Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Warum haben wir in der Vergangenheit in unserer Diözese diesen Akzent mit dem Kunstpreis gesetzt? Warum tun wir dies heute? Warum sollen wir uns als Kirche auch weiterhin für die Kultur der Gegenwart interessieren? Ich sage es – mit meinen Worten – sehr „unkünstlerisch“: Weil wir als Kirche vom Leben der Menschen heute ausgehen. Und dieses Leben der Menschen, das ja auch jenes der Menschen von morgen sein soll, ist schön und bedroht zugleich wie kaum zuvor. Es kann so einfach sein. Und schwer. Es hat Höhen und Tiefen. Es kennt Schmerz, Trauer, Angst und Hoffnung, es kennt Liebe, Sehnsucht und Enttäuschung: So haben wir unser „Zukunftsbild“ eingeleitet, an dem wir uns als Kirche in der Steiermark in Hinkunft orientieren wollen.
Die Strukturreform, die ich als Bischof damit eingeleitet habe, sieht als eines der drei Ressorts „Bildung, Kunst und Kultur“ vor – neben Seelsorge und Gesellschaft, Wirtschaft und Ressourcen. Kirche ist nicht nur dazu da, ihre in der Stadt oft leer gewordenen eigenen Kirchenräume wieder zu füllen. Kirche ist kein Selbstzweck. Kirche ist für die anderen da, wer immer es auch ist. Es ist das Leben der Menschen. Walter Prügger, der Leiter des Ressorts „Bildung, Kunst und Kultur“ war auch Mitglied der Jury dieses Kunstpreises. Wir haben in den nächsten Jahren in diesem Ressort Großes vor. Ein neues Zentrum soll in der Stadtkrone entstehen. Es soll ein Ort werden, wo die Kunst, die Bildung, die Debatten der Gesellschaft einen Raum haben sollen. Es soll ein Ort werden, das die Vergangenheit achtet und die Fragen der Gegenwart und Zukunft stellt – und vielleicht mitbeantworten hilft. Ich sage dies bewusst heute, wo wir vor einigen Tagen einen anderen Ort, nämlich das Bildungshaus Mariatrost, geschlossen haben. Ich höre die vielen enttäuschten Stimmen und möchte Sie alle dennoch bitten, diesen Schritt als eine Möglichkeit zu sehen, dass wirklich wieder eine Kraft frei wird für Neues.
An diesem Abend aber möchte ich Ihnen vor allem sagen, dass ich – und vermutlich auch Sie – der Kunst von heute und morgen zutrauen wollen, dass diese die Höhen und Tiefen unseres Lebens und unseres Planeten Erde in einer anderen, mitunter hoffentlich auch neuen Weise auslotet und so ins Bild, ins Wort oder in den Klang bringt.
Wir haben die Kunst auch und vor allem dazu nötig. An einem Tag, wo wir – nach der gestrigen Nachricht, dass Peter Handke den Literaturnobelpreis erhält, – uns zurecht freuen. Aber nur einen Tag vorher ist in Deutschland Entsetzliches ausgerechnet am Versöhnungstag passiert. Erlauben Sie mir, dass ich an dieser Stelle an unsere „älteren Brüder und Schwestern“, die jüdischen Mitbürgerinnen und -bürger in Halle und überall gedenke. Stellvertretend für Menschen guten Willens möchte ich anlässlich dieser Schreckenstat meine Betroffenheit und Solidarität bekunden. Es ist unser gemeinsamer Gott, den wir um Segen erflehen in einer Zeit, wo Radikalisierungen von Einzelnen Keile in unsere Gesellschaft treiben. Gerade aber jedem Antisemitismus schwören wir mit jeder Faser unseres Denkens und Glaubens ab!
Ich möchte auch der Kunst zutrauen, nicht zuletzt erneut in Anbetracht dieses aktuellen Ereignisses, dass sie unser Leben, das Leid, den Schmerz, Bedrohungen et cetera transzendieren hilft. Darin sind wir, Kirche und Kunst, Partnerinnen, auch als Dienst für die Gesellschaft, die oft erschöpft erscheint, ratlos, aufgewühlt. Wenn wir diese Ausstellung sehen, ist so vieles davon spürbar.
