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Die diesjährige 8. Studienreise des Orgeltreffs- und Kultur Hollenegg vom 30. April bis 03. Mai 2026 führte zur Orgellandschaft rund um Burghausen – längste Burg der Welt, dem Ausbildungsort von Franz Xaver Gruber, Komponist des „Stille Nacht“ Liedes und nach Altötting, dem bedeutendsten Wallfahrtsort Bayerns. Unter der Leitung von Peter Koch nahmen an der von der Marktgemeinde Bad Schwanberg - Kultur Hollenegg unterstützten Studienreise Ursula Handler, Helmut Grün, Klaus Masser und Dietmar Haas teil. Alois Sackl, Vorsitzender des Orgelkomitees für den Neubau der Erler-Orgel in der Patrizikirche und ehemaliger Wirtschaftsrat der Pfarre Hollenegg, hatte die Möglichkeit, Einblick in die Finanzierung von Orgelrestaurierungen und Neubauten im großen Stil zu erhalten.
Als Regionalkantor, Konzertorganist und Mitglied der Kommission der Orgelsachverständigen der Region gestaltete Heinrich Wimmer, Organist an der Stadtpfarrkiche Burghausen, ein lehrreiches Programm. Die Teilnehmer des Orgeltreffs Hollenegg erhielten Zugang zu historisch bestens restaurierten und wertvollen Instrumenten wie auch zu eindrucksvollen Neubauten.
An der Wallfahrtskirche Marienberg konnte die bedeutendste historische Orgel Bayerns aus dem Jahre 1769, erbaut von Antony Bayr, bewundert werden. Die 11 Register umfassende Orgel ist vollständig erhalten und wurde 2010 letztmalig restauriert. Erhalten ist vor allem das aus dieser Zeit bedruckte Notenpapier, das im 18. Jahrhundert besonders teuer war, und mit dem die Windladen abgedichtet wurden. Den Höhepunkt bildete wohl die Möglichkeit, die Keilbälge wie zur Zeit des 18. Jahrhunderts als Orgeltreter – Kalkant – betätigen zu können. Heinrich Wimmer präsentierte diese Orgel mit Werken von Samuel Scheidt, Kaspar Kerll und Kuckucksrufen von Viviani.
In der Marienkirche befindet sich auch ein historischer Nachbau des Lehrers Georg Moser, der als Autodidakt eine im Rokoko-Stil konzipierte kleine Orgel in dreißigjähriger Bauzeit für Marienberg baute. Dieses Instrument entspricht der prunkvollen barocken Ausstattung des Kirchenraums von Marienberg und wurde von der steirischen Firma Vonbank nachintoniert.
Unweit von Marktl, dem Geburtsort von Pabst Benedikt XIV, befindet sich auf einer Anhöhe die Wallfahrtskirche zu Leonberg eine kleine und der Herkunft und dem Erbauer nach unbekannte Orgel. Sie wird nach der sorgfältigen Restaurierung nunmehr für Konzerte und Gottesdienste der Wallfahrer genutzt.
Neben kleinen und einmanualigen historischen Instrumenten hatte der Orgeltreff von Hollenegg auch die Möglichkeit, moderne und große Instrumente kennen zu lernen. In der Stadtpfarrkirche „Zu unserer lieben Frau“ von Burghausen und in der Stiftspfarrkirche von Altötting befinden sich Instrumente mit drei Manualen der Firma Jann Orgelbau. Das Instrument in Burghausen erfuhr 2014 eine Erweiterung. Das Schwellwerk wurde für die Literatur der Romantik disponiert mit einer besonders schönen Oboe. Die Bombarde des Pedals entspricht dem Stil des englischen Orgelbaus. Ein besonders schönes Instrument aus dem Jahr 2000 von Jann Orgelbau befindet sich in der Stiftspfarrkirche von Altötting. Durch seine Homogenität und der Möglichkeit, viele Stile mit schönen Einzelregistern zu gestalten ist dieses Instrument ein besonderes Juwel in der Orgellandschaft rund um Burghausen. Jann Orgelbau hat auch in der Steiermark Instrumente gebaut.
Ein Unikum stellte die von Gerhard Schmid 1976 erbaute fünfmanualige Orgel in der Basilika St. Anna in Altötting dar. Dieses mit über 100 Registern bestückte Instrument und den riesigen 32‘ Pedaltürmen bildet ein imposantes Bild im Kirchenraum. Der Orgelbauer Gerhard Schmid, der nur fünfmanualige Orgeln baute und immer im Trainingsanzug und Arbeitsschürze auch bei der Einweihung seiner Instrumente gekleidet war, verlangte von seinen Angestellten im Schlafsack in den Kirchen bis zur Fertigstellung der Instrumente zu übernachten. Er starb nach einem Sturz von einem Gerüst beim Einbau einer Orgel in Moskau, wohin er eines seiner Instrumente, eingewickelt in Altkleidern brachte. Die Altkleider wurden an Bedürftige in Moskau verteilt.
Den Abschluss der Studienreise bildete die Orgel des Odeon-Theaters in München, die nunmehr in der Kirche St. Martin in Halsbach, einem kleinen Dorf unweit von Burghausen, steht. Auf diesem Instrument unterrichtete und spielte Josef Gabriel Rheinberger. Auch Anton Bruckner hat auf diesem Instrument Konzerte gegeben. Dieses romantisch konzipierte Instrument eignet sich besonders für Werke der Wiener Hoforganisten wie Anton Bruckner und Robert Fuchs aus Frauental und deren Schüler. Zwei Hinweistafeln mit dem Wortlaut „Nicht auf den Boden spucken“ sind ein Zeichen, dass schlechtes Benehmen auf den Orgelemporen eine lange Tradition hat.
Den Abschluss der Studienreise bildete die Besteigung des Turms der Jakobikirche in Burghausen mit seinem Glockenspiel, das je nach Anlass und Jahreszeit mit unterschiedlichen Melodien erklingt. Ein herzlicher Dank gilt Peter Koch für die Organisation und Heinrich Wimmer für die interessante Führung durch die Orgellandschaft Niederbayerns. Heinrich Wimmer wird am 19. September 2026 an der Erler-Orgel von Hollenegg ein Konzert geben.
Text / Bilder
Orgeltreff Hollenegg