Predigt beim Requiem von Landeshauptmann a.D. Josef Krainer

Viel wurde in den vergangenen Tagen über unseren früheren Landeshauptmann Dr. Josef Krainer, den wir gestern zu Grabe getragen haben, gesagt und geschrieben. Diese Fülle, die eben auch in der Trauersitzung des Steiermärkischen Landtags ausgedrückt wurde, macht deutlich, wer Josef Krainer für dieses Land war: ein Mensch mit starkem und überzeugendem Wesen und einem nachhaltig prägenden politischen Charakter über Grenzen und seine Zeit hinaus. Er wurde von Vertretern unterschiedlicher Parteien gewürdigt, nicht nur "weil", sondern auch "wie" feinsinnig und zukunftsweisend er das Land und damit die Menschen darin gesehen und wahrgenommen hat. Er hat sich für die Menschen in all ihren Bereichen – in Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Sozialem usw. – und damit für unsere Steiermark in den Dienst gestellt. Ein Lebenswerk an politischer Dynamik.

Woher nahm Josef Krainer diesen Antrieb? Die Familie und seine vielen Freunde – sie waren die tragende Säule seines Lebens und trugen ihn auch durch schwierige Abschnitte seines Lebens. Ihnen gilt in diesen Tagen des Abschieds unser Mitgefühl. Eine weitere Säule war ihm das christlich-humanistisches Weltbild in all seiner Breite und Spannkraft, geprägt durch viele große, ja auch kirchliche Persönlichkeiten.
In der kurzen Begegnung mit ihm am Heiligen Abend an seinem Krankenbett durfte ich dies persönlich in zwei kleinen Gesten erfahren: Als er Landeshauptmann Schützenhöfer und mich erkannt hatte, bat er uns, näher zu kommen. Ich beugte mich zu ihm und er streichelte mir über mein Gesicht und lächelte. Wie wichtig war ihm doch "der Mensch". Keine Anstrengung des Geistes und keine politische Auseinandersetzung war ihm da zu viel. Im Menschen sah er jene, die ihm von Gott an die Seite gestellt worden sind. Letztlich besagt der christliche Glaube ja, wir alle sind gleich an Würde geboren und auf ein gemeinsames Ziel hin unterwegs. Das ist ein brückenbauendes Moment bei aller Unterschiedlichkeit und gegensätzlicher Meinung im Alltag und kann dies auch in der Politik sein. Diese berührende Geste erschließt sich für mich im Wort "Zuwendung". "… Zuwendung, die ich nicht nur über die dafür zuständigen Organisationen umleite und vielleicht als politische Notwendigkeit bejahe", wie Papst Benedikt XVI. in der Enzyklika "Deus Caritas est" sagt. Und mehr noch: "Ich sehe mit Christus und kann dem anderen mehr geben als die äußerlich notwendigen Dinge: den Blick der Liebe, den er braucht."

Während ich ihn dann für seine – wie sich herausstellte – letzte Etappe des Lebens gesegnet habe, bekreuzigte er sich mit der rechten Hand, so gut es ihm möglich war. Er hat, wie so oft in seinem Leben, sein Dasein unter den Segen Gottes gestellt – eine Haltung tiefen Gottvertrauens: "Auch wenn ich alles in meiner Kraft Stehende getan habe, weiß ich, dass letztendlich ein anderer Herr über das Leben und über den Tod ist." In Gott selbst werden wir unsere Bestimmung finden. Er wird an uns vollenden, was er in der Taufe mit uns begonnen hat. Der Glaube an die Auferstehung kann von allem Machbarkeitsdruck entlasten und zugleich in die Verantwortung für diese Welt stellen. In Karl Rahners Grundkurs des Glaubens (1976) spricht der Konzilstheologe von der irdischen Welt als "Raum des Werdens personaler Freiheit und Verantwortung."

Josef Krainer hat sich in den Dienst an den Menschen stellen lassen: beseelt und getragen von einer lebendigen Beziehung zu Gott und vom Menschenbild, das uns das II. Vatikanische Konzil als Kirche erneut in Erinnerung gerufen hat. Der Mensch ist Weg der Kirche, und der Mensch ist daher auch Ziel aller Politik. Josef Krainers Werk und dieses große Zeugnis werden weiterleuchten in unserem Land. Er hat sich mit seinem Leben, bildlich gesprochen, in die Zeilen unserer Landeshymne eingeschrieben: "dieses schöne Land ist der Steirer Land, ist mein liebes, teures Heimatland". Wir danken ihm dafür.



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