Meine Damen und Herren! 1985 wurde dieser Kunstpreis erstmals übergeben, im Priesterseminar ist seither auch eine kleine Sammlung der Preisträgerinnen entstanden. Namen wie Hannes Priesch, Ingeborg Strobl, Wolfgang Rahs, Michael Kienzer, G.R.A.M., Muntean/Rosenblum, Markus Wilfling, Constantin Luser, Lotte Lyon und zuletzt das Künstlerpaar zweintopf stehen für diese kontinuierliche Qualitätslatte dieses Preises und unserer heimischen Künstlerinnen und Künstler.
Es war vermutlich sehr schwer, aus den Beiträgen dieser Ausstellung einen Preisträger, eine Preisträgerin, zu erwählen. Mehrfach wurde das hohe Niveau dieser Ausstellung hervorgehoben. Ich danke Ihnen an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich für Ihr Engagement zu dieser Ausstellung, für das hohe Niveau im Auswählen und Präsentieren dieser Werke.
Der Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten, Dr. Johannes Rauchenberger, führte in die Verleihung des Kunstpreises ein:
Ich heiße Sie alle hier in unserem Kulturzentrum bei den Minoriten sehr herzlich willkommen: Sie, die Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Kirche, die Künstlerinnen und Künstler, die Jury-Mitglieder, das Team des Kulturzentrums und alle, die für die Realisierung und die Vermittlung dieser Ausstellung und dem heutigen Abend verantwortlich zeichnen, sowie alle kunstaffinen und kunstinteressierten Damen und Herren! Sie alle grüße ich sehr herzlich und freue mich über Ihr Kommen!
Der Preis der Diözese Graz-Seckau für zeitgenössische Kunst wird heute nach einer längeren Pause wieder übergeben. Er geht zurück auf das Jahr 1983, als die Diözese Graz-Seckau ihren Beitrag zum Österreichischen Katholikentag formulierte. Damals besuchte Papst Johannes Paul II. das 1. Mal Österreich. Eine derartige Initiative hat immer auch konkrete Gesichter: das war damals der weit in die Zukunft schauende Prälat Johann Reinisch und der damalige Generalsekretär der Katholischen Aktion, Josef Wilhelm, sowie Waltraut Jürgens, die dann auch jahrelang, bis 2003, diesen Preis betreut hat. Unsere Diözese hatte sich damals den Schwerpunkt „Kultur und Glaube“ ausgesucht, das hier in der Steiermark eine besondere Tradition hat: Bereits in den 1960-er Jahren durch die Katholische Hochschulgemeinde mit dem damaligen Hochschulseelsorger Egon Kapellari, durch Philipp Harnoncourt und sein Engagement für eine nachkonziliare Liturgie und Kunst, vor allem aber auch durch das Kulturzentrum bei den Minoriten, das Josef Fink und Harald Seuter in der Mitte der 1970-er Jahren zu einem kulturellen Brennpunkt geformt haben, woraus das heutige Kulturzentrum in seinen vielfältigen Kunstformen herangewachsen ist. Franz Grabner und Harald Baloch sind in der Vergangenheit für die KHG und später auch für die ganze Diözese in Erinnerung zu rufen. Kurt Zisler in der damaligen PÄDAK. Karl Mittlinger in Mariatrost. Willibald Rodler als erster Bischofsvikar für Kultur, und heute Heinrich Schnuderl. Der nunmehrige Innsbrucker Bischof Hermann Glettler mit seinem vielfältigen Engagement in der steirischen Sakralkunst und in seiner AndrÄ Kunst in der außerordentlichen Kirche in Graz St. Andrä. Aber das alles ist nicht nur vergangen. Heute sind es etwa Michael Braunsteiner in Admont. P. Gerwig Romirer in St. Lambrecht. P. August Janisch in Rein. Und in der Diözese Heimo Kaindl mit seinem Team im Diözesanmuseum, Alois Kölbl in der QL-Galerie und in St. Andrä, Gerti Schaller-Pressler in Kirchenkulturgraz, und eben schließlich unser Kulturzentrum bei den Minoriten. Die Genannten stehen stellvertretend für viele weitere Damen und Herren, die vor Ort an unterschiedlichen Orten, etwa in der KPH und nicht zuletzt auch in den Pfarren, sich um den Dialog für Kultur, Kunst und Glaube bemühen.
Mir war es ein großes Anliegen, Ausstellungseröffnung und Kunstpreisvergabe zu trennen, damit von Anfang an auf alle ein Licht fällt. Jede und jeder dieser Beiträge ist preiswürdig: Viele, sehr fachkundige Menschen, haben bestätigt: Davon eine Position zu bepreisen, ist sehr schwer.
