Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Wir beginnen die heurige Roas hoch über Leibnitz an einem Ort, der mit der "Reise der Kirche von Graz-Seckau durch die Jahrhunderte" verbunden ist. Wir feiern hier zu einer Zeit, in der wir Christinnen und Christen uns weltweit über die Botschaft der Auferstehung freuen und diese im Idealfall ins Land tragen. Die Berichte aus der Apostelgeschichte, die uns in diesen Wochen nahegebracht werden, machen es deutlich: Jene Menschen, die Jesus damals nachfolgen wollten, standen in der Situation, Sein Wirken - also Seine Botschaft und Seine Taten - weiterzuführen, erfahrbar zu machen. Sie taten es als Zeugen und Zeuginnen der Auferstehung und damit des neuen Lebens in Christus. Und sie waren herausgefordert, dies in einem schwierigen politischen wie religiösen Umfeld zu tun. Mehr noch: Gegenüber den sogenannten "Hellenisten", also griechischen Juden und gegenüber den Römern, sahen sie sich herausgefordert, das Erlebte auch in anderen Mentalitäten und Denkweisen weiterzubringen.
Wie sich doch die Zeiten ähneln.
Wir erleben weltweit riesige Umbrüche, viele davon krisenhaft. Damit verbunden sind Verunsicherungen, da und dort Ängste, und vermeintlich wenig, das Hoffnung macht. - Christinnen und Christen des 21. Jahrhunderts zeichnen sich durch ihre "Wetterfestigkeit" aus, um ein geflügeltes Wort meines Vorgängers angesichts des Regens beim Besuch von Papst Benedikt XVI. in Mariazell in Erinnerung zu rufen. "Wettferfest" angesichts dessen, was weltweit passiert, müssen wir tatsächlich sein. Oder zumindest gelassen und zuversichtlich. Wir Christinnen und Christen tun uns da leicht, wenn wir uns in unseren Glauben vertiefen. Wenn wir im Gebet Gott nahe sind und in den Dialog mit Ihm eintreten: "Herr und Gott: Was willst Du von mir, was willst Du von uns im Heute unserer Zeit?" Und auch: "Das, wo ich nicht weiterweiß und anstehe, wo ich schuldig geworden bin, aber auch das, worüber ich mich freue und worunter ich leide - ich vertraue Dir mein Leben an. Es ist mir gegeben - und daher will ich es mit Dir, dem Geber, leben. Herr, erbarme Dich meiner, so wie ich bin."
Vieles fordert uns als Kirche im Heute heraus - und da meine ich zunächst nicht die sogenannten "heißen Eisen", die bei den jungen Menschen gar nicht mehr so im Mittelpunkt ihrer Suche und Fragen stehen. Ich meine damit aber auch nicht die Kirchenaustrittszahlen und die damit verbundenen Fragen der materiellen Absicherung jener - es sind mehr als eintausend Personen -, die als Laien und Geweihte für unsere steirische Kirche arbeiten. Ich denke da vielmehr an die demographische Entwicklung und an alle, für die Gott ein Fremdwort geworden ist - und damit auch das kirchliche Leben. Ich denke an die gesellschaftlichen Veränderungen, die uns als Christen aufs Neue herausfordern, unseren Glauben zu bekennen, wenn das nicht mehr "in" ist, und unser Leben aus dem Evangelium als die tragende Botschaft und Grundlage unseres Lebens deutlich zu machen. Das sind wir über Jahrhunderte nicht gewohnt. Nunmehr sind wir – auch Gott sei Dank! - verstärkt dazu herausgefordert. Und wir machen damit deutlich, dass Christsein etwas mit einer "Berufung" zu tun hat und nicht einfach nur ein "Mitschwimmen" mit all den anderen ist.
Schließlich ist uns die Chance gegeben, als Menschen des 21. Jahrhunderts unseren Mitmenschen Orientierung zu geben zwischen den sich in Meinungsblasen Verirrenden und Verlassenen, zwischen den Extremen der Meinungen. Egal wie alt wir sind, egal welcher Nation wir angehören, egal ob Mann oder Frau: Durch die Taufe ist uns Jesus Christus, der Auferstandene, Wegweiser und Maß - mit Seinem Wort, mit Seinem Leben, mit Seinen Taten. Der christliche Glaube ist eine Anleitung für das Leben, wo auch immer es Platz greift und wer auch immer sich an ihm ausrichtet. Weltweit führt unser Bekenntnis zusammen und nicht auseinander. Es gibt zwar da und dort unterschiedliche spirituelle Ausprägungen und andere Zugänge zum Leben aus der Taufe. Aber letztlich ist einer das Maß - Jesus Christus. Leisten wir uns daher mit aller Kraft den "Luxus", zu lieben, damit Menschen nicht noch weiter auseinanderdriften, sondern das Leben hier und jetzt, gemeinsam auf diesem Planeten, als Geschenk entdecken. Und tun wir das uns Mögliche, damit die Erde auch den Nachkommenden lebenswert bleibt. Wenn wir das ernst nehmen, sind wir wahre Christinnen und Christen, sind wir Weltbürger anstatt Egoisten, die bloß auf sich bedacht sind, anstatt den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Mit einem solchen Lebensstil machen wir deutlich, dass das gilt, was uns Jesus im Evangelium heute zu Beginn mitgegeben hat: "Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! [...] [Denn:] Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben."