrachten, ohne uns all dem zu verschließen. Denn Gott leitet uns nicht an, die Welt links liegen zu lassen, sondern sagt: "Weil ich einer von Euch geworden bin: Erkennt Euren Auftrag, Euch für die Welt und ihr Wohlergehen einzusetzen. Ich gehe diesen Weg mit Euch!"
5. Und ein vierter Gedanke sei mir noch an diesem heutigen Abend erlaubt: Bemühen wir uns um eine "entwaffnende Sprache", wie es Papst Leo nicht müde wird auszudrücken: Bildungseinrichtungen, Medienhäuser, digitale Plattformen sind hierbei genauso gefordert, wie jede und jeder einzelne von uns, wenn wir unseren sprichwörtlichen "Senf" irgendwo dazugeben. Die wahre Stärke - nicht nur der Christen - besteht nicht in einer 'verbalen Dominanz', sondern in der "Verletzlichkeit des Zuhörens und des Mutes, die Wahrheit anzusprechen"[1]. Im Zusammenleben ist in den letzten Jahren vieles aus den Fugen geraten und bewirkt, die Menschen weiter auseinander und in die Vereinzelung zu treiben. Dann wird eher Macht verteidigt, statt das Gemeinsame zu suchen bzw. sich am gemeinsamen Ziel zu orientieren. Beim synodalen Prozess, der Papst Franziskus so wichtig war und nunmehr auch durch Papst Leo weitergeführt wird, geht es genau um diese Notwendigkeit - um das vorurteilsfreie Zuhören, um das gute Miteinander. Genau deshalb ist unser Bischofsvikariat für eine synodale Kirche, das von unserem Weihbischof Johannes geleitet wird, wesentlich für unsere Sendung mit dem Evangelium hier bei uns. Wir können als jene, die an dieses wehrlose Kind in der Krippe als den eigentlichen Herren der Welt glauben, beispielhaft vorleben, was es heißt, einander ernst zu nehmen. Denn damit wird Hoffnung eröffnet und Hoffnung gelebt, nach der sich vermutlich alle Menschen sehnen.
6. Das Gesagte war nicht der vielleicht erwartete Jahresrückblick. Es ist eher der Versuch, hinter das Offensichtliche zu schauen mit der Hoffnung, dass wir so unsere Sendung, unseren Weg in den Fußspuren Jesu besser erkennen. Legen wir also die vergangenen 365 Tage in die barmherzigen Hände Gottes zurück und erbitten wir für das kommende Jahr sein geistvolles Weggeleit in unserem Denken, Reden und Handeln. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien Gottes reichen Segen für das neue Jahr.
[1] https://www.pro-oriente.at/news/experte-papst-setzt-auf-theologie-der-entwaffnenden-sprache (16.12.2025)