© Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

Der Bischofhof am Bischofplatz in Graz - Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

Der Bischofhof in Graz

1218 wurde die Diözese gegründet, die erste Kathedrale befand sich im obersteirischen Stift Seckau, bis 1786 die damalige Grazer Ordenskirche zum hl. Ägidius in den Rang einer Dom- bzw. Kathedralkirche erhoben wurde.

Schon im Laufe des Mittelalters verlegten die steirischen Bischöfe ihren Wohnsitz von Seckau in das (namensgleiche) Schloss Seggau bei Leibnitz. Seit 1254 hatte der Bischof zudem auch ein Stadthaus in Graz, das seither durchgehend als Bischofhof genutzt wird. 750 Jahre Geschichte haben ihre Spuren an diesem Palais hinterlassen. Es repräsentiert so die ganze Vielfalt der Katholischen Kirche in der Steiermark: Spirituelles Zentrum und Verwaltungsmittelpunkt,
alte und neue Kunst, Tradition und Moderne.

Der Freskenraum

1944 wurde der Bischofhof bei einem Bombentreffer schwer beschädigt. Dadurch traten Fresken zu Tage, die zwischen 1274 und 1286 entstanden und die frühesten erhaltenen Wandmalereien in Graz sind. Stilistisch sind die Szenen dem Zackenstil zuzuordnen.

Die fragmentarisch erhaltenen Bilder lassen Gastmahlszenen erkennen, die auf die erste Funktion des Raumes als Speiseraum hinweisen. Als Besonderheit ist auf dem Bogen der Nordwand das Seckauer Bistumswappen (siehe Abbildung) zwischen zwei Samson-Darstellungen gemalt. 1454 wurde der Raum zu einer Kapelle umgebaut, wobei die Gemälde stark reduziert wurden. Weitere Renovierungsarbeiten lassen sich anhand eines klassizistischen Weihekreuzes für 1781 belegen.

Bis zur jüngsten Restaurierung 2003 blieben die Fresken hinter einer Wandverkleidung verborgen und geschützt. Nunmehr sind die Wandmalereien zwar sichtbar, jedoch nur eingeschränkt zu besichtigen, um das kostbare Erbe zukünftigen Generationen erhalten zu können.

Die Hauskapelle

Spiritueller Mittelpunkt des Bischofhofes ist die 2002 neu gestaltete Hauskapelle. Die Altarwand ist dominiert von einem barocken Christuscorpus. Die Spuren der Verwitterung kontrastieren mit dem vergoldeten Hintergrund - zugleich werden hier das Sterben und die Auferstehung Christi verkündet. Gefertigt wurde die Goldwand von Schülern der Berufsschule für Vergolder in Graz. Der Tabernakel mit zwölf liegenden Ähren wurde von Erwin Huber entworfen. Altar und Kapellenausstattung stammen von Architektin Ingrid Mayr.

Grenze und Verbindung zugleich ist die Glastüre von Susanne Sehn-Baumhakel: Die in das Glas gezeichnete Gestalt des Wächterengels erlaubt von außen einen ahnungsvollen Blick auf Christus.



Besichtigung

Besuchsmöglichkeiten des Freskenraumes von April bis Oktober jeden 1. Dienstag im Monat
ausschließlich nach Voranmeldung im Diözesanmuseum Graz, Bürgergasse 2, Telefon: 0 316 / 8041 - 890



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