Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien. Im Rahmen eines Festgottesdienstes im Stephansdom legte Kardinal Christoph Schönborn seinem Nachfolger an der Spitze der Erzdiözese Wien die Hände auf und weihte ihn zum Bischof. Nachdem dies auch alle anderen anwesenden 28 katholischen Bischöfe getan hatten, erhielt Grünwidl seine bischöflichen Insignien (Mitra, Ring und Bischofsstab) und wurde zu seinem Bischofssitz (Kathedra) geführt, wo er Platz nahm und damit für alle sichtbar die Leitung der Erzdiözese übernahm. Das war um 15.38 Uhr. Die Mitfeiernden quittierten es mit minutenlangem Applaus.
Als "Zeichen der Freude über die Amtseinführung" läuteten schon vor der Weiheliturgie von 13.45 bis 13.55 Uhr die Glocken in der gesamten Erzdiözese Wien. Begleitet von rund 60 Jugendlichen kam der neue Erzbischof am Stephansplatz an und wurde von Blasmusikern aus Perchtoldsdorf empfangen. Zum Schlagen der Pummerin betrat Grünwidl kurz vor 14 Uhr den Dom und wurde vom Domkapitel begrüßt. Nach einem Gebet vor der Ikone von Maria Pocs begann der Gottesdienst in der Vierung des Domes, wo Kardinal Schönborn als Weihespender den neuen Erzbischof erwartete und wo die Tauferinnerung stattfand. Während sich Grünwidl noch inmitten der Gläubigen beim Taufbecken befand, wurde auch von einer Seelsorgerin aus dem Weinviertel das päpstliche Ernennungsschreiben verlesen.
Im päpstlichen Ernennungsschreiben betonte Leo XIV., dass die Apostel von Christus erwählt wurden, um das Evangelium zu verkünden. Dies sei auch die erste Aufgabe der Bischöfe als Nachfolger der Apostel, die auch die Nächstenliebe ausüben sollten "als Brückenbauer, Seelsorger und Teamplayer". Und der Papst weiter: "Deshalb geliebter Sohn, haben wir an Dich gedacht", weil er Grünwidl, "in reichem Maß priesterliche und menschliche Talente gesammelt" habe. "Nimm die Melodie des Herrn auf, um recht, getreu und sanft das Evangelium zu verkünden", so der Papst an den neuen Wiener Erzbischof.
Kardinal Schönborn wünschte in seiner Predigt dem neuen Erzbischof ein "hörendes Herz" und die "Gabe der Weisheit und Unterscheidung". Die Bischofsweihe verleihe keine weltliche Regierungsvollmacht und keinen entsprechenden Auftrag, sehr wohl aber den Auftrag, die Gemeinschaft der Gläubigen der Erzdiözese Wien zu leiten.
Schönborn ging mehrmals darauf ein, dass Grünwidl das Amt nicht angestrebt hatte. Schon nach drei Jahren als sein Bischofssekretär von 1995 bis 1998 habe Grünwidl darum gebeten, in die Pfarrseelsorge zurückgehen zu dürfen. "Du wolltest bei den Leuten sein. An einer kirchlichen 'Karriere' hattest du kein Interesse", so Schönborn in Richtung des neuen Erzbischofs. So habe Grünwidl auch dem Papst durch den Nuntius vorerst ausrichten lassen, dass er zwar zum Dienst des Administrators bereit sei, aber nicht dazu, Erzbischof zu werden.
Ein Vierteljahrhundert sei Grünwidl sozusagen "einfacher Pfarrer" mit einem ausgeprägtem "hörenden Herzen" gewesen. "Was ein hörendes Herz für dich bedeutet, das bezeugen so viele Menschen aus den Pfarren, in denen du tätig warst", so der Kardinal. Zwei Jahre lang habe Grünwidl dann als sein Vikar den ganzen Süden der Erzdiözese Wien mitgeleitet, bis Papst Franziskus ihn vor einem Jahr zum Administrator ernannt hat.
