Türkisch für Anfänger

Wenn man den Schweiß durch die Leinwand riechen kann

 

Regie: Bora Dagtekin
Land: Deutschland
Länge: 110min
AT-Start: 16.3.2012

Eine erfolgreiche TV-Serie braucht neuerdings auch einen Kinostreifen. Das hat sich zumindest Regisseur Bora Dagtekin gedacht und brachte mit „Türkisch für Anfänger“ ein sehenswertes Abenteuer auf die Leinwand.

Zwiebeln werden mit Taucherbrille geschnitten, im Wohnzimmer „orgiastische“ Psychotherapien abgehalten und auf der Autorückbank sitzt ein Astronaut. Das ist die Familie von Lena Schneider (Josefine Preuß). Lena ist 19 Jahre jung, Scheidungskind und hat eine große Klappe. Groß geworden ist sie mit den antiautoritären Erziehungsmaßnahmen ihrer Mutter Doris (Anna Stieblich), die sich peinlich jugendlich verhält und gerne in Justin-Bieber-Badeanzügen sonnt.
„Um endlich mal abzufeiern“ schleppt sie Lena mit zu einem Urlaubstripp nach Südostasien. Schon im Flugzeug ist Lena genervt, als sie neben dem türkischen Macho Cem Öztürk (Elyas M’Barek) sitzen muss. Zur Katastrophe wird die Reise, als die Boeing notwassern muss und die beiden Jugendlichen, sowie Cems religiöse Schwester Yagmur (Pegah Ferydoni) und der stotternde Grieche Costa (Arnel Taci) auf eine einsame Insel geschwemmt werden.
Während für die vier ein Abenteuer in der Natur beginnt, trifft Mutter Doris im Hotel den Vater Metin Öztürk (Adnan Maral) und gemeinsam versuchen sie ihre Kinder zu orten.

Mit viel Witz, kecken Dialogen und dem Charme der verrückten Charaktere entführt Bora Dagtekin die Zuschauer in die Wildnis und sorgt immer wieder für laute Lacher. Auch wenn die Aussagen manchmal stark an der Grenze des Rassismus kratzen oder sie auch übertreten, verzeiht man diese „Ausrutscher“ kurz darauf wieder, denn die Sympathie der Schauspieler macht alles wett. Idyllische Kameraaufnahmen am Strand machen Lust auf Urlaub und lassen einem die Sonne auf der Haut spüren – und den Schweiß fast riechen.
Auch an das serienunkundige Publikum wurde gedacht: Es werden keinerlei Vorkenntnisse benötigt. Bloß die Fähigkeit, sich 110 Minuten lang sehr gut unterhalten lassen zu wollen.

Simone Steurer