Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Wie begann dein Weg zur Orgel? Gab es ein Schlüsselerlebnis?
Ich habe die Orgel schon als Kind zum ersten Mal gehört – und meine Begeisterung ist einem Pädagogen aufgefallen. Er hat damals gewagt, mit mir zu arbeiten, obwohl ein so früher Einstieg gerade an der Orgel eher selten war. Diese Erfahrung hat mich stark geprägt, deshalb unterstütze ich heute besonders frühe musikalische Bildung – auch den frühen Zugang zur Orgel. Ein früher Start gibt Kindern Zeit, in Ruhe ein Fundament aufzubauen – Gehör, Koordination und Konzentration – und das erweitert später spürbar die Möglichkeiten und erhöht die Chance, ein hohes Niveau zu erreichen.
Wenn du an eine fremde Orgel kommst: Wie gehst du vor?
Mit einer unbekannten Orgel beginne ich immer mit dem Zuhören: Instrument und Raum. Das betrifft nicht nur den Klang, sondern auch die technischen Möglichkeiten. Mir ist wichtig, dem Instrument nicht mein gewohntes Schema aufzudrücken, sondern seine Sprache zu verstehen und auf seine Stärken zu bauen. Bei fremden Orgeln gibt es fast immer ein Element der Unvorhersehbarkeit – deshalb muss man flexibel sein und Programmwahl und Umsetzung bei Bedarf an Instrument und Akustik anpassen. Genau deshalb schätze ich Instrumente, die mehr Kontrolle über die Anpassung an den Raum ermöglichen: einen großen Umfang, Registervielfalt, kontrollierbare Dynamik, variable Stimmung, die Möglichkeit einer präzisen Anpassung an die Akustik und die Transportfähigkeit. So kann man wirklich auf den Saal reagieren und den Klang entsprechend aufbauen.
Wer waren/sind deine wichtigsten künstlerischen Orientierungen? Wie haben sie deinen Stil geprägt?
Meine künstlerischen Orientierungspunkte sind weniger konkrete Namen als ein bestimmter Typ Künstler: jemand, der den Beruf als Lebensaufgabe versteht und die Kunst über sich selbst stellt. Mich beeindruckt dieser innere Anspruch und diese Konsequenz – ohne Effekt um des Effekts willen. Das ist mein innerer Maßstab, an dem ich mich orientiere. Und selbst wenn im Saal nur fünf Menschen sitzen – und das keine Tausende Likes bringt – ist mir am Ende etwas anderes wichtiger: das Gefühl, dass ich nicht gegen mein Gewissen gehandelt habe und die Arbeit ehrlich gemacht ist.
Der Kirchenraum verändert sich: Wie versuchst du, junge Menschen für die „Königin der Instrumente“ zu gewinnen?
Ich glaube nicht, dass man junge Menschen „interessieren“ muss. Sie sind ohnehin interessiert – nur nicht immer an dem, was man ihnen anbietet. Manchmal reicht es, jemandem die Möglichkeit zu geben, das Instrument wirklich zu hören – wie es den Raum füllt und wie sich die Stille verändert. Dann braucht es nicht viele Erklärungen. Wenn man das direkt erlebt, ist die Orgel nicht mehr etwas Museales: Sie wird lebendig. Und in der Liturgie ist das besonders wichtig, weil so das Geschehen ohne viele Worte verständlicher und greifbarer wird.
Wie sieht dein Alltag in Gleisdorf aus? Welche Aufgaben gehören über das Orgelspiel hinaus dazu?
Mein Alltag in Gleisdorf besteht nicht nur aus dem Orgelspiel. Ein großer Teil der Arbeit passiert vor und nach den Gottesdiensten: Musikauswahl und Repertoireplanung, Proben mit den Chören in Gleisdorf und in Sinabelkirchen sowie organisatorische Dinge – Termine, Noten, Social Media, Kommunikation und praktische Absprachen. Anknüpfend an die vorherige Frage ist es mir wichtig, innerhalb der Liturgie eine breite musikalische Palette zu zeigen – von Alter Musik bis zu zeitgenössischen Komponisten. Nach Mozarts Messe KV 259 ist als nächstes größeres Projekt mit dem Vokalensemble der Pfarre Gleisdorf Chilcotts Jazzmesse zu Ostern geplant. Außerdem läuft der Konzertzyklus Gleisdorfer Orgelpunkt weiter: Die nächsten drei Termine sind bereits geplant – mein Orgel-Solokonzert, ein Auftritt des Chors des Instituts für Orgel und Kirchenmusik der Kunstuniversität Graz sowie ein Konzert junger Organistinnen und Organisten für Kinder.
Was ist dir als Organist besonders wichtig? Welche Botschaft oder welches Gefühl möchtest du vermitteln?
Mir ist nicht eine „Botschaft“ wichtig, sondern dass die Musik den Menschen hilft, miteinander da zu sein – zu singen, zu beten, zu schweigen, zuzuhören. Wenn ich dennoch sagen soll, was ich vermitteln möchte, dann ist es ein ganz einfacher Zustand: dass nach dem Gottesdienst oder nach einem Konzert das Gefühl bleibt, dass es innen ruhiger und klarer geworden ist – und das genügt.