Predigt beim Gottesdienst anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Legion Mariens am Mittwoch, 16. November 2011 in der Pfarrkirche Graz-Münzgraben

In großer Dankbarkeit feiern wir heute das 90-jährige Bestehen der Legion Mariens und denken dabei besonders auch an den verstorbenen Gründer Frank Duff, der diese Laienapostolatsbewegung am 7. September 1921 in Irland ins Leben gerufen gerufen hat. Von Irland aus hat sich die Legion Mariens in fast allen Ländern der Erde verbreitet und zählt heute rund drei Millionen Frauen und Männer als aktive Mitglieder. Auch in der Steiermark hat die Legion Mariens einen fruchtbaren Boden gefunden. In den frühen 50er Jahren wurde sie hier in der Münzgrabenpfarre in Graz gegründet. Seit 2001 ist der jetzige Pfarrer Pater Max Svoboda OP der geistliche Leiter und ich danke ihm in der Mitte der hier Versammelten für seinen unermüdlichen Einsatz.

 

In unserer Mitte ist auch Frau Mag. Irmtraud Auner. Wie unsere steirisches Kirchenzeitung „Sonntagsblatt“ Anfang September berichtet hat, erhielt sie im Jahr 2004 rund 30.000 hinterlassene Briefe des Gründers Frank Duff mit dem Wunsch, sie abzuschreiben. Frank Duff hatte diese Briefe meist in der Nacht verfasst und war damit mit den Legionären Christi auf der ganzen Welt verbunden. Für seinen Seligsprechungsprozess sollten diese Briefe des 1980 Verstorbenen verfügbar gemacht werden. Ich danke Frau Mag. Irmgard Auner herzlich für ihr herausragendes Engagement in der Legio Mariae.

 

Sie, liebe Mitglieder der Legion Mariens, könnten viel über diese Laienapostolatsbewegung erzählen. Einiges möchte ich dennoch kurz erwähnen. Bei Ihren Treffen sind Ihnen vor allem das Gebet zum Heiligen Geist, der Rosenkranz und die geistliche Lesung wichtig. Sie engagieren sich in der Pfarrseelsorge, zum Beispiel durch Besuchsdienste bei alten und kranken Menschen, aber auch durch Dienste in der Zuwendung zu Kindern und Jugendlichen. Über all dem stand für Frank Duff und steht auch heute noch der Auftrag, Gottes Liebe den Menschen bekannt zu machen und ihnen Christus zu zeigen, dies immer wieder im Blick auf Maria, die Christus geboren und die unvergänglichen Worte gesagt hat: „Was er euch sagt, das tut!“ Es sind Worte, denen sich die Legio Mariae besonders verpflichtet weiß.

 

Die Lesungstexte dieser abendlichen Eucharistiefeier gehören wohl zum Schönsten und Eindrucksvollsten, was über Maria im Neuen Testament gesagt wird. Die Lesung aus der Apostelgeschichte berichtet davon, dass die Apostel nach der Himmelfahrt Jesu vom Ölberg nach Jerusalem zurückgehrt waren und zusammen mit Maria im Abendmahlssaal einmütig im Gebet verharrt und auf das pfingstliche Kommen des Heiligen Geistes, des verheißenen Beistandes gewartet haben. Dieses Mit-Sein und Für-Sein der Mutter Christi inmitten der Jerusalemer Urgemeinde bleibt der Kirche auf dem Weg durch ihre Geschichte erhalten. Mit Maria waren die Apostel in Jerusalem versammelt im Gedenken an das Leiden Christi am Ölberg und am Berg von Golgotha und im Gedenken an die Begegnungen mit dem auferstandenen Herrn. Mit Maria verharrten sie nun einmütig im Gebet und erwarteten den Heiligen Geist, der ihnen verheißen war.

 

In der heutigen Lesung erkennen wir auch die Sonderstellung Marias in der Urgemeinde, weil sie ausdrücklich neben den Aposteln namentlich genannt ist. Sie war es ja, die sich wie niemand sonst ganz in den Dienst Gottes für die Welt gestellt hat. Sie war es, die der ganzen Menschheit das Größte geschenkt hat, was sie selbst empfangen hatte: ihren Sohn, Gottes Sohn. Damit trug sie Mitverantwortung für das Heilshandeln Gottes in der Welt und wurde für die Kirche zum Urbild und Vorbild allen kirchlichen Tuns.

 

Das heutige Evangelium berichtet über das erste Wunder Jesu bei einer Hochzeit in Kana. Der Hochzeitsgesellschaft war der Wein ausgegangen. In diese Situation hinein hat Maria ihren Sohn um eine wendende Hilfe gebeten und seine Antwort war ein großzügiges, überfließendes Geschenk: das Wasser in sechs großen Krügen wurde in Freudenwein verwandelt. Das Wort Marias „Sie haben keinen Wein mehr“ ist ein Diagnosewort, das bezogen auf kirchliche, aber auch weltliche Gemeinschaften immer wieder gegolten hat und das auch heute auf vieles zutrifft. Wein kann in diesem Zusammenhang als ein Symbol für biologische und spirituelle Lebenskraft verstanden werden. Trotz vieler Abbrüche und Umbrüche in Gesellschaft und Kirche wird uns Christen dieser Wein nie ausgehen, wenn wir das zweite Wort Marias in Kana annehmen und beherzigen. Es lautet:: „Was er euch sagt, das tut!“ Im Blick auf Christus gewinnen und erneuern wir die Kraft, um mit Maria am Heilshandeln Gottes für die Welt Verantwortung zu übernehmen. Dann bleibt es nicht nur bei einem bloßen „auf Christus schauen“, sondern dieses Schauen führt zu einem missionarisch ausstrahlenden Christsein, indem wir Christus auch anderen menschen und ihren Gemeinschaften zeigen.

 

Liebe Frauen und Männer aus der Legion Mariens!

Diese Mitverantwortung für das Heil der Menschheit ist besonders auch Ihr Anliegen und bewegt Sie in Ihrem geduldigen und unermüdlichen Apostolat. Sie stehen in dieser Verantwortung gemeinsam mit Maria, die allen Christen zur Fürsprecherin gegeben ist. Ihrer Fürsprache empfehle ich Sie und die Legion Mariens und wünsche Ihnen den Heiligen Geist als langen Atem für Ihren weiteren Einsatz für Kirche und Gesellschaft. Und ich danke Ihnen allen im Namen unserer Diözese und im eigene Namen herzlich für Ihr Apostolat.