Ein hörendes Herz höre auf dreierlei: "auf Gott, auf das eigene Gewissen, auf die Menschen", so der Kardinal. Ihn habe beeindruckt, "wie klar und entschieden du auf dein Gewissen gehört hast. Es hat Nein zum Bischofsamt gesagt. Das hast du auch als Gottes Wort an dich gehört." Josef Grünwidl habe aber auch auf Menschen gehört. Viele hätten ihn gebeten, Ja zu sagen, so er vom Papst ernannt werde. So sei es gekommen, "dass dein klares Nein einer inneren Bereitschaft gewichen ist". Und schließlich habe Josef Grünwidl "aus ganzem Herzen Ja gesagt". Ein Wort von Grünwidl habe ihn beeindruckt, so Schönborn: "Gott braucht mich nicht perfekt, sondern verfügbar."
Nach 30 Jahren im bischöflichen Dienst könne er sagen, so Schönborn, dass die Gabe der Unterscheidung bei weitem die wichtigste Gabe in jedem Amt der Leitung sei. "Man nennt diese Gabe auch Weisheit". Und im Blick auf die Schriftlesung des Weihegottesdienstes sagte der Kardinal: "Gott verspricht König Salomon ein 'weises und verständiges Herz'. Und das erbitten wir auch dir, lieber Erzbischof Josef."
Begleitet wurde Grünwidl auf seinem Weg zur Weihe von zwei sogenannten Begleitpriestern, mit denen er persönlich eng verbunden ist. Dies sind sein Priesterfreund Ernst Pankl und sein ehemaliger Spiritual im Priesterseminar, P. Elmar Mitterstieler.
Die eigentliche Weihe begann mit der Anrufung des Heiligen Geistes und der Allerheiligenlitanei. Der zentrale Akt war dann die Handauflegung durch Kardinal Schönborn und die zwei Mitkonsekratoren Erzbischof Lackner und Bischof Pribyl, ergänzt durch alle anwesenden katholischen Bischöfe. Dies erfolgt in Stille zum Klang der Pummerin.
Diakone hielten das Evangeliar über den Kopf des Weihekandidaten, ein Zeichen für seine erste Aufgabe als Verkünder des Evangeliums. Nach der Salbung mit Chrisam erhielt der neue Bischof seine Insignien (Mitra, Ring und Bischofsstab) und wurde zur Kathedra (erhöhter Sitz) geführt. Nach der Amtsübernahme erfolgte der Friedensgruß und danach bekundeten verschiedene Verantwortungsträger aus der Erzdiözese ihre Bereitschaft, mit dem neuen Erzbischof zusammenzuarbeiten. Dazu erklangen im Stephansdom alle drei Orgeln.
Neben zahlreichen Vertretern der Kirchen und Religionen nahmen auch die höchsten Repräsentanten der Republik an der Bischofsweihe teil. Unter den Mitfeiernden waren Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Weiters waren etwa auch die Regierungsmitglieder Claudia Bauer (vormals Plakolm) und Gerhard Karner sowie Grünen-Chefin Eleonore Gewessler gekommen.
Unter den anwesenden Bischöfen waren alle amtierenden Bischöfe und Weihbischöfe Österreichs, ebenso der Apostolische Nuntius Pedro Lopez Qintana. Gekommen war auch der Passauer Bischof Stefan Oster (Passau ist die Mutterdiözese von Wien) sowie die Bischöfe der Partnerdiözesen der Erzdiözese Wien: Gustavo Adolfo Rosales (San Jacinto/Ecuador) John Mbinda (Lodwar/Kenia), Dave Dean Capucao (Infanta/Philippinen).
Auch zahlreiche unierte Kirchenoberhäupter waren anwesend; so etwa Großerzbischof Claudiu-Lucian Pop, Oberhaupt der byzantinischen Rumänisch-katholischen Kirche, Großerzbischof Fülöp Kocsis, Oberhaupt der unierten Ungarisch-katholischen Kirche, Metropolit Jonas Jozef Maxim, Oberhaupt der Griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei. Mit dabei waren u.a. auch Ostkirchengeneralvikar Yuriy Kolasa und der ukrainisch-katholische Weihbischof von Lemberg, Wolodymyr Hruza.
