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Mit Vollgas in den Hunger

Angesichts steigender Lebensmittelpreise fordert ein breites Bündnis ein Ende für E10 in Österreich. Denn „Biotreibstoffe“ verschärfen den Welthunger und sind für den Klimaschutz ungeeignet.

Die Lebensmittelpreise steigen und durch die anhaltende Dürre in den USA wird die Kritik an der Versprittung von Lebensmitteln immer lauter. Nun hat sich in Deutschland mit Entwicklungsminister Dirk Niebel erstmals ein Regierungsmitglied für einen sofortigen Verkaufsstopp des umstrittenen „Biosprits“ E10 ausgesprochen. In Österreich hingegen hält Umweltminister Nikolaus Berlakovich ungeachtet aller Kritik weiter an der geplanten Einführung des Agrosprits „E10“ im Herbst fest.

„Anders als von Minister Berlakovich behauptet, reichen für die geplante Beimengung von zehn Prozent Agrotreibstoffen die heimischen Anbauflächen bei weitem nicht aus“, kritisiert Sigrun Zwanzger vom Welthaus der Diözese Graz-Seckau. „Bereits heute müssen Österreich und die EU einen hohen Anteil der Rohstoffe für Agrotreibstoffe aus Drittländern importieren – zum Beispiel aus Argentinien. Dort bauen internationale Konzerne auf riesigen Ackerflächen Gen-Soja für den Export nach Europa an. Das Saatgut stammt von Konzernen wie Monsanto und Bayer, die auch die passenden chemischen Dünger und Spritzmittel liefern.“

Doch während die Konzerne große Gewinne machten, verliere die lokale Bevölkerung ihre Lebensgrundlage, kritisiert Zwanzger: „Riesige Wälder werden für die Monokulturen gerodet, Kleinbauernfamilien müssen von ihrem Land weichen. Das Trinkwasser wird knapp. Nach ein paar Jahren industriellen Anbaus mit hohem Pestizideinsatz sind die Böden kaputt. Zurück bleiben Armut und eine zerstörte Umwelt. Die riesigen Soja-Monokulturen für den Export verdrängen auch Anbauflächen von Getreide, Kartoffeln und Bohnen für den Eigenbedarf der Bevölkerung. So verschlechtert sich ihre Ernährungslage, während immer mehr Soja produziert wird.“

Agrotreibstoffe sind nicht nur wegen der unökologischen und energieaufwändigen Produktion ungeeignet für den Klimaschutz. Sie haben auch nachweislich zum massiven Preisanstieg von Lebensmitteln beigetragen – „eine Katastrophe für Menschen in Entwicklungsländern, die bis zu 70 Prozent ihres Einkommens für die Ernährung ausgeben müssen“, sagt Zwanzger.

Ein breites Bündnis entwicklungs-, verkehrs- und umweltpolitischer Organisationen* hat eine Petition im österreichischen Parlament eingereicht. Diese fordert, dass die Regierung ihre menschenrechtlichen Verpflichtungen wahrnehmen und sich für umfassende ökologische und soziale Mindeststandards sowie für ein Moratorium der Beimischungsquote für Agrosprit einsetzen muss. Jede/r österreichische StaatsbürgerIn ab 16 Jahren kann die Petition jetzt online unterzeichnen.