© Foto: Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

Foto: Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

Feiern mit dem "Herzbischof"

Altbischof Johann Weber wird 85.

Sein herzhaftes Lachen begeistert noch immer junge Menschen. Seine Worte erreichen immer noch die Herzen vieler Steirerinnen und Steirer. Johann Weber, emeritierter 56. Bischof der Diözese Graz-Seckau und jetzt Seelsorger der Pfarre Graz-St. Leonhard, begeht am 26. April seinen 85. Geburtstag. In der Pfarrkirche Graz-St. Leonhard wird am 22. April um 9:30 Uhr gemeinsam Gottesdienst gefeiert. Die Kollekte kommt dem Arbeitslosenfonds der Diözese zugute.

Für viele Menschen in der Steiermark war er Jahrzehnte lang das freundliche Gesicht der katholischen Kirche in diesem Land. Von 1969 bis 2001 leitete er als Bischof Johann VIII. die Diözese Graz-Seckau. In schwierigen Jahren stand er auch der Österreichischen Bischofskonferenz vor.

Seelsorger der Arbeiter

Am 26. April vor 85 Jahren kam Johann Weber in Graz-St. Veit zur Welt. Bis zur Schließung des Bischöflichen Seminars 1938 war Johann Weber Schüler dort, anschließend im Akademischen Gymnasium. Ein Studienjahr widmete der Student Weber der Germanistik, der Geschichte und der Geografie, danach steigt er auf das Studium der Theologie um, welches er 1950 abschließt. Am 2. Juli 1950 wird Johann Weber im Grazer Dom zum Priester geweiht. Nach jeweils drei Jahren als Kaplan zuerst in Kapfenberg und dann in Köflach, wird er Diözesanseelsorger der Katholischen Arbeiterjugend. Noch viele Menschen erinnern sich gern an ihre Begegnung mit Johann Weber, dem Seelsorger der Arbeiter, aus dieser Zeit.

Von 1962 bis 1969 ist Johann Weber Pfarrer der Stadtpfarre Graz-St. Andrä. Sein Einsatz für die Armen und Bedürftigen zeichnete sein Wirken in diesen Jahren aus. Beispielhaft dafür war die Errichtung des „Heimes der offenen Tür“, eines Hauses für Schwangere, die in Not geraten sind. Am 10. Juni 1969 ernennt Papst Paul VI. ihn zum Nachfolger von Bischof Josef Schoiswohl, der am 1. Jänner 1969 zurückgetreten war. Er reiht sich damit als 56. Bischof der Diözese Graz-Seckau ein.

Diözesaner Aufbruch

Der 28. September 1969, der Tag der Bischofsweihe von Johann Weber, wurde auch zu einem Aufbruchsfest für die Diözese Graz-Seckau. Historisches Detail am Rande: Zur gleichen Zeit, als Erzbischof Dr. Andreas Rohracher, em. Erzbischof von Salzburg, Bischof gemeinsam mit Dr. Leo Pietsch, em. Weihbischof von Graz-Seckau und Erzbischof Dr. Josef Schoiswohl, 55. Diözesanbischof von Graz Seckau, Johann Weber weihten, wurde im ORF die ersten Bilder von der Mondlandung der US-Amerikanischen Apollomission gezeigt.

Die Aufgaben, denen sich Bischof Johann Weber stellen musste waren nicht leicht. Es galt die Polarisierung im Klerus über die Ausrichtung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der Diözese zu überwinden, und gleichzeitig das Konzil auch umzusetzen. Die Einrichtung des Diözesanrates und der Pfarrgemeinderäte, aber auch die Bestellung von Laien zu Pastoralassistenten und in Aufgabenfelder, die bislang Priestern vorbehalten waren, sind Teile davon. Unter seiner Ära fallen auch die Errichtung des Kulturzentrums bei den Minoriten und die Errichtung des Welthauses.

"Herzbischof" Weber

Über 30 Jahre prägte Bischof Johann Weber als Hirte die Diözese und die ganze Kirche in Österreich mit. Einige große Ereignisse zeugen davon: Die Österreich-Synode 1973/74, der "Tag der Steiermark" 1993, die "Wallfahrt der Vielfalt" 1996, die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz und der "Dialog für Österreich" 1998. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählt sicherlich auch der Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1983 in Mariazell und der Katholikentag 1981 in Graz, zu dem 70.000 Gläubige in den Stadtpark gekommen sind. Sie feierten das „Fest der Brüderlichkeit“ gemeinsam mit Bischof Johann Weber, der – passend zum Logo des Katholikentag – zum „Herzbischof“ ernannt wurde.

Im Jahr 2001 legt Bischof Johann Weber sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Der Papst ernennt Bischof Egon Kapellari zum Nachfolger. Bischof Johann Weber schreibt zum Abschied im Sonntagsblatt: „Beinahe 32 Jahre war ich nun Bischof unserer Diözese Graz Seckau. Da ist es an der Zeit, für einen neuen Bischof Platz zu machen. Ich hab mir das gut und lange überlegt, und ich glaube, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist. …Es gibt einem viel Freude, in der Steiermark Bischof zu sein, das ist meine Erfahrung. Danke!“

Hinweis

Am Sonntag dem 22. April ist Altbischof Johann Weber in der Reihe "Gesprächsstoff" auf Radio Steiermark, Gestaltung Andrea Kager-Schwar, zu hören.

Auf Augenhöhe

Bischof Johann Weber zum 85. Geburtstag

Als „Zeichen der Dankbarkeit und des großen Respekts für Bischof Johann Weber“ bezeichnet Bischof Egon Kapellari das von der Diözese und dem Sonntagsblatt herausgegebene digitale Geschenk zum 85. Geburtstag des beliebten Altbischofs. „Von ihm, dem die Kunst des Erzählens in reichem Maß gegeben ist, kann man auf der Hör-CD Bewegendes aus dem Leben eines Christen, Priesters und Bischofs erfahren“, freut sich Bischof Kapellari über das große, von Andrea Kager-Schwar gestaltete Geburtstagsinterview.

Die Gesprächsthemen:

Kindheit und Jugend – Die Zeit in der Pfarre und das Konzil – Johann Weber wird Bischof – Die Ära Weber – Seit dem Rüktritt – Kirche in der Welt von heute – Persönliches.

Die CD „Auf Augenhöhe“ kann zum Preis von 9,70 Euro bestellt werden bei: Sonntagsblatt für Steiermark, Bischofplatz 2, 8010 Graz, Tel. 0316/8041-225; ingrid.hohl@graz-seckau.at; www.sonntagsblatt.at

Der Reinerlös aus dem Verkauf der CD „Auf Augenhöhe“ kommt dem Arbeitslosenfonds der Diözese Graz-Seckau zugute, einer Einrichtung, die 1988 durch Bischof Johann Weber gegründet wurde.