Foxcatcher

Steve Carells Oscar-nominierte Darstellung eines exzentrischen Ringer-Mäzens.

Regie: Bennet Miller
USA, 2014
AT-Start: 05.02.2015

Ein geheimnisvoller Millionär (Steve Carell) kontaktiert einen mittellosen Ringkampf-Olympiasieger (Channing Tatum)  um ihm sein Training zu finanzieren. In der Kurzzusammenfassung klingt der Stoff von „Foxcatcher“ kaum nach einem Film, dem man gesehen haben sollte. Doch was sich auf Basis dieser Ausgangssituation entwickelt ist, eine vielschichtige Geschichte über die Sehnsucht nach Anerkennung, die ihren Darstellern viele Möglichkeiten bietet, ihr Talent unter Beweis zu stellen.

Zum einen ist da die Geschichte zweier Brüder – beide Ringer, beide Olympiasieger – die zwischen ihrem harten Sport und dem Hochhalten familiärer Werte immer wieder einen Zugang zueinander finden müssen. Neben der überraschenden Leistung von Channing Tatum brilliert hier vor allem Mark Ruffalo als großer Bruder, Familienvater und Ruhepol zwischen zwei rastlosen und verunsicherten Männern. Getragen wird der Spannungsbogen aber vor allem von Steve Carell, der die reale Figur des großzügigen Förderers John Du Pont mit bravourösem Minimalismus zum Leinwandleben erweckt. In langen, fast regungslosen Szenen wird er dem Publikum immer suspekter und lässt die Geschichte so, ganz ohne offensichtliche Hinweise, auf ihre logische Eskalation zulaufen.

Der Verweis auf eine wahre Begebenheit verleiht dem Erzählten zusätzliche Brisanz, aber auch für sich allein ist Bennet Millers Film ein Genuss für Filminteressierte, die gern am Minenspiel der Darsteller die nahe Zukunft abzulesen versuchen. 

Harald Koberg