© Foto: Archiv Sonntagsblatt

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"Unruhig ist unser Herz"

Gedenktag des Hl. Augustinus am 28. August.

„Auf dich hin hast du uns erschaffen und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.“ (confessiones 1)

Wer war Augustinus?

Vieles erfährt man von Augustinus aus seiner Autobiografie, den Bekenntnissen „Confessiones“. Darin schildert er seinen persönlichen Weg, durch Fragen, Suchen und Zweifel hindurch zum Glauben. Sein theologisches Denken ist bis heute maßgeblich in der katholischen Kirche, auch wenn einige Aspekte seines Denkens aus heutiger Perspektive kritisch beurteilt werden.

Das Leben eines Nordafrikaners

Im Jahr 354 wurde Augustinus als Sohn des heidnischen Landbesitzers Patricius und der Christin Monica in der nordafrikanischen Stadt Thagaste geboren. Dort besuchte er die Schule und studierte in der Nachbarstadt Madauros Rhetorik, die antike Redekunst. Augustinus spricht selbst von einem ausschweifenden Lebensstil, den er in seiner Ausbildungszeit führte. In dieser Zeit lernte er auch seine langjährige Lebensgefährtin kennen, deren Namen unbekannt blieb und die er nie heiratete. Sie hatten ein gemeinsames Kind, einen Sohn mit Namen Adeodatus (Der von Gott Gegebene).

Augustinus wurde Mitglied der persischen christlichen Sekte der Manichäer. Diese unterschied zwischen zwei Lebensprinzipien, dem des Lichts und dem der Finsternis. 384 ging Augustinus als Rhetoriklehrer nach Mailand. Inspiriert von einer philosophischen Strömung, die Zweifeln zur Methode machte, begann er den Manichäismus immer mehr zu hinterfragen. Monica, seine Mutter, reiste dem suchenden und zweifelnden Augustinus nach. Augustinus beginnt sich zunehmend für die Philosophie der sogenannten Neuplatoniker und die Briefe des Apostel Paulus zu interessieren. Er entscheidet sich nach einem Bekehrungserlebnis in einem Garten, Beruf und Ehepläne aufzugeben und sich taufen zu lassen. Gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Freunden zog er aufs Land und vertiefte sich in das Verfassen von Schriften.

Getauft wurde er 387 in der Osternacht gemeinsam mit seinem Sohn vom hl. Ambrosius, dem damaligen Bischof von Mailand. Auf der Reise zurück nach Nordafrika starb seine Mutter, die hl. Monica, in Ostia. In Nordafrika angekommen, begaben sich Augustinus und seine Begleiter auf den Familiensitz in Thagaste, um ein Leben in Gebet und Abgeschiedenheit zu führen. 391 verließen sie diesen, um in Hippo ein Kloster zu gründen. Bald schon stellte sich Augustinus in den priesterlichen Dienst, wurde Weihbischof und 396 Bischof von Hippo. In dieser öffentlichen Position begann eine intensive Auseinandersetzung mit konkurrierenden christlichen Lehren und eine dichte Schaffensperiode.

Er schrieb die „Confessiones“, eines seiner Hauptwerke „De trinitate“ (Über die Dreieinigkeit) und als Reaktion auf den Fall Roms 410 durch die Westgoten, „De civitate dei“ (Vom Gottesstaat). 430 starb Augustinus während der Belagerung der Stadt Hippo durch die Vandalen.

Denker, Musiker, Lehrer

Augustinus hat mit seinem umfangreichen Schriften und seiner Auseinandersetzung mit vielen christlichen Strömungen viel zur Theologie aber auch zur Philosophie bis ins Mittelalter hinein beigetragen. Sein Zweifeln und sein Suchen hatten immer die ewige Wahrheit zum Ziel, die er letztlich in Gott fand. Dabei war ihm der Zweifel wichtig: „Si enim fallor, sum“ (Wenn ich –auch- irre, ich bin). In der Theologie machte sich Augustinus besonders über die Dreifaltigkeit Gottes Gedanken. Diese sei „Relationen“ (Beziehungen) innerhalb eines Wesens.

Seine Lehre von der Vorherbestimmung, Prädestinationslehre genannt, beschreibt die Geschichte der Welt als vorherbestimmt. Am Ende der Zeiten – so Augustinus – wird die Gerechtigkeit wieder hergestellt sein.

Augustinus ist es auch zu danken, dass sich die Kindertaufe allgemein durchsetzte. Nach seiner Theologie überträgt sich die Ursünde Adams durch Fortpflanzung auf alle Menschen. Im Gegensatz zu seinem theologischen Gegner Pelagius betont Augustinus, dass niemand – auch kein Säugling - ohne die Gnade Gottes gut sein und gerettet werden kann. Erst die Taufe vermittelt die Gnade Gottes.

Was nicht so bekannt ist vom  großen Kirchenlehrer, ist, dass er sich auch mit Musik beschäftigte. In seinem Werk „De musica“ setzt er sich mit dem Rhythmus auseinander. Interessant ist auch seine Auffassung von der Zeit. Entgegen der Idee von Platon, Zeit existiere nur wenn sich etwas bewege, hält er daran fest, dass sich die Zeit auch im Stillstand messen lasse, weil Gott auch sie - wie alles - geschaffen hat. Die Wahrnehmung der Zeit ist allerdings auf den vergänglichen Moment beschränkt. Er ist zugleich „gegenwärtig“ als Erwartung der Zukunft und als Erinnerung an die Vergangenheit.

Einfluss auf spätere Denker

Seine Gedanken prägten das gesamte Mittelalter. Er prägte Generationen von Denkern. Einen starken Einfluss hatte seine Theologie auch auf die Reformatoren: Gnadentheologie, Prädestination, Zwei-Reiche-Lehre usw.  In der Ostkirche genießt Augustinus weniger Wertschätzung als im Westen. Er wird als „Seliger Augustinus“ am 15. Juni verehrt. In der katholischen Kirche wird er als Kirchenvater liturgisch am 28. August geehrt.

Martin Gsellmann



Augustinum in Graz

In der Steiermark ist Augustinus "berühmt" als Patron des "Augustinum – Bischöfliches Zentrum für Bildung und Berufung" in Graz. Das ursprüngliche Institut geht auf eine Stiftung zurück, um „arme Studenten aus Obersteiermark“ zu fördern. Seit 1830 hat sich das ursprüngliche Seminar immer wieder gewandelt, bis heute ist das Haus vom christlichen Glauben der darin Wirkenden und der katholischen Tradition der Diözese Graz-Seckau geprägt.