Die heimischen Orden wurden an erster Stelle von Sr. Franziska Madl und Propst Anton Höslinger, den beiden Vorsitzenden der Österreichischen Ordenskonferenz, repräsentiert. Dazu kamen zahlreiche weitere Äbte und Ordensoberinnen. Aus der ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma war Erzabt Ciril Hortobagyi anwesend.
Auch die Ökumene war zahlreich vertreten. Allen voran nahmen der armenisch-apostolische Bischof und Vorsitzende des Ökumenischen Rates, Tiran Petrosyan, der orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis und die evangelische Bischöfin Cornelia Richter am Gottesdienst teil. Mit dabei waren u.a. auch die altkatholische Bischöfin Maria Kubin, der reformierte Landessuperintendent Ralf Stoffers, der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs, der koptische Bischof Anba Gabriel, der rumänisch-orthodoxe Metropolit Serafim Joanta und der syrisch-orthodoxe Bischof Mor Dionysios Isa Gürbüz. Ebenso Präses Peter Zalud als Vertreter der Freikirchen. Dazu kamen zahlreiche weitere Vertreter verschiedenster Kirchen.
Mit dabei waren etwa auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ümit Vural, und der Präsident der Buddhistischen Glaubensgemeinschaft, Gerhard Weissgrab. Dazu kamen weitere Vertreterinnen und Vertreter der Alewiten, der Hinduistischen Religionsgesellschaft, der Sikhs und Bahai.
Mehr zur Weihe von Josef Grünwidl
Fotos der Weihe im Wiener Stephansdom
Grünwidl wurde am 31. Jänner 1963 im niederösterreichischen Hollabrunn geboren und wuchs in Wullersdorf auf. Nach der Matura trat er ins Wiener Priesterseminar ein und studierte Theologie an der Universität Wien sowie Konzertfach Orgel an der Musikuniversität Wien. Seine Diakonenweihe erhielt Grünwidl durch Weihbischof Helmut Krätzl (1931-2023) - dessen Hirtenstab (Pastorale) Grünwidl am Samstag im Rahmen der Bischofsweihe überreicht wird. Nach der Priesterweihe 1988 durch Kardinal Franz König war Grünwidl Kaplan bzw. Kurat in Pfarrgemeinden in Wien-Leopoldstadt und Wiener Neustadt sowie ab 1993 Diözesanjugendseelsorger der Erzdiözese Wien. Von 1995 bis 1998 arbeitete er als erster Sekretär des damals neu ernannten Wiener Erzbischofs Christoph Schönborn.
Danach kehrte er in die Pfarrseelsorge zurück. Von 1998 bis 2014 war Grünwidl Pfarrer in Kirchberg am Wechsel, Feistritz, St. Corona und Trattenbach im südlichen Niederösterreich, anschließend bis 2023 Pfarrmoderator in Perchtoldsdorf bei Wien. Über mehrere Jahre hinweg war er zudem Dechant. Von 2016 bis 2023 fungierte er als geschäftsführender Vorsitzender des Wiener Priesterrats.
Anfang 2023 ernannte Kardinal Schönborn Josef Grünwidl zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd der Erzdiözese Wien. Das Vikariat ist eine der drei territorialen Verwaltungseinheiten der Erzdiözese, in der mehr als eine Million Katholiken leben und die neben der Stadt Wien auch das östliche Niederösterreich umfasst.
Mit der Bestellung zum Apostolischen Administrator kam Grünwidl zu Jahresbeginn 2025 bereits übergangsmäßig an die Diözesanspitze. In dieser Rolle profilierte er sich als seelsorgeorientierter und kommunikativer Leiter. Er befürwortet eine freie Diskussion zu Themen wie Zölibat, Frauenämter oder Synodalität, äußerte sich dabei jedoch zurückhaltend. Als Administrator nahm er mehrere Frauen ins diözesane Leitungsteam auf.
Grünwidl ist in der kirchlichen Basis verankert, pastoral erfahren und ein dialogbereiter Zuhörer. Er selbst versteht seine Aufgabe vor allem spirituell. Kirche brauche weniger Strukturdebatten, sondern mehr geistliche Tiefe, erklärte er mehrfach. In seiner ersten Stellungnahme zur Ernennung betonte er, Gott wolle ihn "nicht perfekt, sondern verfügbar".