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Kirche Graz-St. Leonhard - Löschberger

Was ist Liturgie? Was ist Gottesdienst?

Das Wort „Liturgie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „öffentliches Werk“, „Dienst des Volkes“, „Dienst für das Volk“. Die christliche Überlieferung versteht darunter, dass das Volk Gottes teilnimmt am „Werk Gottes“(Epheser 3,4).

 

Das Wort „Gottesdienst“ hat einen zweifachen Sinn. Es bedeutet zuerst: Gott dient uns Menschen. Und dann: Wir dienen Gott.

Gott wendet sich uns zu

Wenn wir als Christinnen und Christen zusammenkommen, um miteinander zu feiern, vertrauen wir darauf, dass Gott sich uns zuwendet. Gott hat in Jesus Christus mit uns eine unzerstörbare Gemeinschaft geschlossen, einen bleibenden Bund. Nach dem Zeugnis der Bibel hat Jesus Christus seinen Jüngerinnen und Jüngern zugesagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Matthäus 28,16-20). Wir können auch sagen: Gottesdienst ist ein Dialog, den Gott beginnt, indem er sich uns durch Christus zuwendet – in der Gemeinschaft der Feiernden, im Hören auf sein Wort, im Sakrament.

Das Zweite. Vatikanische Konzil erklärt (Liturgiekonstitution Nr. 7):
"Christus [ist] in seiner Kirche immerdar gegenwärtig, besonders in den liturgischen Handlungen. Gegenwärtig ist er im Opfer der Messe sowohl in der Person dessen, der den priesterlichen Dienst vollzieht [...], wie vor allem unter den eucharistischen Gestalten. Gegenwärtig ist er mit seiner Kraft in den Sakramenten, so dass wenn immer einer tauft, Christus selber tauft. Gegenwärtig ist er in seinem Wort, da er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden. Gegenwärtig ist er schließlich, wenn die Kirche betet und singt, er der versprochen hat: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen'(Matthäus 18,20).“

Die Liturgie ist davon geprägt, dass wir das heilende Wirken Jesu in unserer Mitte feiern und dass wir uns mit ihm Gott Vater im Heiligen Geist zuwenden (vgl. die Gebetsformel: „…darum bitten wir durch Christus unseren Herrn“ oder: „Durch ihn, mit ihm und in ihm ist dir, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre, jetzt und in Ewigkeit“).

Wir wenden uns Gott zu

Die Zuwendung Gottes ruft nach unserer Antwort. Mit Gebeten, Liedern, Gesängen, Bildern, Zeichenhandlungen und vielen anderen Formen antworten wir auf den Ruf Gottes. Unsere Freude, unser Leid, unser Fragen, unser Wünschen, unser Bitten und unser Hoffen, ja unser ganzes Leben dürfen wir Gott anvertrauen.

Lob und Dank sind die Antwort auf die Erfahrung: Gott ist gut zu uns. Er kann auch das Böse zum Guten wenden. Die heilige Messe wird deshalb seit den ersten christlichen Jahrhunderten „Eucharistie“ (griech. eucharistía = Danksagung) genannt. Zum Kern aller Sakramente-Feiern gehört ein Dankgebet, z. B. über Wasser, Brot und Wein, Öl, über das Ehepaar, den Weihekandidaten usw.

Liturgie und Andachten

Liturgie ist der offizielle Gottesdienst der Kirche. Sie ist daher von Gottesdiensten der Privatfrömmigkeit und Volksfrömmigkeit zu unterscheiden, aber nicht zu trennen. Liturgie hat den Anspruch, für alle Gläubigen Gültigkeit zu haben. Eine Andacht bringt vor allem persönliche Überzeugungen und Feierformen des Volkes zum Ausdruck, die aber in einer gewissen Nähe zur Liturgie stehen können.
Zur Liturgie der Kirche gehört ein von der Kirche berufene/r Leiter/Leiterin (Bischof/Priester/Diakon/beauftragter Laie). Eine Andacht kann von jedem Glaubenden geleitet werden.
Die Grenzen zwischen Liturgie als offiziellem Gottesdienst der ganzen Kirche und den verschiedenen Gottesdienstformen sind fließend, vor allem deshalb, weil die Verkündigung des Wortes Gottes auch in den meisten Andachtsformen eine große Rolle spielt.

Die Andachten

Die offizielle Liturgie war ab dem frühen Mittelalter wegen ihrer fremden Sprache (Latein) und ihren bisweilen komplizierten Riten für viele Gläubige schwer mit zu vollziehen. Daher wurden Gebetsformen entwickelt, die den Gläubigen die Möglichkeit gaben, auch in ihrer Frömmigkeit den Glauben zu feiern. So entstanden zur Messe die Messandacht und zum Stundengebet der Rosenkranz. Außerdem lebten viele Gläubige in den Prozessionen und Wallfahrten ihren Glauben und verehrten in verschiedenen Andachten die Gottesmutter und andere Heilige.

Seit der Liturgiereform, die das Zweite Vatikanische Konzil angeregt hat, kann auch das Volk die offizielle Liturgie wieder mit Verständnis aktiv mitfeiern. Die Andachten wurden unbedeutender, die heilige Messe wurde fast zur einzigen Gottesdienstform. Heute entdecken viele in der  Kirche wieder den Wert der Andachten. Der Übergang zwischen Wortgottesdiensten und Andachten ist fließend.

Die Bedeutung der Andachten heute

  • Das Gebet außerhalb der Pfarrkirche, bei Bildstöcken und Kapellen, in privaten Häusern macht den Glauben in den verschiedenen Lebensräumen erlebbar. Das wird bei gleichzeitig wachsenden Pfarrverbänden immer wichtiger.
  • Andachten sind oft kleine Feste für Dörfer bzw. Siedlungen, weil z. B. nach einer Maiandacht auch miteinander gegessen und getrunken wird.
  • Andachten werden von Laien vorbereitet und verantwortet.
  • Bei der Gestaltung von Andachten sind freiere Formen und Experimente möglich, weil sie offiziell keinen liturgischen Regeln unterliegen. So kann eine Vielfalt gottesdienstlicher Formen gepflegt werden.

Beispiele für Andachten

Herbergssuche, Kinderkrippenandacht, die Feier des Heiligen Abends in der Familie, Kreuzwegandacht, Ölbergandacht, Andachten vor dem Grab Christi, Wetterbeten, Bitttage, Maiandachten, Rosenkranzandachten, Andachten zur Verehrung von Heiligen, Totenwachen , Andachten bei Wallfahrten usw.

Erwin Löschberger


Singen - Beten - Feiern

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