Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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"Menschen im gottgeweihten Leben - in Orden und verschiedenen Gemeinschaften - sind von unschätzbarem Wert für die Gesellschaft, der oft nicht erkannt wird“, so Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl zum Tag des geweihten Lebens, der am 2. Februar gefeiert wird. Mit ihrem Da-Sein vor Gott und ihrem Einsatz in Seelsorge, Gesundheit, Schulwesen und Arbeitswelt halten die Orden das Leben am Laufen. Sie sind Horte von Bildung und Kultur, wichtige Arbeitgeber und touristische Ziele. „Ohne sie wären wir arm dran und deshalb sage ich ein herzliches Vergelt's Gott an alle Ordensleute und all jene, die in den Gelübden der Evangelischen Räte leben“, so Bischof Wilhelm, „Ihr Leben mag Ansporn sein für uns alle. Zum Beispiel, um uns Zeit für die Stille zu gönnen. Nicht nur, um vielleicht Gott zu hören, sondern weil das bereichernd ist im Umgang mit sich selbst“.
Am Anfang eines geistlichen und auch geweihten Lebens steht der Ruf Gottes. Etwas, das man sich schwer vorstellen kann. Wie merkt man, ob man von Gott zu einem geweihten Leben gerufen ist? "Man spürt im Herzen eine große Sehnsucht danach, Gott zu gehören und für IHN zu leben", sagt Schwester Josefa Maria vom Karmel über Bärnbach. Im Gespräch mit Gott und der Bitte, dass ER seinen Wunsch zeige, bekomme man immer mehr Klarheit. Schließlich werde dieser Gedanke, ganz zu Gott zu gehören, erfüllender als alle bisherigen Pläne und Vorstellungen für das eigene Leben, so Schwester Mirjam Schmedler, Mutter Oberin der Marienschwestern in Vorau: "Wenn alles andere, was die Welt zu bieten hat, zu wenig ist und die Sehnsucht nicht stillen kann." Unterstützung komme aus dem Gebet, aus der Betrachtung des Wortes Gottes und aus dem regelmäßigen Austausch in einer geistlichen Begleitung, so Abt Johannes Fragner vom Benediktinerstift Seckau: "Das hilft bei der Unterscheidung, ob die Sehnsucht, die man spürt, wirklich von Gott kommt, und ermutigt zu einer Entscheidung."
Die Stimme Gottes ist leise, ist im biblischen, ersten Buch der Könige über die Begegnung von Gott und dem Propheten Elija geschrieben. Wie also hört man Gott in einer Zeit von Internet, Handy im Dauerbetrieb und Ablenkung überall? Tatsächlich spreche Gott vorwiegend in der Stille, sind sich alle Ordensleute einig. "Sich dafür täglich Zeit zu nehmen, ist unabdingbar, um die Stimme Gottes zu hören", so Abt Johannes. Weil das in unserer hektischen, lauten und reizüberfluteten Welt gar nicht so einfach sei, müsse man darum selbst als Ordensfrau ringen, sagt Mutter Oberin Miriam, und ergänzt: "Gott spricht zu uns auf vielerlei Weisen und durch alles, was uns in unserem Alltag begegnet." Dem schließt sich Schwester Josefa Maria an: "Zeit nehmen für die Stille ist wichtig. Aber Gott kann auch durch Umstände, ein Buch, ein Wort von einem Menschen zu uns sprechen." Oder im Gebet und in der Meditation, in der Natur, "auch in Sorgen und Leiden, gerne in Freuden, aber zugegebenermaßen auch in einem netten SMS" könne man Gott begegnen, meint der Reiner Abt Philipp Helm.
Das Ordensleben beginnt mit dem Noviziat, einer Einführungszeit. Was erwartet jemanden im Ordensleben? Sicher keine Langeweile, alles kommt vor. „Man lebt, liebt, betet, sucht, hört, arbeitet, reflektiert und tauscht sich aus”, fasst Mutter Oberin Mirjam zusammen. "Im kontemplativen Orden ist der Tagesablauf ausgeglichen - Gebet, Arbeit, Erholung, das wechselt ab. Das Wichtigste ist, alles im Blick auf Gott und mit Gott zu tun", so die Karmelitin Schwester Josefa Maria. Sie und ihre Mitschwester leben quasi ausschließlich im Kloster. Anders ist in den Stiften Rein und Seckau oder bei den Vorauer Marienschwestern. "Viele Mitbrüder sind in der Seelsorge in den Pfarren, in Krankenhäusern, Altersheimen oder im Schulunterricht tätig. Einige übernehmen hausinterne Aufgaben vom Tischaufdecken über Sakristeidienste bis zur Wirtschaftsverwaltung und Administration", erklärt Abt Philipp.