Erlauben Sie mir deshalb an dieser Stelle noch einen kleinen Rundgang, den wir anschließend gemeinsam tun können. Wenn wir etwa einen Blick in die Fernrohre von Wendelin Pressl werfen, so lernen wir schlicht staunen, während wir von außen vielleicht skeptisch sind. Von außen sind es ja nur Flusssteine und Rohre, von innen sind es wahrlich Planeten. Auch der weiße Sandhaufen von Markus Jeschaunig – und seine Erzählung, dass dies einmal, vor 23 Millionen Jahren, Meeresplankton war: er hat daraus unter großer Hitze beeindruckend schöne Glasbehälter gemacht und so einen Transformationsschritt gesetzt, der unumkehrbar ist. Was wir heute tun, ist an der Kippe zum Unumkehrbaren, sagen uns die Klimaforscher. Es geht noch, aber wir müssen es jetzt tun.
Die Sonne lässt „der Herr aufgehen über Gerechte und Ungerechte“ – das fällt einem als Zitat vielleicht ein, wenn man einen „Diözesanen Kunstpreis“ auslobt. Sie wird auch noch aufgehen, wenn das Zeitalter des „Anthropozäns“ zu Ende ist. Wer die selbe Sonne – wie in der berührenden Arbeit von Ulrike Königshofer – zugleich an einem Ort unter- und am anderen aufgehen sieht, versteht mit diesem einfachen Bild, dass wir nicht nur eine gemeinsam erlebte Schönheit, sondern auch eine gemeinsame Verantwortung für diese scheinbar so klein erlebte Erde haben. Auch für all jene, die sich nicht in ihr behaupten können, für alle jene, wo Krieg und Entbehrung herrscht, für all jene, die deshalb fliehen müssen, um ihr blankes Leben zu retten. Was Anita Fuchs in dieser Ausstellung mit den Pflanzen macht ist vielfach ein Synonym mit diesem Überwinden von Grenzen. Pflanzen, so erzählt sie uns, scheinen oft geschützter zu sein als die Menschen.
Wir leben in Europa im Paradies, würde Marleen Leitner und Michael Schitning (studio ASYNCHROME) wohl sagen: Jedenfalls werden wir in ihren Bildern als Paradies definiert, wenn sie die Flüchtlinge im Meer als solche an den Bildern abbilden, während die eine junge Frau – zugebunden – ein Selfie macht. Natives oder Immigrants? Einmal weiß in der Zeichnung, ist dieselbe Frau im Schatten schwarz. Es sind unter die Haut gehende Bilder, die uns vor Augen geführt werden. Eine künstliche Frau als Künstlerin mit Zeichnungen in Millionenauflage, geklonte Affen, schließlich eine Erinnerung an Platons Höhlengleichnis. Wie können wir angesichts dieser beschriebenen Weltzustände noch von Utopien sprechen? Sollen wir als Menschen aufhören, davon zu sprechen? Sollen wir als Kirche aufhören, von einer verheißungsvollen Utopie zu sprechen? Wir dürfen es nicht. Wir leben aus einer Hoffnung heraus und auf eine Hoffnung hin.
Die einen (Marleen Leitner und Michael Schitnig) lassen uns zur Beantwortung dieser Frage in dieser Ausstellung einen Riss im gelben Vorhang, einen Schnitt. Andere die Erinnerung an den Regenbogen (Alfred Lenz), der nicht nur nach dem Gewitter erscheint, sondern auch das Bundeszeichen Gottes mit Abraham ist. Die anderen (Max Frey) lassen uns das Spiel mit den Farben, als Farbpunkte ausstrahlende, rotierende Zeiger, schließlich wird auch der Wind, diese so mannigfaltige Naturwahrnehmung, wieder (von Ulrike Königshofer) in den Galerieraum übertragen.
Das Feld sinnlicher Eindrücke ist in dieser Ausstellung reich, es reicht weit über diese Eindrücke hinaus – hinein in ein Nachdenken über die Wahrnehmung und die Verantwortung unserer Welt.
Ich habe mir den Luxus geleistet, bis zum Schluss nicht zu erfahren, wen die Jury ausgewählt hat. Das hat sich für die vielen Führungen sehr positiv ausgewirkt, ich konnte von jedem und jeder Position gleich begeistert sein. Danke noch einmal euch allen. KünstlerInnen, Vorjury und Jury.