Predigt während der 1. Steirischen Jägerwallfahrt in Seckau

1. Die Erzählung vom Beginn der Heiligen Schrift aus dem ersten Buch Mose ist wirklich urtümlich. Bei allem, was hier an Deutung notwendig wäre, um die Botschaft recht einordnen zu können, ist eines klar: Die Benennung der Tierwelt drückt die innige Beziehung des Menschen zu seiner Mitwelt aus. Sie als Jägerinnen und Jäger, so behaupte ich jedenfalls, leben ihre Berufung darin, den Menschen in seiner Welt recht zu sehen, nennen sie sich doch "Heger und Pfleger". Im Nennen des Namens kommt ja zum Ausdruck, dass um den, dessen Namen genannt wird, gewusst wird, diese Person geliebt und geschätzt wird.

2. Ich möchte Sie am heutigen Wallfahrtstag hierher zur "Wiege" unserer steirischen Diözese, die bekanntlich heuer den 800. Geburtstag feiert, ermuntern, dieser Ihrer Berufung mehr und mehr zu entsprechen: dass der Mensch meint, Herr über alles zu sein, wird uns ohnedies immer wieder aufgezeigt. Klimawandel und andere globale Fragestellungen machen es nur zu deutlich, wohin es führt, wenn sich der Mensch als das Nonplusultra der Welt geriert. Wenn wir die Botschaft der Bibel wirklich im großen Zusammenhang verstehen wollen und nicht bloß als Ansammlung unzusammenhängender Geschichten und Erzählungen, dann gilt, dass eben der Mensch in diese Welt hineingestellt ist, um sie nach dem Plan und Willen Gottes zu gestalten, der alles in ihr, ja das ganze Universum geschaffen hat. - Ich habe es zwar noch nie geschafft, einen Jäger des frühen Morgens zu begleiten, weiß aber aus Erzählungen darum, dass etwa das Erwachen der Natur ein unglaubliches Erlebnis ist, dass wohl auch viele von Ihnen schon des öfteren zum Staunen gebracht hat. Vielleicht ist dem einen oder der anderen dann in dieser Situation auch schon einmal ein Dank dem Schöpfer gegenüber gleichsam "entkommen".

3. Ich möchte Sie heute aber auch dazu einladen, Ihre Suche nach Gott fortzusetzen. Niemand ist da am Ende. Gerade auch Ereignisse in der Welt lassen uns wohl das eine oder andere Mal fragen, inwieweit es einen Gott geben kann, wo denn das eine oder andere Mal der geblieben sei, von dem wir sagen, Er sei die Liebe (vgl. 1Joh 4,16) usw. - Ich kann und darf Ihnen versichern: wir als Katholiken dieses Landes sind gemeinsam mit Ihnen unterwegs. Wir wollen auch Ihnen Begleiter sein in Ihrem Fragen und Suchen, auch weil ich selbst noch nicht am Ende meines Weges angekommen bin. Auch wir haben eigentlich oft keine fertigen Antworten, wir aber gehen aus dem glaubenden Vertrauen an alles heran, dass eben "das letzte Wort über uns" - egal in welcher Situation wir uns auch immer befinden mögen - "noch nicht gesprochen ist". Aus diesem Glauben versuchen wir die Welt zu gestalten und laden ein, dies uns ähnlich zu tun. Wenn Sie also angesichts der Natur, in der Sie sich oft und oft aufhalten, wie von selbst in Situationen des Staunens und Dankens auf den Weg zu Gott machen: "Bleiben Sie dran! - Lassen Sie nicht locker!" 

4. Schließlich: so wie Sie einen aufmerksamen Blick auf die Schöpfung und die Tierwelt in ihr haben, bitte ich Sie, nicht müde zu werden, aufmerksam mit denen umzugehen, mit denen sie als Menschen in dieser Welt unterwegs sind. Da hat sich in letzter Zeit manches verändert, das mir persönlich so manche Sorgen bereitet. Die Art und die Weise gemeinsamen Lebens ist mitunter - laut oder auch versteckt - gezeichnet von Misstönen - im Kleinen wie im Großen der Welt und der Politik. Da weden andere heruntergemacht, Gräben errichtet oder Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe oder auch Religion entwürdigt. Ich merke: Uns Christen ist hier in einer solchen Situation viel aufgegeben, denn wir sind dazu heraus- und aufgefordert, nicht müde zu werden, die Einheit der Menschen untereinander und damit auch die Einheit mit Gott mitten in dieser Welt zu bezeugen (vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen gentium 1). Ob mit erleichtertem Zugang zu Waffen, scharfen Grenzziehungen und ähnlichen Maßnahmen gesetzlicher Art und Weise dem persönlichen Sicherheitsbedürfnis zu entsprechen allein schon einem solchen Klima des Miteinanders und einem Mentalitätswandel unter den Menschen gedienst ist, darf wenigstens angefragt werden. 
Gehen Sie in dieser Achtsamkeit mit ihren Nächsten um, gehen Sie auf Ihre Nächsten zu, denn sie sind Ihnen an die Seite gestellt. Gebieten Sie Einhalt Worten und auch Taten, die andere geringschätzen - denn wir sind Bild und Gleichnis Gottes, des Schöpfers.

5. So möchte ich Ihnen am heutigen Tag für Ihr Tun für unser Land aufrichtig danken und hoffen, dass Sie nichts anderes im Sinn haben als das Miteinander der Menschen in dieser unserer schönen Welt vor Ort zu stärken.


Die Schriftlesungen, die bei der Wallfahrt verkündet wurden:
1. Lesung: Gen 2,18–20a;
2. Lesung: Röm 8,18–30;
Evangelium: Lk 12,22–34   



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