Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Wie man innovativ mit der Tradition umgehe, das könne man vom barocken Liederdichter Paul Gerhardt und dem wohl bekanntesten Tonsetzer seiner Texte – J. S. Bach – wunderbar lernen, meinte der Freiburger Theologe, Kirchenmusiker und Musikwissenschaftler Meinrad Walter beim neunten Kirchenmusiktag am vergangenen Samstag. Über neunzig Personen waren der Einladung des Referats für Kirchenmusik gefolgt und kamen zu einem Tag der Inspiration und des kollegialen Austausches ins Grazer Augustinum. Hauptreferent Walter ließ in seinem Referat den vor 350 Jahren verstorbenen Paul Gerhardt – Schöpfer von Liedern wie „O Haupt voll Blut und Wunden“ und „Ich steh an deiner Krippe hier“ – lebendig werden.
Die Hälfte seines Lebens verbrachte Gerhardt im Dreißigjährigen Krieg. Trotz des unfassbaren Leids seiner Zeit sei das inhaltliche Zentrum seines Werks immer die Lebenslust gewesen. Dass seine Lieder gleichermaßen aus dem Buch der Bibel wie aus dem Buch der Natur schöpfen, ließe sie auch zu Menschen sprechen, welche mit der biblischen Sprache nicht vertraut seien. In die Welt hinausgetragen wurden seine Texte durch das Werk Bachs, welcher vor allem in seinen Passionen an Schlüsselmomenten ganz bewusst die Lieder Gerhardts einsetzte. Gemeinsam entwerfen Bach und Gerhardt eine Sprache des Glaubens. Aber sie akzentuierten nicht so sehr das, was wir glauben, sondern sie inszenierten förmlich, wie wir glauben. Hier werde einfach ein Weg gegangen – mit der Einladung mitzugehen. Beide seien sie der Meinung gewesen, dass in der Kunst etwas vom „neuen Lied“ aufklingen solle, sodass im Irdischen schon etwas Himmlisches erlebbar werde. Nichts Weniger könne man auch heutiger Kirchenmusik wünschen, so der international anerkannte Fachmann für theologisch-musikalische Fragen.
Sinnlich erfahrbar wurde das „neue Lied“ in einer Vielzahl an Workshops, welche sich mit dem Leben und den Liedern Paul Gerhardts (Tamás Szőcs und Michael Schadler), der Interpretation des Bach’schen Orgel- und Sologesangswerkes (Ulrich Walther, Klaus Waltritsch und Johannes Chum), den Grundrezepten der historischen Aufführungspraxis (Lucia Froihofer) sowie dem Gebiet der Musik- und Glaubensvermittlung (Meinrad Walter) auseinandersetzten.
Seinen besonderen Abschluss fand der Tag, welcher erstmals auch als Kooperation mit der evangelischen Kirche durchgeführt wurde, im abschließenden ökumenischen Gottesdienst in der Grazer Heilandskirche. Studierende der Kunstuniversität musizierten gemeinsam mit dem Chor des Diözesankonservatoriums die – auf einen Text von Paul Gerhardt beruhende – Bach-Kantate „Ich hab in Gottes Herz und Sinn“. Beim von allen Mitfeiernden gemeinsam gesungenen mehrstimmigen Schlusschoral wurde deutlich, was Meinrad Walter bei seinem Vortrag als Möglichkeit angedeutet hatte: „Mit Paul Gerhardt können wir uns schon hier auf Erden in den Himmel singen.“