Haywire

Steven Soderbergh macht Agenten-Action mit Niveau

 

Regie: Steven Soderbergh
USA, 2011
AT-Start: 09.03.2012

Als die Geheimagenten Valerie und Paul von ihrer Mission ins Hotel zurückkehren, attackiert er sie. Sie wehrt sich und überwältigt ihn, bevor sie ihn kaltblütig erschießt. Sie holt sein Telefon aus der Tasche und ruft die Nummer an, von der der Auftrag kam, sie zu ermorden – und hört die Stimme ihres eigenen Chefs und Ex-Liebhabers.

Ohne zu wissen weshalb ihre eigene Organisation sich gegen sie gewendet hat, wechselt Valerie vom Abendkleid in Straßenkleidung und verläßt fluchtartig das Hotel. Damit beginnt eine der spannungsgeladensten Szenen von Haywire – und das ganz ohne Action, schnellen Schnitten oder hektischer Musik. Valerie geht bloß die Straße entlang, und beobachtet alles, was um sie geschieht. Sie ist sich nicht sicher, wer sie verfolgt – bloß, dass es irgendwer tut. Ist es der Mann im beigen Mantel? Der schwarze Audi, der langsam neben ihr herfährt? Die Frau, die ihr entgegenkommt?

Diese Sequenz zeigt, wie packend Soderberghs unkonventioneller Zugang zum Actionfilm sein kann. Er verzichtet gänzlich auf Standards des Genres, und erschafft dabei einen ganz eigenen Stil, der in gleichem Maße neuartig und effektiv ist. In einer anderen Szene verzichtet er während der schnellen Schnittabfolge einer komplizierten Geiselbefreiung fast gänzlich auf den Ton, und spielt stattdessen Jazz. Dieser Hang zum Experimentieren sowie sein naturalistischer Zugang zu Licht und Dialog funktionieren zwar nicht jedes Mal, bleiben aber auch im Fehlschlag interessanter als die meisten anderen unkreativ abgedrehten Action-Filme die Hollywood zu bieten hat.

Am konventionellsten geht Soderbergh noch mit den martial arts Szenen um, von denen der Film einige zu bieten hat. Er orientiert sich dabei stark an der visuellen Vorlage der Bourne-Trilogie von Paul Greengrass, an die Haywire auch thematisch durchaus angelehnt ist. Dabei ist gerade seine kreative Besetzung der Protagonistin Valerie inspiriert – die Laienschauspielerin Gina Carano ist echte mixed martial arts Athletin, und überzeugt komplett in allen Action-Sequenzen, ohne in stilleren Momenten zu enttäuschen.

Obwohl der dramatische Bogen und die zugrundeliegende Geschichte etwas straffer sein könnten, ist es trotzdem eine Freude, Caranos Valerie dabei zuzusehen, sich durch die versammelte Riege hochkarätig besetzter männlicher Gegner durchzukämpfen. Carano beeindruckt dabei mit ihrer körperlichen Akrobatik, während Soderberghs einzigartiger Zugang den Film zu einer gelungenen Abwechslung für Action-Freunde macht.

Nicholas Martin