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Bischof Krautwaschl verkündet die Botschaft für die Steiermark umringt von VertreterInnen aus den steirischen Regionen. - Foto: Plankensteiner/Sonntagsblatt

Botschaft für die Steiermark

Bischof Krautwaschl verkündete anlässlich Des Diözesanjubiläums die Botschaft für eine Kirche der Zukunft.

Seit über tausend Jahren gestalten Christinnen und Christen unser Land, vor 800 Jahren wurde der erste Bischof für die Steiermark geweiht und damit der Grundstein für die lange Geschichte unserer Diözese gelegt. Heute, in einer Zeit, in der sich so vieles im Wandel befindet, feiern, gedenken und bekennen wir:

Als Christinnen und Christen glauben wir an den einen Gott. Wir besitzen ihn nicht, wir suchen ihn. Und diese Suche teilen wir mit vielen Menschen. Gott ist uns in Jesus als Mensch entgegengekommen und teilt jetzt und heute sein Leben mit uns. Er ist aber auch dort, wo wir ihn bislang nicht vermutet haben – und dieser Provokation des Evangeliums wollen wir uns in Zukunft vermehrt stellen.

Mit Jesus Christus sind wir als Kirche für die Menschen da, so wie sie heute sind, leben, lieben, trauern, Angst haben und hoffen.
Viele von uns haben die Hoffnung auf die Zukunft verloren. Unsicherheit macht sich breit: Ihr wollen wir entgegenwirken. Die großen Probleme der Zukunft wie

  • „Wo finde ich Arbeit?“
  • „Wer schützt das menschliche Leben?“
  • „Wie werde ich alt?“
  • „Welche Welt hinterlassen wir unseren Kindern?“
  • „Wo finden Menschen Heimat?“

sind nur gemeinsam zu lösen. Wir wollen mithelfen, einen Wert für unsere Gesellschaft wiederzubeleben: die Solidarität.
Mehr als wir es bisher getan haben, wollen wir vor allem jenen helfen, die nicht auf die Sonnenseite des Lebens gefallen sind, auch Menschen, die wir mitunter lange vernachlässigt oder sogar ausgegrenzt haben. Deren Lebensgeschichten berühren uns. Wir setzen uns für ihre Würde ein.

Christinnen und Christen haben diesem Land in den letzten acht Jahrhunderten viel an kulturellem Reichtum und an Schönheit geschenkt. Wir wollen dieses Erbe nicht nur hüten; es wurzelt in unserer europäischen Geschichte, die wir auch in Gegenwart und Zukunft neugierig und kreativ weiterschreiben wollen.

Wir erleben heute einen dramatischen Glaubensumbruch. Viele sind von der Kirche enttäuscht. Wir wollen mutiger sein, fröhlicher in der „Freude des Evangeliums“. Wir sehen unsere Botschaft als Gabe für die Gesellschaft: Glaube, Liebe und Hoffnung unterliegen keiner Halbwertszeit.

Wir wollen alles tun, dass unsere Kirche auch in Zukunft ein lokales und zugleich weltoffenes Angesicht behält – in den Pfarren, Gemeinden und in neuen Erfahrungsräumen, die den veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen entsprechen. Wir wissen, dass wir in der Suche nach einer neuen Form der Kirche nicht allein sind. Dabei werden wir die Einheit mit der Weltkirche wahren und vor allem jene fördern, die sich auf Fragen der Gegenwart einlassen und mutig Schritte zur Erneuerung setzen.

„Niemand wird als Christ geboren“ (Tertullian). Christ wird man durch Glaube und Taufe. Wir setzen uns ein für eine Atmosphäre der Freiheit, der Freiheit zum Glauben und der Freiheit des Glaubens.

In jeden Menschen sind vielfältige Begabungen und Fähigkeiten gelegt. Was einem Menschen mitgegeben ist, hat er nicht nur für sich allein. Die Kirche geht ihren menschlichen Weg durch die Vielfalt von Begabungen und Berufungen: in unseren Beziehungen, in den Familien, in der Schule, am Arbeitsplatz, auch in geistlichen Diensten und Lebensformen. Über diese Vielfalt freuen wir uns: Wir wollen sie entdecken, wecken und fördern, damit die gute Botschaft Jesu in unserem Land auch in Zukunft weitergegeben werden kann.

Wir leben in einer Welt, in der vermehrt wieder Grenzen gezogen werden. Als katholische, das heißt: all-umfassende Kirche, tragen wir jedoch über Grenzen hinweg Verantwortung. Wir wollen alles tun, damit möglichst viele Menschen Frieden und Heimat finden. Dafür schließen wir Allianzen mit allen, die sich für Freiheit und Würde des Menschen einsetzen.

800 Jahre Diözese Graz-Seckau:

Wir bauen auf das auf, was Menschen vor uns gestaltet haben. Wir suchen heute nach neuen Wegen, in einer Zeit, in der sich vieles im Wandel befindet. Die Zukunft, die wir säen, werden die ernten, die nach uns leben.
Am Vorabend des Festes des Heiligen Johannes des Täufers, an dem wir unser Diözesanjubiläum feiern, erinnern wir uns deshalb nicht zuletzt an die schönste Aufgabe der Kirche: ihm, unserem Herrn Jesus Christus, die Wege zu bereiten. Denn er kommt uns heute entgegen.

Bischof Wilhelm Krautwaschl, 58. Diözesanbischof von Graz-Seckau

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