Predigt während der 85. Bundesinnungstagung der Hafner, Platten- und Fliesenleger und Keramiker

1. Ich kenne mich zwar in Ihrer Zunft  nicht näher aus. Ich bin ber dankbar für Ihr Handwerk. Ich glaube, dass wohl die meisten in unserem Land diese Dankbarkeit teilen, wenn Sie ein Badezimmer betreten, einen Kachelofen ihr eigen nennen oder auf gepflasterten Plätzen sich ausruhen, um einige Beispiele Ihrer Werke zu benennen, die Sie auf Ihrer  85. Bundestagung hier auf Schloss Seggau reflektieren. Ich hoffe, Sie fühlen sich wohl bei uns und erfahren damit etwas von dem, wozu Sie tagaus, tagein mit Ihrer bzw. Ihrer Mitarbeitenden Hände Arbeit beitragen - zu einem Leben, in dem Menschen sich wohl fühlen, leisten Sie einen wertvollen Beitrag. - In dieser festlichen Messfeier möchte ich Sie daher mit meinen Gedanken, genährt aus dem eben gehörten Wort Gottes der Heiligen Schrift, bitten ein wenig "hinter" Ihr Handwerk zu blicken, mit dem Sie es zu tun haben.
2. Wir haben gehört - im Bild einer Braut ausgedrückt, wie sehr sich der Mensch in seiner Würde dem Herrn, unserem Gott verdankt. Gott "kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt". Um es anders und damit auch allgemeiner zum Ausdruck zu bringen: die Erfahrung, als Mensch in seiner Würde entsprechend geachtet leben zu können, schenkt uns Gott. - Wenn Sie einen wichtigen Beitrag zum Wohlergehen des Menschen leisten, wie ich eingangs gesagt habe, dann ermöglichen Sie Menschen diese Erfahrung: "Ich bin geliebt, ich bin angenommen. Ich bin wer." - Denken Sie daher nicht zu klein von sich! Auch wenn Sie für Ihre Arbeit bezahlt werden: Sie leisten einen wichtigen Anteil dazu, dass der Mensch in seinem Leben sich als jemand erfährt, der er zuinnerst von Gott her ist. Sie setzen sich ein für gelingendes Leben - wenn wir im Glauben davon reden, dass Gott der Herr es ist, der uns ein Leben in Fülle bereithält (vgl. Joh 10,10), findet Ihre Tätigkeit im Evangelium gleichsam einen Deutungspunkt. Sie erleichtern mit vielem das Dasein der Menschen und ihrer Wohnmöglichkeiten und sind daher auch Bild und Gleichnis eines Gottes, der uns das Leben ermöglicht und es bewahrt bis in Ewigkeit. Sie tragen dazu bei, dass sich der Mensch - etwa durch Wärme - wohlfühlt und damit Geborgenheit erfährt. Von Gott sprechen wir auch als einem, der uns Geborgenheit schenkt, weil er sich in Liebe um uns sorgt. 
3. Sie entdecken: menschliches Tun kann helfen sichtbar zu machen, wer Gott ist. Von ihm sagen wir ja, er ist der Schöpfer der Welt. Handwerkliches Schaffen ist demnach, wenn wir den Menschen als Sein Ebenbild wahr- und ernstnehmen, Teilhabe an der Schöpfer-Wirklichkeit Gottes. Es ist mehr als Geld- und Broterwerb, es ist Mitwirken am Plan Gottes für die Welt. Und gerade deswegen gebührt Ihnen mein Respekt und ein großes "Vergelt's Gott!" Maria, deren Gedenktag wir heute in der Kirche begehen, ist uns genau darin ein großes Vorbild. Sie kann beschrieben werden als eine, die immer darauf ausgerichtet war, Gottes Willen in Ihrem Dasein zu erfüllen, sie war wie kein anderer Mensch beteiligt an der Wirklichkeit, Gott in dieser Welt sichtbar zu machen durch Ihr Sein und Ihr Wirken. Sie sorgte sich als Teil der Heiligen Familie darum, dass der lebendige Gott mitten unter den Menschen erfahrbar wird und machte daher die Welt und das Leben schöner, ja reicher. 
4. Noch einmal: Denken Sie bitte nicht zu klein von sich! Ihre Werke helfen mit, Gott in dieser Welt einen Raum zu geben. 

Die Schriftlesungen beim Gedenken des Unbefleckten Herzens Mariens:
Lesung: Jes 61,9–11;
Evangelium: Lk 2,41–51



Grüß Gott auf unserer Website! Wir verwenden Cookies, um die Bereitstellung unserer Inhalte und Services zu erleichtern. Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.Mehr Informationen

OK