Predigt bei der Rorate am Hl. Berg in Bärnbach am 24.12.2016

"Lassen wir doch Gott Gott sein!" Die Versuchung, in der damals David war, und die der Prophet ihm auch erst nach einer Nacht, in der er mit Gott auf "Du" und "Du" gewesen ist, richtig beantwortet hat, ist auch heute gegeben. Wobei sofort ergänzt werden muss: das, was als "Versuchung" von mir bezeichnet wurde, ist ja aufs Erste betrachtet etwas ganz und gar Verstehbares: angesichts all dessen, was Menschsein ausmacht, ist es ganz und gar nachvollziehbar, dass auch für den Herrn der Welt ein Haus zu bauen sich lohnt. Die Frage ist alles andere als nicht berechtigt; die Antwort aber, die Natan dem David übermittelt, ist auch klar: "Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne? [...] Nun verkündet dir der Herr, dass der Herr dir ein Haus bauen wird." (vgl. 2 Sam 7,5.11). ​Ja: es ist verständlich, dass wir alles für uns und unser Dasein gelöst haben wollen, dass wir wissen wollen, wo es langgeht etc. Ja, es ist verständlich, dass wir genaue Wegbeschreibungen für unser Dasein haben wollen, um zu wissen, ob wir richtig liegen oder nicht. Ja, es ist verständlich, auch von der Kirche deutliche Worte zu verlangen, was denn nun "katholisch" sei und was nicht mehr in den "Verfassungsrahmen" passt. - Ja: dem ist so. Und zugleich ist es auch richtig und wichtig: "Nicht wir, sondern Er!" Denn unser Weg, den wir gehen wollen, ist einer, den Er vorzeichnet. Und die Geschichte der Welt und damit auch der Kirche ist voll gepflastert mit Ereignissen, die deutlich machen, wohin es führt, wenn sich der Mensch über den Menschen erhebt, wenn auch von Kirche Macht über Menschen ausgeübt wird. ​Noch einmal - um es in einem Bild auszudrücken: ich bin mehr als dankbar dafür, dass wir in unserer Kirche um die bleibende Gegenwart des Auferstandenen in der Gestalt des Brotes und des Weines wissen, mehr als dankbar also für den Tabernakel. Und zugleich muss ergänzt werden: diese zugesicherte Nähe des Herrn ist nicht eine solche, dass wir uns ausruhen könnten unter dem Motto etwa: "Wir haben ihn eh in der Hosentasche". Er, der Auferstandene, ist immer einer, der sich auch entziehen kann und Seinen Geist woanders wehen lässt. - Wie demnach in dieser Spannung leben? Paulus hilft uns im Philipperbrief weiter: "Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus" (Phil 3,13). In der Feier der Weihnacht, in der Feier der Sakramente, im allerheiligsten Sakrament des Altares steht uns immer das Ziel, nach dem wir zu streben haben, vor Augen: der Herr, Gottes Mensch gewordene Liebe. Diese Zusicherung ist uns gegeben, damit wir (!) eben IHN nicht aus dem Auge verlieren und uns je neu, Tag für Tag, IHM anvertrauen, an IHM zu orientieren, Sein Leben zum Maß für unseres nehmen und Sein Wort uns Ideal wird, das uns, unser Leben und Kirche auferbaut. Uns wird in der Zusicherung Seiner Liebe und damit Nähe eben nicht das Fertige in die Hand gegeben, die Lösung, sondern die Orientierung und damit ermöglicht aufzuschauen aus dem Alltag und zu wissen: "Da geht es lang". Um IHN zu wissen lädt uns ein, nicht müde zu werden, alles daran zu setzen, dass wir durch unser und mit unserem Zu- und Miteinander selbst immer mehr zu Menschen werden, die Christus zur Welt bringen.


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