© Foto: Kulturzentrum bei den Minoriten

Renate Krammer: 24 x Japanisches Langfaserpapier gerissen_Marker_Objektrahmen_64 x 64 cm - Foto: Kulturzentrum bei den Minoriten

Verlangsamung in schnelllebiger Zeit

Stille, Einkehr und Besinnung werden durch die Ausstellung der Künstlerin Renate Krammer im Kulturzentrum der Minoriten ab 6. Dezember erfahrbar.

Ein „abstraktes Innenleben“ zu zeichnen, war der Ausgangspunkt für diese künstlerische Lebensentscheidung. Langweilig, sagt sie, wird ihr seither nie. In dieser extremen formalen Reduktion ist die Anmutung sinnlich nachvollziehbar, sich ganz auf das Wesentliche zu beschränken. Eine reduzierte, konzentrierte Wahrnehmung zu lernen ist das Rezeptionsverhalten, das diesen Bildern geschuldet wird: Insofern ist diese längst fällige „Retrospektive“ Krammers auch ein öffentlicher Beitrag zur Verlangsamung in einer schnelllebigen Zeit – gerade im geschäftlichen Treiben um die Weihnachtszeit, die trotz des Lärms noch immer mit Klischees – oder Sehnsuchtsbegriffen? – wie Stille, Einkehr und Besinnung überstülpt wird.

Bilder können nicht nur gesehen werden

Begonnen hat Renate Krammer auf einem Seminar vor rund 20 Jahren mit dem Abzeichnen von Holzstapeln: Nicht nur die Methode der Serialität war damit bei ihr geboren, sondern auch die Entscheidung, mit dem „immer Gleichen“ Künstlerin zu werden, und zu bleiben. Renate Krammer schuf in ihrem Atelier in Kumberg in den letzten zwei Jahrzehnten ein ganz außerordentliches Oeuvre, das in dieser Einzelausstellung im KULTUM nun auch endlich einmal auch sehr umfassend und in dieser Breite erstmals gezeigt wird, wenngleich die gezeigten Werke in Wirklichkeit nur ein ganz kleiner Ausschnitt sind. Man kann Bilder nicht nur sehen, Zwischenräume wahrnehmen und Vibrationen erspüren, man kann die „gestrichten“ Wände auch sinnlich betreten. Für die Künstlerin ist „Raum“ ein vibrierendes Möglichkeitsfeld, eine kulturelle Größe. Raum ist ein Gewebe von Beziehungen von Dingen und Menschen in der sie umgebenden Architektur. Wie und wo verdichtet sich dabei die Kommunikation? Wo kann man dabei Anteil nehmen, wo an diesen Verdichtungen und Verwebungen weiterarbeiten?

Renate Krammers Linien rücken Urelemente der Gestaltung ins Zentrum. Sie werden in unzähligen Variationen der Formen und Beziehungen zueinander in Spannung versetzt. Vibrationsräume entstehen. Eine Struktur wird sichtbar – als Partitur, als Schrift, als Schwingungsraum. Die Lebendigkeit von Krammers „Strichen“ lassen die Intimität ihrer Entstehung erahnen.

Auch wenn man Renate Krammers Stricharbeiten scheinbar schnell wiedererkennt, sollte man sich die Zeit nehmen, die je individuellen Bilder lange zu betrachten – und man wird große Unterschiede feststellen, wie sie entstanden sind. Es ist, „als würden sie sich mit der Dauer des Betrachtens zu verändern beginnen“ (Erwin Fiala) - Ausstellungseröffnung am 6. Dezember 2017.

Auszug aus "Die Poesie der Linie", Kurator Johannes Rauchenberger

Termine zur Ausstellung

Ausstellungsdauer:
6. Dezember 2017  bis 6. Jänner 2018
Öffnungszeiten:
Di - Sa 11-17 Uhr
26.12. 2017: geschlossen

Weitere Termine:
Führung durch die Ausstellung mit Kurator Johannes Rauchenberger und Renate Krammer:
Sa, 30. Dezember 11.15 Uhr
Künstleringespräch mit Renate Krammer und Finissage:
6. Jan 2018, 11.15 Uhr



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