Über Filme, die Kreise ziehen

Ein Bericht über das 29.Festroia Filmfestival in Setubal (Portugal) von Natalie Resch, Medienreferentin der Diözese

In einer 100.000 Einwohner Stadt am Meer südlich von Lissabon fand das international renommierte Filmfestival Festroia in familiärer Atmosphäre mit dem Länderschwerpunkt Belgien von 7. bis 16.Juni statt. Neben einem intensiven Blick auf das aktuelle belgische Filmschaffen widmete sich das Filmfestival - unter der Federführung Silva Fernandas - Filmen, die von Menschen erzählen, die unter besonderes schwierigen Bedingungen leben und ihren eigenen Weg suchen. Das Setting reichte hier von sozial, gesellschaftlichen Widerständen, Kriegswirren, menschlichen Verlusten, bis zu übermenschlichen Leistungen und persönlichen Schicksalsschlägen. Neben der Official Section, die 14 Filme vorwiegend aus dem nördlichen Europa umfasste, gab es die Sektion First Work  (Debutwerke) und Human and Environment (der Mensch und die Natur), die von internationalen Jurys bewertet und ausgezeichnet wurden. Eine dieser war die fünf-köpfige SIGNIS-Jury (World Catholic Association for Communication), der ich, Natalie Resch, als Medienreferentin der Diözese Graz, beiwohnte.

Beim Screening der 14 Filme des Wettbewerb Official Section zog sich die Gewaltbereitschaft der handelnden Figuren mit einem Hang zur extremen Brutalität  und Themen mit einem Bezug zur Drogenproblematik und Elternschaft („8-Ball“) wie ein roter Faden durch die Filme. Berührend gestaltete Regisseur Srdan Golubovic den Film „Krugovi“/„Circles“ (Silberner Delphin für den besten Schauspieler und Beste Kinomatografie), der auf der wahren Geschichte des serbischen Soldaten Srdan Aleksic aufbaut, der bei der Verteidigung eines hilflosen Muslims selbst sein Leben lassen musste. Erzählt wird eine Geschichte über Wut, Rache und Vergebung vor dem Hintergrund des Jugoslawienkrieges und der speziellen Beziehung zwischen Serben, Bosniern und Kroaten. Viel Diskussionsstoff liefert „La pasion de Michelangelo“/„The Passion of Michelangelo“ (Spezial Preis, Silberner Delphin), der sehr reflektiert die verschiedenen Zugänge zu Verehrung, Glaube und der Relevanz einer Vater- und Mutterfiguren beleuchtet. Er erzählt vom Leben eines Jungen, der zur Kultfigur wird, als ihm Marienerscheinungen nachgesagt werden. Der Film zeigt den Akt der Verehrung, die hoffnungsspendende Kraft des Glaubens aber auch die zerstörende Kraft von Wut und den schmalen Grat zwischen Wunder, Geldmacherei und Glauben.

Heiteres war selten zu sehen, aber wenn, dann filmisch schön umgesetzt und mit einem hohen Unterhaltungswert, wie „Brasserie Romantique“ (Gewinner des Publikumspreises) oder „Tango Libre“, dessen Protagonist Francois Damien allein durch seine Präsenz und jede einzelne Bewegung und Geste zum Schmunzeln anregte.

Der Preis der SIGNIS-Jury ging an „The Broken Circle Breakdown“ des belgischen Jung-Regisseurs Felix van Groeningen mit folgender Begründung:
Der Film erzählt die Geschichte eines unkonventionellen Paares, das in Belgien von Country Music lebt und plötzlich lernen muss mit einem großen Verlust umzugehen. Ihre leidenschaftliche Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt, als ihre unterschiedlichen Blicke auf den Glauben und seine unterschiedlichen Manifestationen sie voneinander wegtreiben. Ständig von der Musik begleitet, versuchen sie über Symbole und Rituale wieder zurück in den Alltag zu finden. Der Film zeichnet in ungemein berührender Filmsprache den Kreislauf von Leben und Tod nach unter fordert von uns diesen zu akzeptieren. Neben dem SIGNIS-Preis wurde der Film an diesem Abend weitere 2 Mal ausgezeichnet. Einerseits für „Best Picture“ und andererseits vom internationalen Verband der Filmjournalisten, der FIRPRESCI Jury.

Eine lobende Erwähnung sprach die SIGNIS-Jury dem Film „Baby Blues“ aus. Die Regisseurin Kasia Roslaniec erzählt in einer bis zur Nervosität gesteigerten Dynamik die Geschichte der 17-jährigen Natalie, die zwischen ihrem Mutter-Sein und dem eines hippen Lebens in einer glamourösen Welt hin- und hergerissen ist. Ihre kindliche Sorglosigkeit, der Egoismus der Generation und das Fehlen eines politischen, religiösen oder kulturellen Bezugssystems führen zu einer Tragödie. Die Regisseurin lässt trotz düsterer Prognosen einen Raum der Reflexion offen, der es uns erlaubt am Ende mehr als den Tod zu sehen und sich kritisch mit dem Phänomen des Konsumwahns auseinanderzusetzen.

>> Eine ausführliche Filmkritik zu „The Broken Circle Breakdown“ und mehr zu aktuellen Filmen in österreichischen Kinos finden Sie unter...

 

FOTO: 
SIGNIS-Jury: Daniel Joȃo De Brito Nascimento (Portugal), Inês Gil (Portugal), Natalie Resch (Österreich), Magali Van Reeth (Frankreich) and Davide Zordan (Italien)