Predigt beim Pfarrfest in Gratkorn am Fest "Verklärung des Herrn"

Petrus hat in dem Abschnitt der Lesung heute von seiner Zeugenschaft berichtet - damals am "heiligen Berg". Er will damit unterstreichen, dass das, was die Propheten gesagt haben, in Jesus, in seinen Worten und Taten deutlich geworden ist. Ja: das Wort der Schrift ist richtig und gleicht einem Licht an dunklen Orten. - Das, was Petrus damals denen geschrieben hat, die in der Nachfolge Jesu Christi gestanden sind, das haben wir heute als Wort Gottes für unser Leben der Nachfolge hier in Gratkorn eben gehört. Daher möchte ich jeder/jedem zurufen: "Macht ernst mit der Wegweisung Jesu für Euer ganz persönliches Leben - nur er ist letztlich Orientierung!"
Was auch immer in unserem Leben daherkommen mag, was auch immer sich in der Kirche tut: Seine Worte sind Licht für das Leben, auch in den dunkelsten Stunden. Denn Er ist auferstanden - und heute ist in der Verklärung deutlich geworden: das Leben Gottes kann auch unter uns Platz greifen! - Ich glaube zutiefst, dass eine solche neue Fundamentierung nottut in unserer Kirche - in mir und bei jeder/jedem von uns. Nur "einfach dazuzugehören, weil es bei uns so üblich ist" - und das merken wir ohnedies immer wieder - ist heute schon und erst recht morgen zu wenig, angesichts der Herausforderungen in der Welt und in unserer Gesellschaft. Ich weiß: das mag ein wenig radikal klingen, und so ist es auch. Denn: Christ zu sein wird einem nicht einfach geschenkt, sondern ist Berufung. Haben wir keine Angst davor, uns immer tiefer mit dem auseinander zu setzen, was wir an Schätzen in unserem Glauben haben. Mehr noch: Haben wir keine Angst davor, dass es mitunter drunter und drüber zu gehen scheint in Welt und Kirche, dass uns da und dort Fragen scheinbar übermannen und wir nicht recht aus und ein wissen. - Das sage ich mir, das sage ich den Priestern und Diakonen, den Ordensleuten und jeder Person, die seit der Taufe in Sein Leben hinein getaucht wurden: "Habt keine Angst! - Gott ist mit uns!" 
Interessant für mich ist ja, dass es Mechanismen in unserem Leben gibt, die bei sich ändernden Situationen wie von selbst Lösungsvarianten suchen. Angst entsteht nämlich immer dort, wo wir etwas Neuem begegnen, mit dem wir nicht recht umzugehen wissen ... Ob das nun sich ändernde Situationen in der Gesellschaft sind, in der Kirche, im privaten Leben und so weiter: All diesen Menschen steht es an, mehr zu vertrauen, denn Vertrauen ist das Gegenteil von Angst. Nicht wir haben das Leben der Welt und der Kirche in der Hand, sondern Er! Er und nicht wir/ich gibt Orientierung, ist Licht für den Weg. - Gerade deswegen gilt es nicht müde zu werden, immer und immer wieder die Herausforderungen Gottes in den Alltäglichkeiten unseres Lebens an- und ernst zu nehmen und mit dem Blick des Auferstandenen zu sehen, ihnen entgegenzutreten mit dem Licht, das nicht wir aus uns selbst haben, sondern das den Weg uns weist hin zu einem Leben auf ewig. Ja: ich sage mir immer wieder: nicht ich bin der Herr der Kirche, sondern ER. Und: wie verfänglich es doch ist, zu meinen, alles nach meinen Plänen, nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Das gerade Gegenteil ist der Fall: es gilt, sich auf IHN einzulassen in den Kleinen und Großen, in denen die für meine Begriffe nichts oder nur wenig mit Gott zu tun haben genauso wie in denen, die Sonntag für Sonntag da sind, in denen die nach außen regulär zu leben vorgeben genauso wie in denen mir vermeintliche Irregularitäten entgegentreten. Ja: mit IHM als dem alles entscheidenden Licht kann ich es mir leisten, auch dunklen Seiten des Daseins nicht vorschnell auszuweichen, sondern in ihnen nach dem Licht zu suchen, das ER auch in die Dunkelheit des Todes und damit die größte Gottesferne, die denkbar ist, gebracht hat. - Das kann und muss aber auch auf alle Situationen, in denen wir üblicher Weise "Kirche" erfahren und leben angewendet werden: "Lassen wir wirklich IHM Raum in unseren Pfarren?" - Wenn wir nun etwa darangehen, in Hinkunft in Seelsorgeräumen zu denken, dann ist das auch diesem notwendigen (!) Gedanken der Kirchenerneuerung geschuldet, da ich mitunter wahrzunehmen meine, dass wir es uns gut eingerichtet haben in unserem Kirchenalltag. "Kirche" ist immer mehr als Pfarre und damit verbunden - verzeihen Sie mir das Wort "Pfarrbetrieb". Denn dieser kann schnell zu Überlastung führen. Es geht darum, IHN zu bezeugen, ob im Kleinen der Familie, ob in Schule oder im Beruf, im Alltag genauso wie in der Pfarre, in der Liturgie genauso wie in der Bewahrung der Schöpfung, usw. usf. Sie sind da schon an vielem dran. Bleiben Sie nicht stehen dabei, dass sich am Üblichen nichts ändern solle, denn Kirche ist eben auch Diözese und Kirche, ist eben auch Weltkirche. Wenn wir uns nämlich gut eingerichtet haben - in den Häusern am Berg etwa oder auch im beschaulichen Dasein einer Pfarre - kann es passieren, dass wir - ehe wir es uns versehen - an den eigentlichen Herausforderungen des Heute vorübergehen, weil wir planen, weil wir denken, weil wir sowieso die besten zu sein meinen ... - Oder: wenn es Herausforderungen gibt, die etwa heißen, Nachfolge in einem Orden: blenden wir das nicht eigentlich schon längst aus aus unserem Denken, "Hauptsache wir haben unsere kirchliche 'Nahversorgung'?" Was bedeutet es etwa, dass hier in dieser Pfarre Zisterzienser als Seelsorger wirken - wo wird diese Spur des Evangeliums sichtbar und wo arbeiten wir als Pfarre daran, dass diese Spur sichtbar bleibt (oder vielleicht auch wird)? Wo also - um es anderes auszudrücken - nehmen wir die Anrede Gottes wahr und ernst, die uns durch Menschen auf genau diesem Weg der Nachfolge radikal - also vertieft! - in das "hinter Jesus her, Mensch" ruft? Oder denken wir: das mit dem Stift da, das sollen sie selbst regeln ...?! Noch einmal: ER gibt uns Licht und ER rüttelt uns aus unserer Unruhe immer wieder auf, uns eben nicht auf unser Können und Planen zu verlassen. 
Also: "Vertrauen! - Habt keine Angst, denn ER ist Gottes geliebter Sohn, auf den wir hören sollen!



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