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Neues Miteinander von Klerus und Laien

Bernhard Rebernik, neuer Präsident der katholischen Aktion in der Steiermark im "Kleine Zeitung"-Interview.

In einem Interview in der "Kleinen Zeitung" (Feiertag-Ausgabe) sagte Rebernik: "Wir wollen mit der Kirche, mit dem Klerus arbeiten. Wir erwarten aber auch, dass der Klerus auf uns und unsere Erfahrungen im Leben hört." Die KA wolle mithelfen, "dass die Kirche die Brücke zur modernen Gesellschaft schlägt". Die pilgernde Kirche bestehe gleichermaßen aus den Gläubigen und dem Klerus. Gemeinsame Aufgabe von Geistlichen und Laien sei es, die Botschaft des Glauben in der heutigen Sprache weiterzugeben, in den Pfarren, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft.

Die Pfarrerinitiative beurteile er differenziert, so Rebernik: "Es gibt sicher Punkte, die leichter lösbar sind und solche, die nur die Weltkirche lösen kann." Die Anliegen seien jedenfalls verständlich: "Sie spiegeln Sorgen der Pfarrer und Gläubigen wider: die Überlastung der einzelnen Priester etwa oder die Frage der wiederverheiratet Geschiedenen." Dabei gehe es derzeit in erster Linie um Deeskalation.

Die Forderungen der Katholischen Frauenbewegung nach dem Frauendiakonat und nach den Empfang der Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene könne er mittragen. Rebernik: "Besonders die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen ist ein wichtig. Die Frage ist von zwei Seiten zu betrachten: der des Rechts und der Barmherzigkeit. Christus selbst hat immer wieder seine Liebe über das Gesetz gestellt. Barmherzigkeit und einen Neuanfang müsste man jedem gewähren. Eine besondere Rolle fällt auch dem eigenen Gewissen zu."

Zum Priestermangel meinte Rebernik: "Natürlich wollen die Gläubigen einen Pfarrer. Aber wenn es keinen gibt, werden Laien in der Pfarre mehr Aufgaben als bisher übernehmen." Einige Aufgaben seien den Priestern vorbehalten, wie die Eucharisiefeier. Aber Wortgottesdienste, seelsorgliche Gespräche, wirtschaftliche oder organisatorische Belange könnten Laien übernehmen. Den Einsatz ausländischer Priester bewertete er skeptisch: "Ausländische Priester tun sich in unserer Gesellschaft nicht unbedingt leicht. Ich denke, die kulturelle Komponente ist nicht zu unterschätzen."

Gerade bei moralischen und ethischen Fragen sollte die Kirche gehört werden, so Rebernik: "Ermunterung zu mehr Kindern, Förderung der Familie, Frage des Lebens, Nachhaltigkeit." Gerade für Menschen, die keine Anwaltschaft haben, müsse die Kirche die Stimme erheben: "Kinder, Behinderte oder Migranten zum Beispiel. Nicht zu vergessen, dass die Caritas als kirchliche Organisation im Sozialbereich vorbildlich wirkt." Auch in Arbeits- und Wirtschaftsfragen müsse sich die Kirche einbringen. Die Katholische Aktion engagiere sich darüber hinaus etwa auch im Bereich der Elternbildung.

Angesprochen auf den anstehenden Bischofswechsel in der Steiermark meinte der KA-Präsident: "Bischof Egon Kapellari sind wir sehr dankbar. Er hat die Diözese sehr umsichtig geführt." Die KA wünsche sich für die Zukunft "einen Bischof der Mitte, der ausgleichen kann". Rebernik: "Alle sollen in das Boot Kirche kommen, nicht nur eine Elite. Der neue Bischof sollte alle Steirer gut ansprechen und sich im akademischen Umfeld seiner Diözese gut bewegen können. Er soll die Diözese behutsam aber mutig weiterentwickeln." Zur Frage nach einem Wunschkandidaten wollte sich Rebernik nicht äußern: "Wir werden uns überraschen lassen."

Rebernik wurde im Juni zum neuen Präsidenten der Katholischen Aktion (KA) in der Diözese Graz-Seckau gewählt. Er war bis zu seiner Pensionierung 2007 Vorstand der "Andritz AG". Rebernik fungiert u.a. als Leiter des "Forums für Forschung und Innovation" der Industriellenvereinigung sowie als Gründungsmitglied des Forums für Technik und Gesellschaft an der TU Graz.

kathpress