Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Auch heute bräuchten wir einen Jesus, der uns die Augen öffnet. So verschlossen scheinen sie doch angesichts dessen zu sein, was so in der Welt - und somit in der Kirche - vor sich geht. Wenn ich wie zuletzt zu Jahresbeginn in Israel und Palästina war, oder wenn ich mit einem Freund von mir, dem Weihbischof von Lemberg in der Ukraine spreche - wie bei der Weihe des Erzbischofs von Wien - dann komme ich zur Erkenntnis: Wir hier jammern angesichts dessen, was in vielen Weltgegenden los ist, wirklich auf hohem Niveau. Damit will ich die Herausforderungen bei uns nicht kleinreden. Doch liest man in Medien, hört man auf so manche Gespräche in der Öffentlichkeit, da kann einem schon angst und bang werden - so schlimm scheint es um uns zu stehen. Wer öffnet den Menschen die Augen, um nicht nur die eine Seite zu sehen, die sich dann auch noch in virtuellen Medien, die sich sogar "sozial" nennen, durch Algorithmen entsprechend eingefärbt einem darbietet? Wie gut da doch der Blick über den eigenen Zaun hinaus tut - und tatsächlich: Unserer Heimat, unserem Europa würde es gut und auch nottun, sich nicht einzukapseln im Eigenen. Dies scheint die "normale" Reaktion zu sein, die ich niemandem verübeln will, die aber nicht dem Anspruch der Christen entspricht, die in die ganze Welt gesendet sind.
"Horrorszenarien" begegnen uns auch angesichts der sich neu in unserer Welt positionierenden Kirche. Bedenken wir, wie sehr in manchen Weltregionen Christen gerade heute verfolgt werden und um Leib und Leben fürchten müssen. Woran uns angeblich nicht alles "mangelt" - diese Rede wird immer schaler in meinem Mund. - "Herr, öffne uns die Augen!", kommt mir immer wieder angesichts von Debatten, die aus einem Lebensgefühl der Übersättigung geführten werden.
Am Blindgeborenen im Evangelium wurde das Wirken Gottes offenbar (vgl. V 3) und er bekannte seinen Glauben (vgl. V 35ff.), weil er Jesus nicht ausgewichen war. Genau das wünsche ich uns allen - gerade angesichts aller Herausforderungen unserer Tage. Gesellschaftlich wie kirchlich merken wir: Neue Ordnungen, neue Gesetzmäßigkeiten, neue Regeln allein bringen uns nicht weiter. Es braucht dieses glaubende Herz, das die Welt und alles in ihr (neu/anders) sieht. Es braucht das persönliche "Hier bin ich, Herr. Was willst du, dass ich tue?" eines bzw. einer jeden von uns, die wir als Getaufte in der Nachfolge Jesu stehen. Dies ist nicht zu delegieren - es gilt nicht nur für Pfarrer, Priester, Diakone, Pastoralreferentinnen und andere Hauptamtliche, es gilt auch nicht nur für die Pfarrgemeinderäte, die sich mitunter wie ein "Vereinsvorstand" vorkommen. Es braucht das vertrauende und damit glaubende "Ja" einer und eines jeden, es braucht ein gemeinsames Nachspüren, was der Wille Gottes heute für uns heißt. Bloßes Verwalten einer bestimmten Form von Kirche wird nicht reichen, führt auch in die Irre. So als ob Strukturen die Welt retten könnten. - Dass wir es nötig haben, alles Leben an IHM, an Gott zu orientieren, ist logisch. Wie und wo das geschieht, ist sekundär. Das Sakrament der Eucharistie ist ein Weg, der deutlich macht: Euer Leben ist tagein, tagaus von IHM her und auf IHN, auf Gott hin gestaltet. Seid Euch dessen bewusst - als Diakone, die für DEN in der Kirche und damit in der Welt stehen, der gekommen ist, nicht um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen. Für Jesus selbst.