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Seit Jahrzehnten wird an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz der Dialog zwischen Theologie und Kunst hochgehalten: In Forschungsschwerpunkten ebenso wie in Publikationsprojekten oder Forschungsnetzwerken. Auch Persönlichkeiten der Fakultät wie der 2020 verstorbene Grazer Professor für Liturgiewissenschaft, Christliche Kunst und Hymnologie, Philipp Harnoncourt, oder der 2022 verstorbene Grazer Fundamentaltheologe Prof. Gerhard Larcher hatten diesen Dialog stets vorangetrieben.
Der Erinnerung an dieses Erbe sowie dem Nachdenken über das fragile Verhältnis von Theologie und Kunst war der zweite "Dies academicus" gewidmet, zu dem die Grazer Fakultät am Donnerstag, 19. März, geladen hatte. Neben einem Podiums-Künstlergespräch hielt der Theologe und KULTUM-Leiter Johannes Rauchenberger den Hauptvortrag.
"Kunst ist nicht bloß Illustration religiöser Inhalte, sondern ein eigenständiger Ort der Wahrnehmung, der Kritik und - nicht zuletzt - der theologischen Erkenntnis", betonte in ihren Begrüßungsworten die Dekanin der Fakultät, Prof. Katharina Pyschny. Dieser Einsicht verdanke sich nicht zuletzt auch die Verankerung des Themas Kunst bzw. Dialog zwischen Kunst und Theologie in der Lehre. Gerade in Zeiten allgegenwärtiger digitaler und KI-generierter Bildwelten brauche es "Orte der Reflexion" und des Nachdenkens. Ein solcher Ort sei die Grazer Fakultät.
Rauchenberger schlug in seinem Vortrag "Fragile Transzendenzen" einen weiten Bogen, der die langjährige Verortung des Dialogs von Kunst und Theologie an der Fakultät und darüber hinaus umfasste. Schließlich seien auch die Päpste immer wieder "Medienikonen" gewesen und hätten Bilder mit ikonografischer Kraft jenseits von theologischen Aussagen generiert. Dabei leuchte gerade am Beispiel der Päpste und der Bilder, die diese generierten, eine "ikonische Differenz" auf zwischen dem, was das Christentum eigentlich darstelle und dem, wie dessen Repräsentanten heute "wirken", so Rauchenberger.
Hinzu komme, dass die Kunst selber sich von religiösen Banden freigemacht habe - und dies nicht etwa zum Nachteil der Theologie. Vielmehr könne diese Freisetzung auch die Theologie befruchten, wie Rauchenberger Harnoncourt zitierte: "Weiß Du, ich erwarte mir von der Theologie nichts mehr. Sie ist langweilig geworden. Ich erwarte mir eine neue Inspiration des christlichen Gottesgedankens nur mehr durch Kunst." Ähnlich habe auch der Fundamentaltheologe Larcher den Mehrwert einer freien Kunst für die Theologie erkannt und das Potenzial einer "ästhetischen Vernunft" betont. "Was Larcher mit seinem Ansatz geleistet hat, war, eben auch jene Kunst als konstitutiv für theologische Reflexion anzusehen, die nicht ikonografisch-christlich ausgewiesen ist", so Rauchenberger.
Für die zeitgenössische Theologie folge daraus u. a., dass diese sich "stärker denn je als Bildkritikerin" verstehen müsse - und über museale Kunstrezeption hinausgehend lebendige Momente in der Kunst erkennen sollte, die zu Orten theologischer Erkenntnis werden können. "Eine derartige Sicht auf Kunst ist erwartungsoffen und widerständig zugleich", so Rauchenberger - und sie könne so zu "Einfallsschneisen des Geistes" werden.
Quelle: Kathpress