Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Dass, wie im Film “Schlafes Bruder”, den Männern die Hüte vom Kopf geblasen werden bei voller Orgellautstärke, passiert laut Christian Iwan nicht. Allerdings macht eine Kirchenorgel als “große Klangmaschine, als Ein-Mann-Orchester" ordentlich Wind, so der Grazer Domorganist und Orgelreferent der Diözese Graz-Seckau. Nicht umsonst wird sie Königin der Instrumente genannt. 572 Orgeln sind in seiner Datei für die Steiermark erfasst, nur einige wenige fehlen noch. Dafür fehlt es in der Diözese an Organistinnen und Organisten, die speziell sonntags kirchliche Feiern begleiten. Immer wieder setzen Pfarren deshalb auf ein automatisches Orgelspiel. “Das ist nur ein Kompromiss, denn das Spiel ist eine Mischung aus selbst agieren und reagieren auf die Feiergemeinde. Das kann man nicht programmieren”, weiß Christian Iwan.
Nur wenige Organistinnen und Organisten sind hauptberuflich im Einsatz, viele spielen für ein kleines Honorar oder gänzlich ehrenamtlich. Um deren Ausbildung zu erleichtern, verfügt die Musikschule Bruck an der Mur seit wenigen Wochen über eine Kirchenorgel in den Schulräumen, damit die Schülerinnen und Schüler im Warmen auf einem echten Instrument üben können; das gab es bisher nur in der Musikschule Leoben. “Diese Orgel mit zwei Manualen und Pedalklaviatur war 25 Jahre in der Kapelle bei den Grazer Elisabethinen im Einsatz”, sagt Herbert Handl, Orgellehrer an der Brucker Musikschule. Sie wurde zerlegt, saniert und in Bruck wieder aufgestellt.
Dort ist die Freude über das Instrument groß. “Die Orgel klingt im warmen Raum zwar etwas höher, aber es ist sehr fein, nicht in der Kälte üben zu müssen”, so Herbert Handl. Trotz des komplizierten Aussehens ist das Orgelspiel flott erlernbar. “Bei durchschnittlichem Talent kann man Kirchenlieder in rund zwei Jahren begleiten, sofern man fleißig übt. Je früher man beginnt, desto einfacher ist es. Es ist aber nie zu spät zum Anfangen”, meinen die beiden Orgelprofis.
“Das Interesse ist da, die Orgel fasziniert viele Menschen. Mein ältester Schüler war 80 Jahre alt. Ich mache regelmäßig Führungen bei der Grazer Domorgel. Da war einmal ein sechsjähriges Mädchen dabei, dass die Orgel unbedingt erleben wollte. Da ist das Problem eher die Körpergröße, denn rund 1,40 m sollte man groß sein, um Manuale und Pedale gut zu erreichen”, so Domorganist Iwan. Und ergänzt sofort: “Es gibt aber spezielle Sitze und Pedalaufsätze für Kinder oder kleinere Menschen.”
Was sollen kirchliche Organistinnen und Organisten in spe mitbringen? “Früh aufstehen sollte man können, eine gewisse Kälteresistenz mitbringen, Begeisterung, um die Feiernden zum Singen zu motivieren und man ist sonntags im Einsatz”, erklärt Christian Iwan. Dafür habe man viele Gestaltungsmöglichkeiten und könne viel Freude bereiten.
Die steirischen Orgeln werden gleichermaßen von Frauen und Männern gespielt, weiß Herbert Handl. Er unterrichtet derzeit in Bruck eine 16-jährige Elevin, seine Frau in Kapfenberg fünf Schülerinnen vom Jugend- bis zum Erwachsenenalter. Es gebe überall noch Lern- und Spielkapazitäten für Orgelfans. Wer das Orgelspiel lernen möchte, findet Angebote quer durch die Steiermark. Auskunft gibt es beim Referat für Kirchenmusik der Diözese Graz-Seckau, beim Konservatorium für Kirchenmusik in Graz, beim Johann Josef Fux Konservatorium und bei Musikschulen.
Eine Kirchenorgel ist ein komplexes Instrument. Sie verfügt meist über mehrere Manuale, die mit den Fingern gespielt werden, sowie eine Pedalklaviatur für die Füße. Dazu kommen die Register, die den Klang der Orgel beeinflussen. Manuale, Pedale und Register legen fest, welche Orgelpfeifen mit einem Gebläse, fachmännisch „Wind“ genannt, zum Klingen gebracht werden.
Immer wieder gibt es gebrauchte Pfeifenorgeln aus Kirchen oder Kapellen auf dem Markt. Wahre Fans sind ab 10.000 Euro dabei, so der Grazer Domorganist Christian Iwan.