Alles ist eingebettet in einen vom Gebet bestimmten Tagesablauf. "Fünf Gebetszeiten (Vigil und Laudes am Morgen), die Feier der heiligen Messe – bei uns am Vormittag –, das Mittagsgebet, die Vesper am Abend und die Komplet am Abschluss des Tages sowie zusätzlich eine persönliche stille Gebetszeit geben dem Tag seine Struktur", sagt der Seckauer Abt Johannes. Wenn mal nicht klar ist, was nun vorrangig sei, helfe es, "den Heiligen Geist zu bitten, einen zu führen, zu leiten, recht zu raten, um dann gute und richtige Entscheidungen zu treffen. Und für die wichtigen und großen Entscheidungen braucht es immer wieder Stille und viel Gebet", weiß Mutter Oberin Mirjam.
Im Austausch mit Ordensleuten stellt sich schnell heraus – das Ordensleben ist einzigartig und bereichernd weit über die Orden hinaus, auf eine Art, die aus der Zeit gefallen scheint. Abt Philipp: "Das Ordensleben ist Gemeinschaft; im Gebet, in der Solidarität untereinander, gemeinsam Probleme anzugehen. Es geht darum, Talente des einzelnen anerkennen und zugleich einander zu vergeben und zu verzeihen wie in jeder Familie." Dieses Gemeinschaftsleben sei Herausforderung und Geschenk zugleich, sagt Abt Johannes, es sei getragen vom Gebet, von Nächstenliebe, von Rücksichtnahme und von der Gemeinschaft. Abt Philipp: "In gewisser Weise spiegeln wir unsere Welt und sind mit denselben Problemen konfrontiert wie alle Menschen."
Das Leben in den Orden wirkt weit über die Ordensniederlassung hinaus. "Das Ordensleben ist ein Leben der Hingabe an Gott (im Gebet, Stellvertretung, Anbetung) und an die Mitmenschen (Dienst an den Kranken, Armen und Notleidenden) und dies gibt dem Leben einen Sinn”, so Mutter Oberin Miriam. Als Frau sei es besonders schön, viele "geistliche Kinder" haben zu dürfen und auf diese Art die Mutterschaft zu leben. "Wenn man im Ordensleben alles mit Liebe tut, ist es ein großer Gewinn, eine Freude für Viele. Wir dürfen das Kommende, wozu alle Getauften berufen sind, zum Leuchten bringen”, strahlt Schwester Josefa Maria. Die Orden sind wichtig, weil sie gebraucht werden. Mutter Oberin Mirjam: "Der Mensch ist glücklich, wenn er etwas Sinnvolles tut und gebraucht wird."
In der Diözese Graz-Seckau gibt es 17 weibliche Ordensgemeinschaften, darunter die Elisabethinen inklusive Krankenhaus in Graz, die Marienschwestern in Vorau inklusive Krankenhaus, die Grazer Schulschwestern und die Ursulinen in Graz (inklusive Schulen). Insgesamt leben in der Diözese 301 Ordensfrauen. Dazu kommen 16 männliche Ordensgemeinschaften, darunter die Benediktinerstifte Admont, Seckau, St. Lambrecht (inkl. Propstei Mariazell), das Zisterzienserstift Rein, das Chorherrenstift Vorau oder die Barmherzigen Brüder (inklusive Krankenhaus); in diesen leben 131 Ordensmänner (Stand 2024).
Die Orden betreiben Schulen und Krankenhäuser, erhalten wertvollstes Kulturgut und gehören zu den größten Arbeitgebern des Landes. Laut einer aktuellen Studie des Joanneum Research generieren allein die 23 österreichischen Ordensspitäler mit 42.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Wertschöpfung von vier Milliarden Euro pro Jahr.
Mehr Infos zu den Orden gibt es auf der Website der Diözese Graz-Seckau.