The Zero Theorem

Terry Gilliam präsentiert eine weitere Dystopie voll dunklem Humor und Kapitalismus-Kritik.

Regie: Terry Gilliam
Cast: Christoph Waltz, David Thewlis, Mélanie Thierry
UK/RO, 2014
AT-Start: 05.12.2014

Nackt wird man in diese Welt geboren und nackt verlässt man sie wieder. Nackt sitzt er da in seinem Heim, einer abgebrannten Kirche, an seinem Computer und wartet auf den einen Anruf. Qohen Leths (Christoph Waltz) einziger Lebensinhalt ist es seine Arbeit zu erledigen. Und wenn er dafür auch noch eine Deadline bekommt, huscht von Zeit zu Zeit sogar ein Lächeln über sein sonst gequältes Gesicht. Insgesamt ist er mit seiner Welt aber mehr als unzufrieden. Die Helligkeit der Londoner Straßen macht ihm zu schaffen, die Aufdringlichkeit der Leute und das Leben selbst. Er würde am liebsten zu Hause seiner Arbeit nachgehen, das sollte doch kein Problem sein, immerhin sitzt er doch sowieso den ganzen Tag vor dem Computer. Erst als der Firmenchef (Matt Damon), der nicht nur seine Firma, sondern das ganze Land zu kontrollieren scheint, ihn für ein ganz besonderes Projekt auserkort wendet sich scheinbar das Blatt, für den pedantischen Qohen (Q-kein U, H, E, N). Doch dieses Projekt, von dem ihm nur die hübsche Bainsley (Mélanie Thierry) ein paar Stunden abringen kann, scheint ihn zu Letzt komplett zu zerstören.

Wer schon immer versucht hat, sich eine Dystopie vorzustellen, so oder so ähnlich wird sie wohl aussehen. Ein Mix aus Willy Wonkas Fabrik, George Orwells „1984“ und „Matrix“, gemischt mit einer guten Prise Big Brother und Second Life aus „The Gamer“. Wir werden überflutet von scheinbar auf uns zurechtgeschnittener Werbung, die Arbeit gleicht mehr einem Computerspiel als einem Prozess und natürlich wird jeder Blickwinkel unseres Lebens mit Kameras überwacht (besonders skurril: die Kamera anstatt des Kopfes des gekreuzigten Jesus in der Kirche). Terry Gilliam führt den Zuschauer in eine Welt, die getrost als Geisterbahn bezeichnet werden kann, bei der zudem die Kamera wie die Protagonisten nie stillsteht. Die Story ist in sich kritisch, plakativ und unberechenbar zugleich. Ein Film der Spaß macht, bei dem man aber zugleich auch froh ist, wenn man den Kinosaal in unsere „normale“ Welt verlassen darf.

Markus Holzmannhofer